
Es ist Sommer und der 14. Geburtstag von Mia (Luca Brüggemann) steht vor der Tür. Eigentlich hätte die Jugendliche, die mit einem Herzfehler geboren wurde, lieber mit einer guten Freundin in Italien gefeiert, doch ihre Mutter Tine (Susanne Wolff) hat andere Pläne. Schon seit Jahren macht Tine mit ihrer Familie und einer Clique guter Freunde in ein und derselben, idyllisch zwischen Hügeln, Wäldern, Wiesen und einem Badesee gelegenen Ferienhaussiedlung Urlaub. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Sowohl Tine als auch ihr Ex-Mann, Mias Vater Falk (Wolfram Koch), haben ihre neuen Partner Achim (Martin Butzke) und Nadja (Margarita Breitkreiz) dabei. Wodurch Mia noch weniger Lust hat, mit ihrer Familie zu feiern. Nachdem sie am See einen seltsamen fremden Jungen (Lennox Halm) getroffen hat, verschwindet sie ausgerechnet am Morgen ihres Geburtstags spurlos.
Magische Familienaufstellung
Dem deutschen Kino fehlt (zu) oft der Mut, Konventionen zu durchbrechen. Statt erzählerische und formale Experimente zu wagen, geraten (zu) viele Filme formelhaft. Zum Glück ändert sich das immer mehr. Mit Missing*Link reißt der Regisseur und Drehbuchautor Michael Baumann zwar keine Bäume aus, beschreitet aber einen dem magischen Realismus verhafteten Weg, der hierzulande (zu) selten auf der großen Leinwand zu sehen ist. In seine tragikomische Familiengeschichte bricht unvermittelt eine andere Realität ein, die dem Werk eine ausgesprochen poetische Note verleiht.
Der Auslöser ist ein namenloser Junge, der der bald 14-jährigen Protagonistin Mia während des Sommerurlaubs an einem Badesee begegnet. Mit Lennox Halm ist er perfekt besetzt, strahlt dessen wilder Blick doch etwas Geheimnisvolles aus. Die von Luca Brüggemann gespielte Mia scheint der einzige Badegast zu sein, der den dreisten Mundraub des Jungen bemerkt. Das sich daran anschließende Versteckspiel im nahegelegenen Wald ist versiert inszeniert und kommt ganz ohne Worte aus. Bereits in diesen ersten zarten Szenen bemerkt das Publikum, dass es Zeuge von etwas Außergewöhnlichem wird.
Angst, allein zu sein
Michael Baumann vermischt in Missing*Link nicht nur wahre mit unerklärlichen Ereignissen zu einer Geschichte, die sich zugleich traumhaft und wahrhaftig anfühlt, der Film selbst ist eine Mixtur. Weil der Regisseur und Co-Autor gleich mehrere Geschichten parallel erzählt. Der Mutter-Tochter-Konflikt zwischen Mia und Tine ist mehr als nur das typische Familiendrama, das sich einstellt, wenn ein Kind in die Pubertät kommt. Mias Erwachsenwerden prallt auf gleich zwei veritable Midlifekrisen, die ihre Mutter Tine und ihr Vater Falk unabhängig voneinander durchmachen. Was Missing*Link zu einer Verschränkung von Coming-of-Age-Film, Coming-of-Middle-Age-Film und Familiendrama macht. Denn hinter all dem schlummert wiederum ein (zu) lange gehütetes Familiengeheimnis.
Baumann findet für sein bis in die kleinste Nebenrolle fabelhaft, weil treffend besetztes Drama immer wieder originelle Bilder, beispielsweise jenes, als sich Susanne Wolffs Tine und Falks Freundin Nadja die Reste einer zerstörten Geburtstagstorte wie eine Kriegsbemalung gegenseitig ins Gesicht schmieren. Tragik und Komik liegen in diesem Film, der im Kern von Verlustängsten handelt, nah beieinander. Größtes Manko ist indessen die Länge. Mit einer Laufzeit von zwei Stunden ist Missing*Link mindestens 20 Minuten zu lang geraten. Deutlich mehr erzählerische Dichte, eine Straffung der einzelnen Handlungsstränge und eine Konzentration auf weniger Figuren hätten dem Film gutgetan.
OT: „Missing*Link“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Michael Baumann
Drehbuch: Sabine Westermaier, Michael Baumann
Musik: Verena Marisa
Kamera: Falco Lachmund
Besetzung: Susanne Wolff, Luca Brüggemann, Wolfram Koch, Martin Butzke, Margarita Breitkreiz, Lennox Halm, Janosch Andreas
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