
Wie viele andere Ehemänner bleibt auch der Lektor Richard Sherman (Tom Ewell) während des heißen New Yorker Sommers allein in der Stadt zurück. Seine Frau Helen (Evelyn Keyes) und ihr gemeinsamer Sohn reisen für die Sommermonate nach Maine, um der Hitze zu entkommen. Anders als seine Kollegen will Richard jedoch standhaft bleiben, sich an seine Diät halten, mit dem Rauchen aufhören und vor allem den Versuchungen des anderen Geschlechts widerstehen. Zunächst scheinen seine guten Vorsätze erfüllbar, doch dann macht er Bekanntschaft mit seiner neuen Nachbarin (Marilyn Monroe), die den Sommer über in die Wohnung über den Shermans einzieht. Die außerordentliche Attraktivität der jungen Frau lässt Richard keine ruhige Minute. Dabei ist er hin- und hergerissen: Auf der einen Seite will er weiterhin ein treuer Ehemann bleiben, auf der anderen Seite möchte er sich selbst beweisen, dass er nach wie vor ein unwiderstehlicher Verführer sein kann. In jedem Fall aber will er die Beziehung zu der jungen Frau geheim halten, was mit der Zeit immer schwieriger wird – auch wegen der Schuldgefühle, die ihn immer wieder heimsuchen. Das verflixte 7. Jahr basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück des Autors George Axelrod und ist eine der ersten Kollaborationen zwischen Regisseur Billy Wilder und Schauspielerin Marilyn Monroe. Auch wenn der Film durch die Szene über dem U-Bahnschacht weltberühmt wurde, gehört die Komödie keineswegs zu den besten Arbeiten Wilders, wie er selbst sagt. Grund dafür sind die Zensurbestimmungen des Hays Code, die vieles der Fantasie des Zuschauers überlassen, was auf der Bühne wesentlich mutiger und provokanter sein durfte. Axelrods Stück darf nämlich als Satire auf Geschlechterbilder verstanden werden, die durch Werbung, Film sowie gesellschaftliche Erwartungshaltungen definiert sind, sowie als Kommentar auf die Lüge des Konformismus der 1950er Jahre. Daher könnte man sagen, dass Das verflixte 7. Jahr den Grundstein für Filme wie Manche mögen’s heiß und Das Apartment legt, in denen Wilder sehr viel direkter und bissiger mit den erwähnten Themen umging. Natürlich denken wahrscheinlich viele Zuschauer an die schon erwähnte Szene am U-Bahnschacht, doch es gibt weitaus raffiniertere Momente in Das verflixte 7. Jahr. Leicht hat man den Beginn des Filmes vergessen, der einen Blick zurück wirft auf die Zeit, als Manhattan Lebensraum der Ureinwohner Amerikas war, die – wie die Ehemänner der Neuzeit – in den heißen Sommern ebenfalls ihre Frauen auf die Reise in kühlere Gefilde schicken. Aufgrund des offensichtlichen „Whitewashing“ verdreht so mancher die Augen – ebenso wegen der ersten sexuellen Andeutungen. Das Bild erscheint wie eines der geschmacklosen Buchcover, mit denen der Verlag, für den Richard arbeitet, Klassiker wie kitschig-anrüchige Machwerke aussehen lässt, auch wenn sich ihr Inhalt nicht ändert. In diesem Kontext ist jene berühmte Szene, in der Richard (und der Zuschauer) einen kurzen Blick unter das weiße Kleid von Monroes Figur werfen dürfen, ein Echo einer oberflächlichen, sexistischen Gesellschaft, die sich ihren Mangel an Takt, Treue und Moral durch Bezüge auf Geschichte, Popkultur oder Studien schönredet. Der satirische Unterton, den die Eingangsszene evoziert, bleibt immer etwas unter der Oberfläche der Geschichte und der Bilder von Das verflixte 7. Jahr, aber er ist durchaus präsent und verteilt sogar die ein oder andere Spitze gegen die Darstellung von Sex in der Traumfabrik sowie die Generierung von teils illusionären und toxischen Geschlechterbildern. Im Grunde ist Richard ein Vorläufer von Figuren wie dem von Jack Lemmon gespielten Bud Baxter aus Das Apartment. Tom Ewells Charakter ist einer unter vielen – er will aufbegehren, doch ihm fehlt das Rückgrat. Er versteift sich in schier endlose Tiraden, in denen er seine amoralischen Gedanken vor sich selbst zu rechtfertigen versucht, was ihm sowohl seine Frau als auch seine neue Nachbarin als „blühende Fantasie“ attestieren, die sie bestenfalls belustigt. Ewell versucht einen riskanten Balanceakt, weil Richard (im Gegensatz zu Bud Baxter) alles andere als eine sympathische Figur ist. Er ist ein Produkt einer Mischung unterschiedlicher Vorbilder von Männlichkeit, denen er allen irgendwie gerecht werden will, was in einer großen Unsicherheit und einer Flucht in jene Tagträume resultiert. Einmal ist er ein Verführer mit einem leichten französischen Akzent, ein anderes Mal ist er das Opfer seines eigenen Betrugs – eine Vision, die in einem Moment des Selbstmitleids gipfelt, in dem sich Richard als eine Art Märtyrer sieht. Genauso faszinierend wird es, wenn man den Blick auf Marilyn Monroes Figur richtet. Die Tatsache, dass ihr Charakter keinen Namen hat und nur „das Mädchen“ genannt wird, sagt bereits sehr viel. Auch wenn sie rein physisch bereits eine Frau ist, erscheint ihr naives Verhalten sowie ihre Aussagen wie die eines Kindes, das noch nicht so recht weiß, wie es seine Mitmenschen deuten soll. Monroe spielt nicht nur einen Charakter, sondern vielmehr die Akkumulation all jener Charaktereigenschaften und Manierismen, die gerade ihr männliches Publikum in ihr sehen will. Als Model aus der Werbung ist sie nicht weit entfernt von der Schauspielerei, wobei es weniger darum geht, eine Figur zu spielen, als vielmehr ein Image zu affirmieren. Sie wäre gerne jemand mit einem Talent wie Sarah Bernhardt, doch die Werbung für Zahnpasta würde ihr ein Millionenpublikum bescheren – etwas, von dem die französische Schauspielerin nur träumen konnte. Selten wurde die Oberflächlichkeit und der inhärente Sexismus der Konsumgesellschaft amüsanter auf den Punkt gebracht. OT: „The Seven Year Itch“ Berlinale 1955 Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.Zensur und Kopfkino
Projektionsflächen
Land: USA
Jahr: 1955
Regie: Billy Wilder
Drehbuch: Billy Wilder, George Axelrod
Vorlage: George Axelrod
Musik: Alfred Newman
Kamera: Milton R. Krasner
Besetzung: Marilyn Monroe, Tom Ewell, Evelyn Keyes, Sonny Tufts, Robert Strauss, Oskar Homolka
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