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Asche und Diamant

„Asche und Diamant“ // Deutschland-Start: 27. Oktober 1961 (Kino)

Inhalt / Kritik

Während sich die Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg deutlich abzeichnet, beginnt für Teile des polnischen Widerstands ein neuer Kampf – gegen den Kommunismus. Als das Attentat auf einen Funktionär (Wacław Zastrzeżyński) jedoch scheitert, bleiben Maciek (Zbigniew Cybulski) und seinem Vorgesetzten Andrzej (Adam Pawlikowski) nur wenig Zeit, um ihren Auftrag zu erfüllen. In dem Hotel, in dem der Funktionär für die Nacht ein Zimmer bezogen hat, bereitet sich Maciek auf einen zweiten Versuch vor.

Zwischenzeitlich flirtet er mit der Bardame Krystyna (Ewa Krzyżewska), doch aus ihren Gesprächen entwickelt sich schnell mehr als eine bloße Annäherung. Auch Krystyna ist vom Krieg gezeichnet und zögert, sich auf jemanden einzulassen, der ihr jederzeit wieder genommen werden könnte.

Die Beziehung zu Krystyna lässt Maciek zunehmend an seinem Auftrag wie auch an seinem bisherigen Handeln zweifeln. Hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe und seinem Schwur gegenüber dem Widerstand sucht er Rat bei Andrzej, der jedoch bereits eigene Pläne für die Zukunft verfolgt und den jungen Mann dazu drängt, diesen einen Auftrag noch auszuführen.

Schwierige Übergänge

Asche und Diamant ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Filme des polnischen Regisseurs Andrzej Wajda. Nach Eine Generation und Der Kanal ist Asche und Diamant der letzte Teil von Wajdas Kriegstrilogie, in der er sich mit dem polnischen Widerstand, dem historischen Erbe seiner Heimat nach dem Zweiten Weltkrieg sowie den psychischen Folgen für das Land an sich aus der Zeit des Krieges befasst. Das Finale der Trilogie nimmt dabei insbesondere die schwierige Übergangsphase des Landes nach dem Krieg ins Visier, als sich ein neuer Konflikt bereits andeutete. Anders als man denkt, erzählt Wajda jedoch keineswegs Heldengeschichten, sondern vielmehr von den Schicksalen jener Menschen, die zwischen zwei Idealen gefangen waren und bei denen sich die psychischen Folgen der vielen Jahre im Widerstand deutlich abzeichneten.

Damit wird Asche und Diamant ein zeitloses Porträt der Sinnlosigkeit des Krieges und eines Traumas, dessen sinnbildlicher Ausdruck die Szenen der zerstörten Landschaft und der ausgebrannten Gebäude sind.

Es ist ein heimtückisches Attentat, das Maciek und Andrzej planen. Überrascht werden sollen die Ziele und keine Zeit haben, um etwas gegen den Kugelhagel zu unternehmen, der sie einen nach dem anderen töten wird. Durch seine dunkle Sonnenbrille wirkt Maciek noch kaltblütiger und nimmt teilnahmslos die letzten Instruktionen seines Vorgesetzten entgegen, mit dem ihn viele Jahre im Widerstand verbinden. Entsprechend schnell und methodisch geht das eigentliche Attentat dann vonstatten – bis zu der Erkenntnis, dass sie den Falschen erwischt haben und sich einen neuen Plan ausdenken müssen. „Das Ende des Krieges ist nicht das Ende des Kampfes“ heißt es an mehreren Stellen, sodass die Formulierung zu einer Art Durchhalteparole wird – gerichtet an Männer wie Maciek sowie an die Bevölkerung, in deren Gesichtern sich die Kriegsmüdigkeit deutlich abzeichnet.

Asche und Diamant zeigt das Ende des Krieges als mehrdimensionales, ambivalentes Ereignis, mit dem das Volk die Hoffnung verbindet, aus der Spirale der Gewalt und Unsicherheit zu entkommen. Männer wie Maciek oder Andrzej hingegen sind Produkte des Krieges, kennen nichts anderes als ein Leben im ständigen Kampf, sodass ihre Zukunft ein großes Fragezeichen ist. Die Flucht in einen neuen Konflikt oder der Anschluss an die Mächtigen der nächsten Tage definieren die Optionen, die ihnen bleiben – wobei Wajda keine von ihnen als wahrhaft heldenhaft darstellt. Wie schon in Kanal nimmt der Regisseur seinem Zuschauer jede Illusion über die Narrative von Helden und setzt dem verzweifelte Überlebensversuche, Tragödien oder den Schulterschluss mit den „Siegern“ entgegen.

„Was bleibt von uns?“

Der Titel des Films geht auf ein Gedicht Cyprian Kamil Norwids zurück, in dem gefragt wird, was am Ende eines Lebens von einem Menschen übrig bleibt. Bei einem Spaziergang Macieks und Krystynas wird die Zeile zitiert, während sie durch eine zerstörte Kirche gehen und im Vordergrund ein umgekehrtes Kreuz zu sehen ist. Es ist bezeichnend, dass Maciek zu diesem Zeitpunkt seine Sonnenbrille, die bis dahin wie ein Teil seiner „Uniform“ wirkte, abgelegt hat, geht es doch in diesem Moment um eine zentrale Frage seines Lebens und dem einer Geliebten. Das zerstörte Gebäude scheint ihnen eine deutliche Antwort auf die Frage zu geben, doch in ihren Gesichtern spiegelt sich eine vorsichtige Hoffnung auf eine Alternative wider.

Man könnte diesen wie auch viele andere Momente in Asche und Diamant als existentialistisch werten, doch die Frage ist eine logische Konsequenz und ein Zeichen des zutiefst humanen Kerns des Films – auch wenn Zynismus, Dunkelheit und das Kalkül vieler Figuren die Geschichte mehrheitlich prägen. Die Zerstörung des Krieges ist allumfassend und könnte das Fundament für einen Neuanfang stellen.

Zbigniew Cybulskis und Ewa Krzyżewskas Figuren stehen dabei sinnbildlich für das Schicksal einer ganzen Generation. Durch die Liebe wird Macieks „coole“ Pose immer brüchiger und schafft Raum für Fragen, die er sich bislang noch nie stellte, beispielsweise ob eine Existenz außerhalb des Konflikts überhaupt noch für ihn möglich sei. Wajda erzählt von einem Prozess des Aufwachens, des Bewusstwerdens über die Zeit der Gewalt, der Entbehrung und des Todes sowie dem Gewissenskonflikt, der daraus folgt. Ein neuer Konflikt zeichnet sich bereits ab, doch möglicherweise gibt es ein Entkommen aus dem „ewigen Kampf“, mit dem man sich den Gehorsam von Männern wie Maciek gesichert hat.

Credits

OT:Popiół i diament“
Land:
Polen
Jahr:
1958
Regie:
Andrzej Wajda
Drehbuch: Jerzy Andrzejewski, Andrzej Wajda
Musik: Filip Nowak
Kamera: Jerzy Wójcik
Besetzung: Zbigniew Cybulski, Ewa Krzyżewska, Wacław Zastrzeżyński, Adam Pawlikowski, Bogumił Kabiela, Stanisław Milski

Bilder

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Asche und Diamant
fazit
"Asche und Diamant" zeigt nicht das Ende eines Krieges, sondern den Moment, in dem seine Logik weiterwirkt. Andrzej Wajda erzählt von Figuren, die im Frieden keinen Platz mehr finden, weil ihre Identität untrennbar mit dem Kampf verbunden ist. Zwischen Pflicht, Liebe und wachsendem Zweifel entsteht so das Porträt einer Generation, die zwar überlebt hat, deren Zukunft jedoch ebenso ungewiss bleibt wie die Welt, in der sie sich neu orientieren muss.
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