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Razzia in Paris

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„Razzia in Paris“ // Deutschland-Start: 18. Oktober 1955 (Kino) // 29. August 2014 (DVD)

Inhalt / Kritik

Drogenbaron Paul Liski (Marcel Dalio) ist nicht glücklich. Zwar genießt er in Paris einen hohen Ruf, an Geld und Einfluss mangelt es nicht. Doch immer wieder kommt es in seiner Organisation zu Unstimmigkeiten, verschwindet Stoff oder geht irgendetwas schief. Umso größer ist seine Hoffnung, dass Henri Ferré (Jean Gabin), den er als Geschäftsführer einstellt, richtig durchgreift und so endlich für Ordnung sorgt. Dieser wartet auch nicht lange. Gemeinsam mit dem „Katalanen“ (Lino Ventura) und Bibi (Albert Rémy) mischt er die Unterwelt ordentlich auf, scheut dabei auch nicht vor Mord und Gewalt zurück. Während auf diese Weise tatsächlich wieder Struktur in die Organisation kommt, ist die Polizei ihnen aber dicht auf den Fersen …

Romanadaption ohne Identifikationsfiguren

Mangelnde Produktivität kann man Auguste Le Breton kaum vorwerfen. Ganze 77 Romane veröffentlichte der Franzose im Laufe seiner mehrere Jahrzehnte umfassenden Karriere, verteilt auf mehrere Reihen. Dabei war die Spezialität des Autors, sich die Unterwelt seines Heimatlandes genauer anzuschauen und diese ganz nüchtern zu beschreiben. Diese Qualität findet sich auch in mehreren Filmen wieder, die auf seinen Werken basieren. Das vielleicht bekannteste Beispiel ist Rififi, das durch die minutiöse Darstellung eines Raubs Geschichte geschrieben hat. Aber auch Razzia in Paris aus dem Jahr 1955 fand seine Fans. Die Adaption des ein Jahr zuvor veröffentlichten Romans Razzia sur la Chnouf lockte daheim insgesamt knapp drei Millionen Menschen in die Kinos.

Dabei ist das Werk alles andere als ein Crowdpleaser. Ein Grund: Es mangelt hier eindeutig an Identifikationsfiguren. Grundsätzlich ist es oft schwierig, einen Film über Kriminelle so zu machen, dass das Publikum wirklich mitfiebert. Warum sollte man jemandem zujubeln, der gerade ein Verbrechen begeht? Heist Movies versuchen das dann gern, indem die Opfer dieser Verbrechen noch viel schlimmer sind, es also irgendwie okay erscheint, wenn man ihnen etwas raubt. Bei Razzia in Paris ist das nicht so. Da töten Verbrecher im Drogenmilieu Komplizen, weil diese sich selbst bereichern. Das macht es ein wenig schwierig, für jemanden Partei zu ergreifen. Hier gibt es keine gute Seite. Es gibt nicht einmal eine weniger schlechte Seite, kein kleineres Übel.

Atmosphärisch, aber distanziert

Während das nicht automatisch ein Problem sein muss, sind zwei andere Faktoren schwieriger. Zum einen ist Razzia in Paris ein Film, der eher von seiner Atmosphäre lebt als von der Handlung. Das soll nicht heißen, dass hier nichts passiert. Zwischendurch müssen manche dran glauben, zum Ende hin spitzt sich die Lage auch zu. Dennoch, das hier ist kein sonderlich actionreicher Genrevertreter. Die andere Schwierigkeit ist die mangelnde Figurenzeichnung. Über die meisten Charaktere erfährt man praktisch gar nichts, sie zeigen auch keine nennenswerte Persönlichkeit, die dazu einladen würde, sich für ihr Schicksal zu interessieren. Der Krimi bleibt doch eher auf Distanz, so als gäbe es überhaupt kein Publikum, das dabei zusieht und bedient werden will.

Und doch ist das Ergebnis sehenswert. Die unterkühlte Stimmung, wenn wir uns auf eine Reise in die Unterwelt der französischen Metropole begeben, macht schon eine Menge her. Zu den düsteren Schwarz-Weiß-Bildern kommt noch die bekannte Besetzung, selbst wenn diese hier nicht ganz so viel zu tun bekommt wie in anderen Filmen. Zudem geht eine eigene Faszination davon aus, wie sich die einzelnen Verbrecher innerhalb derselben Organisation gegenseitig bekämpfen. In der Summe ist daher immer noch einiges, wofür es sich einzuschalten lohnt, selbst mehr als 70 Jahre später. Razzia in Paris mag nicht an die Klasse von Rififi herankommen, weshalb man hier besser die Erwartungen etwas herunterschrauben sollte. Wer die Chance hat, den Film zu sehen, sollte sie dennoch nutzen.

Credits

OT: „Razzia sur la Chnouf“
Land: Frankreich
Jahr: 1955
Regie: Henri Decoin
Drehbuch: Henri Decoin, Maurice Griffe, Auguste Le Breton
Vorlage: Auguste Le Breton
Musik: Marc Lanjean
Kamera: Pierre Montazel
Besetzung: Jean Gabin, Lino Ventura, Albert Rémy, Magali Noël, Marcel Dalio, Lila Kedrova

Bilder

Trailer

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Razzia in Paris
fazit
In „Razzia in Paris“ soll ein Mann Ordnung in das Drogengeschäft in Paris bringen – ohne Rücksicht auf Verluste. Die Romanadaption ist dabei nüchtern gehalten, verlässt sich auf eine düstere Atmosphäre statt auf Handlung. Durch die fehlende Figurenzeichnung ist die Identifikationsfläche gering. Sehenswert ist der Krimi aber auch so.
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