
Für Adèle Charki (Manon Bresch) ist es eine große Chance. Eigentlich ist die junge Frau Strafgefangene und bekommt deshalb relativ wenig von der Außenwelt zu sehen. Im Rahmen eines Programms darf sie jedoch raus und in dem Pariser Luxushotel Cital als Page arbeiten, welches von Édouard Galzain (Melvil Poupaud) geleitet wird. Die Umstellung ist enorm für sie, zumal man sie auch ständig spüren lässt, dass sie weit unten steht auf der Hierarchieleiter. Aber davon will sie sich nicht unterkriegen lassen, unbeirrt sucht sie nach einem Weg, sich zu beweisen und einen Platz für sich zu finden. Doch je mehr Zeit sie in dem Nobeletablissement verbringt, umso deutlicher wird für sie, dass es hinter der vornehmen Fassade richtig hässlich zugehen kann, zumal die Konkurrenzsituation erbittert ist …
Der übliche Blick hinter die Kulissen
Ursprünglich eine rein US-amerikanische Angelegenheit, ist HBO Max inzwischen auch in mehreren europäischen Ländern verfügbar. Das macht sich auch beim Angebot bemerkbar, welches nach und nach internationaler wird. Aus Deutschland kam kürzlich Banksters, eine Krimiserie über Jugendliche, die Banken ausnehmen. Frankreich, wo der Streamingdienst schon länger erhältlich ist, brachte gleich mehrere Serien hervor. Prominent besetzt war etwa The Seduction, eine Neuinterpretation und Vorgeschichte des Romanklassikers Gefährliche Liebschaften. Mit Privilèges folgt nun eine weitere Produktion aus der Grande Nation. Leider wird diese in der Pressearbeit kaum beachtet, der eigene Presseserver von Warner hat nicht viel dazu zu sagen, obwohl die Serie durchaus einen Blick wert ist.
Zugegeben, das Szenario hört sich zunächst nicht so wirklich interessant an. Serien, die hinter schicke Kulissen blicken und dabei Abgründe entdecken, gibt es wie Sand am Meer. Kürzlich etwa brachte Konkurrent Apple TV Imperfect Women heraus, das die langjährige Freundschaft von drei Frauen seziert. Privilèges nimmt uns nun mit in ein Pariser Luxushotel, wo wenig überraschend das schöne Äußere die weniger schönen Details verdeckt. Serien und Filme, die in einem solchen Setting spielen, hat es ebenfalls immer mal wieder gegeben. Dabei handelte es sich dann oft entweder um Komödien oder Dramen, nahe an der Seifenoper. Komik gibt es hier gar nicht. Drama durchaus, wenn wir einige Menschen und ihre nicht immer einfachen Lebensgeschichten kennenlernen. Das ist durchaus auch übertrieben, mit dem Alltag hat man es hier nicht so. Aber die Serie geht dann doch in eine etwas andere Richtung.
Nicht originell, aber spannend
Verkauft wird das Ganze als Thriller. Das ist sicher nicht ganz verkehrt. Beispielsweise wird da kräftig intrigiert und hinter den Kulissen kommt es zu zahlreichen Machtkämpfen. Die Sache mit dem Gefängnis bringt eine kriminelle Note hinein. Und es wird auch schon gedroht. Dennoch sollte man keine falschen Erwartungen haben. Privilèges ist keine Serie, wo größere Gewaltszenen oder zahlreiche brenzlige Situationen auf das Publikum warten. In dem Hotel schleichen keine Auftragsmörder oder ähnliches herum. Da geht es dann eher um Rufmord und die Versuche, die Konkurrenz anderweitig auszuschalten, indem man sich an ihnen vorbeidrängt.
Das ist durchaus spannend, weil man schon wissen will, wie das alles weitergeht und wer sich wo gegen wen durchsetzt. Da geht es dann nicht nur um die Machtkämpfe innerhalb des Hotels, wo das mit dem Teamwork nur hin und wieder mal ein Thema ist. Das Citadel existiert zudem nicht im luftleeren Raum, sondern muss selbst immer wieder bestehen. Die Kombination aus dem edlen Dekor und den Abgründen mag zwar nicht sehr originell sein, funktioniert aber nach wie vor. Schauspielerisch ist das auch gut gelöst, selbst wenn von Melvil Poupaud abgesehen niemand Namhaftes dabei ist. Die Protagonistin ist schon eine Identifikationsfigur, der man gern folgt, während sie eine für sich neue Welt entdeckt. Insofern ist Privilèges eine weitere lohnenswerte Ergänzung im Sortiment des Streamingdienstes.
OT: „Privilèges“
Land: Frankreich
Jahr: 2026
Regie: Vladimir de Fontenay, Marie Monge
Drehbuch: Vladimir de Fontenay, Marie Monge, Benjamin Adam, Dominique Baumard, Judith Havas
Idee: Vladimir de Fontenay, Marie Monge
Musik: Amine Bouhafa
Kamera: David Cailley
Besetzung: Manon Bresch, Melvil Poupaud, Nina Zem, Zar Amir, Anne Azoulay, Sandor Funtek, Stéphanie Atala, Eva Huault, Joseph Olivennes
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