
Der Schock ist groß, als eine junge Frau bei einem Fahrradunfall ums Leben kommt – umso mehr, als sich herausstellt, dass jemand die Bremskabel durchgeschnitten hat. Aber warum sollte jemand sie ermorden wollen? Schnell kommt Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) zu dem Schluss, dass dies mit ihrer Arbeit zusammenhängen könnte. Schließlich arbeitete sie in einer Frauenarztpraxis, die auch Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. An Drohungen mangelt es da nicht, viele Menschen verachten sie dafür. Aber reicht das aus für einen Mord? Bei ihren Ermittlungen lernt Brasch religiös motivierte Gegner kennen, aber auch die junge Aktivistin Lara Becker (Luna Jordan), die anderen Frauen zur Seite steht bei dem schwierigen Prozess der Abtreibung …
Hochemotionales Thema
So richtig oft gibt es beim Polizeiruf 110 ja keinen Nachschub, schließlich muss man sich den Programmplatz mit dem Tatort teilen. Das ist schade, weil die ARD-Krimireihe durchaus immer mal wieder interessante Teile haben. Zuletzt musste in Der Wanderer zieht von dannen der Mord an einer alten Frau aufgeklärt werden, der Abschluss einer Trilogie besonders melancholischer Genrevertreter. Um Gefühle geht es auch in dem Magdeburger Beitrag Your Body My Choice, wo das Thema Abtreibung aufgegriffen wird. Schließlich ist dieses eines, das emotional sehr aufgeladen ist. Während die einen das Selbstbestimmungsrecht der Frau an die erste Stelle rücken, ist es für andere eine Sünde, wenn ein ungeborenes Leben vorzeitig beendet wird. Beide Seiten stehen sich da oft unversöhnlich gegenüber.
Das Thema ist für sich genommen schon wichtig, gerade auch in einer Zeit, in der die Gesellschaften wieder konservativer werden und die Entscheidungsfreiheit Einzelner stark beschnitten werden soll. Da ist es sicher nicht verkehrt, wenn darüber im Fernsehen gesprochen wird. Das Problem ist aber, dass auch viele andere Krimis dieses Thema im Laufe der letzten Jahre aufgegriffen haben. Ob Der Staatsanwalt: Um jeden Preis, Der Usedom-Krimi: Engelmacher oder Die Chefin: Fremdbestimmt, es finden sich zahlreiche Beispiele. Oft ist es dann jemand, der in irgendeiner Form bei Abtreibungen hilft, der getötet wird. Bei Polizeiruf 110: Your Body My Choice ist das dann eben auch so. Warum es eine einfache Angestellte erwischt hat und nicht die Gynäkologin selbst, wird im Film selbst angesprochen, aber nicht befriedigend erklärt.
Durchgängig austauschbar
Noch unbefriedigender ist aber, dass dem Team hinter dem Film einfach nichts eingefallen ist, das man nicht schon woanders gesehen hat. Das betrifft nicht nur das Opfer, sondern auch die Gegner. Mal wieder ist es eine Mischung aus Religiosität und verletzter männlicher Eitelkeit, die beim Kampf gegen Abtreibung den Schulterschluss sucht. Die Dialoge bei Polizeiruf 110: Your Body My Choice hätten eins zu eins aus jedem anderen Krimi zu dem Thema kommen können. Dasselbe gilt auch für die Aussagen der Kommissarin, die dem Publikum gleich mitgeben soll, was es von der Sache zu halten hat. Es gab zwar plumpere Beiträge in diesem Bereich. Dennoch, eine objektive Auseinandersetzung sieht anders aus.
Der Kriminalfall an sich ist auch nichts Besonderes. So fehlt es hier an wirklichen Überraschungen. Sicher, die eine oder andere falsche Spur wartet schon, es kommen wie beim klassischen Whodunit mehrere in Frage. Aber auch in der Hinsicht ist das austauschbar. Zum Ende hin wird schon noch versucht, mehr Spannung zu erzeugen, indem Thrillerelemente aufgegriffen werden. Davon sollte man aber nicht zu viel erwarten, richtiger Nervenkitzel kommt da nicht auf. Tatsächlich schlecht ist Polizeiruf 110: Your Body My Choice nicht, im Großen und Ganzen erfüllt der Film schon seinen Zweck. Mehr als das ist es aber nicht, trotz des wichtigen Themas hätte es den 424. Teil des Dauerbrenners nicht gebraucht.
OT: „Polizeiruf 110: Your Body My Choice“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Franziska Schlotterer
Drehbuch: Annika Tepelmann
Musik: David Grabowski
Kamera: Hanno Lentz
Besetzung: Claudia Michelsen, Felix Vörtler, Luna Jordan, Nicola Magdalena Lüders, Sebastian Jakob Doppelbauer, Jenny Schily, Mathias Max Herrmann, Annett Sawallisch
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