Pillion
© Element Pictures Pln Limited, British Broadcasting Corporation And The British Film Insitute, 2025/Chris Harris
Pillion
„Pillion“ // Deutschland-Start: 26. März 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Colin (Harry Melling) geht wieder seiner Leidenschaft nach, in einem Pub zu singen, als er Ray (Alexander Skarsgård) sieht, das attraktive Mitglieder einer Biker-Gruppe. Zu seiner großen Überraschung steckt ihm der Fremde einen Zettel zu und schlägt ein Treffen vor. Colin lässt sich darauf ein, in einem Hinterhof kommt es zu oralem Sex. Damit ist für Ray die Geschichte eigentlich abgeschlossen, mehr wollte er gar nicht. Ein erster Versuch von Colin, sein One-Night-Stand wiederzusehen, bleibt ohne Antwort. Doch dann meldet sich Ray unerwartet und lädt ihn zu sich nach Hause ein. Der Abend gestaltet sich aber anders, als es Colin gedacht hat, denn sein Schwarm sucht einen Sklaven, der alles für ihn tut, sich alles gefallen lässt und dabei keine eigenen Ansprüche erhebt. Und tatsächlich lässt sich der verliebte, schüchterne Mann auf diese Beziehung ein …

Eine etwas andere Liebe

An Liebesfilmen mangelt es bekanntlich nicht. Jedes Jahr kommen unzählige heraus. Manche sind humorvoll angelegt, andere mögen es etwas ernster. Und viele funktionieren nach einem strikten Schema, weil die Zielgruppe mit diesen Filmen fühlen und träumen will, ein bisschen Bestätigung sucht. Da geht es dann gar nicht darum, dass man etwas Neues bietet. Das heißt aber nicht, dass man in diesem gut bestückten Segment nicht hervorstechen kann. Mit Pillion kommt ein solcher Film nach einem erfolgreichen Festivallauf zu uns, der tatsächlich eine ganz eigene Geschichte zu erzählen hat. Ein Werk, das einiges an Identifikationsfläche bietet und ganz universelle Themen anspricht. Es tut dies aber auf eine Weise, die nicht ganz alltäglich ist und die für die meisten Zuschauer und Zuschauerinnen die Tür zu einer anderen Welt sind.

Genauer führt uns Regisseur und Drehbuchautor Harry Lighton in die Welt des BDSM ein, ein Akronym, das sich aus Bondage & Discipline, Dominance & Submission und Sadism & Masochism zusammensetzt. Dabei geht es um Beziehungen oder auch sexuelle Praktiken, in denen einer oder eine von beiden dominiert, das Gegenstück sich unterwirft – freiwillig wohlgemerkt. Mit dem traditionellen Ideal einer Partnerschaft, wo beide sich auf Augenhöhe begegnen, hat das das bewusst nichts zu tun. Pillion zeigt dabei, dass das nicht zwangsläufig mit Gewalt einhergeht, auch wenn es die eine oder andere ruppige Szene gibt. So zeigt sich hie Hierarchie zwischen den beiden Männern beispielsweise darin, dass Colin auf dem Fußboden schlafen muss und Ray wiederholt die Jacke seines Untergebenen fallenlässt, anstatt sie wie seine eigene aufzuhängen. Manche dieser Situationen sind komisch, auch weil sie einem Publikum, das damit keine Berührungspunkte hat, sie absurd finden wird. Andere sind hingegen hart, auch weil sie Colin gegenüber verletzend sind.

Unterhaltsam und berührend

Dabei verurteilt die Adaption des Romans Box Hill von Adam Mars-Jones weder Ray noch eine Szene, die sich gegen Gleichberechtigung richtet. Tatsächlich findet Colin Gefallen an dieser Situation, genießt es auch zum Teil, sich jemandem zu unterwerfen und durch diesen bestimmt zu werden. Pillion beschreibt die Entwicklung eines Mannes, der gerade durch eine Form der Selbstaufgabe zu sich selbst findet. Die Tragikomödie ist dadurch schon eine Aufforderung, offen durchs Leben zu gehen und sich auszuprobieren. Aber eben auch, andere nicht zu verurteilen, sondern sich deren Welt erst einmal anzuschauen. Das ist etwas, was natürlich ganz allgemein gilt, losgelöst von dem sexuellen Kontext.

Überhaupt sind da die besagten universellen Elemente. Die Tragikomödie, die 2025 in der Sektion Un Certain Regard von Cannes Weltpremiere hatte, spricht von urmenschlichen Bedürfnissen, die wohl die meisten von uns haben werden. Colin sehnt sich nach Liebe, er sehnt sich nach Geborgenheit und einem festen Platz im Leben. Das dürfte so manchen im Publikum aus dem Herzen sprechen. Auch wenn die Unterwürfigkeit, mit der er Ray begegnet, befremdlich erscheinen mag, die dahinterliegenden Sehnsüchte sind es nicht. Pillion mag damit eine etwas gewöhnungsbedürftige Liebesgeschichte erzählen. Aber es ist eben auch eine sehr menschliche, die gleichzeitig unterhält und zu Herzen geht.

Credits

OT: „Pillion“
Land: UK, Irland
Jahr: 2025
Regie: Harry Lighton
Drehbuch: Harry Lighton
Vorlage: Adam Mars-Jones
Musik: Oliver Coates
Kamera: Nick Morris
Besetzung: Harry Melling, Alexander Skarsgård, Douglas Hodge, Lesley Sharp

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Pillion
fazit
In „Pillion“ verliebt sich ein introvertierter Mann in einen dominanten Biker und lernt sich selbst dabei ganz neu kennen. Die BDSM-Szene dürfte für viele gewöhnungsbedürftig sein. Und doch gefällt die tragikomische Romanadaption gerade durch universelle Aspekte wie die Sehnsucht nach Geborgenheit oder das Motiv der Selbstfindung.
Leserwertung0 Bewertungen
0
8
von 10