
Eigentlich hatten sich Ina Behrendsen (Julia Brendler) und Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk) das alles anders vorgestellt, als sie vor großem Publikum den Tango Argentino in der Musikmuschel Westerland tanzen. Denn mitten während ihrer Darbietung bricht direkt neben dem zuschauenden Carl Sievers (Peter Heinrich Brix) ein Mann tot zusammen. Dabei stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um den Privatdetektiv Edgar Lemberg (Nils Frauen) handelt und jemand diesen heimtückisch ermordet hat. Nur wer? Aufgrund seines Berufes kommen zahlreiche Menschen dafür in Frage. Zweifelsfrei hat er sich eine Menge Feinde gemacht. Eine Spur führt dabei ausgerechnet zur Therapeutin Tabea Krawinkel (Victoria Trauttmansdorff) …
Passabler Krimi
Auch wenn die ZDF-Krimireihe Nord Nord Mord demnächst ihr 15-jähriges Jubiläum feiert, ist das Interesse des Publikums ungebrochen. Noch immer schalten jedes Mal sieben, acht Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen ein, wenn das Sylter Trio auf Verbrecherjagd ist. Der Sender belohnt diese Treue, indem jedes Jahr mehrfach für Nachschub gesorgt wird. Zuletzt war auf diese Weise Sievers und die stillen Austern zu sehen, wo der Besitzer eines Austernrestaurants erschlagen am Strand gefunden wird. Ein halbes Dutzend weiterer Teile sind auch schon in Planung, Dans werden also versorgt. Mit Sievers und der letzte Tango erscheint der erste davon, es ist der 27. der beliebten Reihe. Und er liefert überwiegend das, was man inzwischen realistisch erwarten kann.
Das betrifft zum einen die Struktur. Wie fast immer ist da am Anfang die Leiche. Danach muss herausgefunden werden, wer den Mord begangen hat. Dass der Tote als Privatdetektiv unterwegs war, macht die Sache nicht unbedingt einfacher, da theoretisch ganz viel in Frage kommen würden. Nord Nord Mord: Sievers und der letzte Tango ist aber gnädig und begnügt sich mit einigen wenigen Verdächtigen, die wie so oft teils aus dem beruflichen, teils aus dem privaten Umfeld kommen. Es werden also genügend Alternativen geboten, aus denen man aussuchen kann, zumal die Geschichte auch die unterschiedlichsten Richtungen einschlägt. Als Krimi ist das dann ganz passabel, auch wenn die Auflösung etwas plötzlich kommt.
Eher nervig als witzig
Man darf im Hinblick auf den Humor nicht ganz so viel erwarten. Schon seit einiger Zeit gibt es den Trend bei dieser Reihe, die lange eher komische Ausrichtung zu reduzieren – eine Veränderung, die derzeit auch bei Friesland zu beobachten ist. Am ehesten kommt da noch die Sache mit dem Tango als aufheiterndes Mittel. Es ist zumindest ein unerwarteter Anblick, die beiden Figuren beim Tanzen zu sehen. Auch der Tanzlehrer soll wohl komödiantisch gemeint sein, zumindest agiert er etwas übertrieben. Tatsächlich lustig ist das aber nicht. Wo man sich früher noch an wirklich schrägen Typen und skurrilen Situationen erfreuen konnte, da nimmt man sich bei Nord Nord Mord: Sievers und der letzte Tango doch recht ernst. Natürlich darf ein Krimi auch ernst sein. Trotzdem, da ist schon ein Teil des Charms auf der Strecke geblieben.
Eventuell meinte man aber auch, dass die ständigen Streitereien innerhalb des Teams komisch sein sollen. Zwar gehören Reibereien zu der Reihe dazu, das ist also nicht wirklich neu. Seit einiger Zeit ist aber Feldmann ein überwiegend frustrierter Typ, der ständig für schlechte Laune sorgt. Seine anfängliche Klugscheißerei ist einer bitteren Unzufriedenheit gewichen, gegen die der von Anfang an grimmige Sievers geradezu herzlich wirkt. Warum man sich das anschauen sollte, ist ein Geheimnis. Tatsächlich schlecht ist der Film zwar nicht, Nord Nord Mord: Sievers und der letzte Tango erfüllt schon seinen Zweck. Mehr als das ist es aber nicht. Die hohen Einschaltquoten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die früher so unterhaltsame Krimireihe eine unter vielen geworden ist.
OT: „Nord Nord Mord: Sievers und der letzte Tango“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Berno Kürten
Drehbuch: Berno Kürten
Musik: Johannes Brandt
Kamera: Georgij Pestov
Besetzung: Peter Heinrich Brix, Julia Brendler, Oliver Wnuk, Victoria Trauttmansdorff, Stephan A. Tölle, Anne Weber, Matthias Matschke, Katharina Heyer
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