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Mavka: Die wahre Legende

„Mavka: Die wahre Legende“ // Deutschland-Start: 5. März 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Eine Gruppe ukrainischer Biologiestudierender und ihr Dozent (Vyacheslav Dovzhenko) sind auf dem Weg zu einer mehrtätigen Exkursion in eine abgelegene Wald- und Seenlandschaft. Noch bevor sie ihre Zelte aufschlagen, warnen Einheimische sie vor der „Woche der Meerjungfrauen“: In dieser Zeit sollen Meerjungfrauen und Mavkas aus dem nahegelegenen See steigen und Jagd auf „dunkle Seelen“ machen. Zwei Menschen werden bereits vermisst. Doch die Studierenden ignorieren die Warnungen – ebenso wie die Spannungen mit einer lokalen Jägergruppe. Als in der ersten Nacht mehrere Aufnahmegeräte der Biologen zerstört werden, fährt Student Lukian (Ivan Dovzhenko) in die nächste Stadt, um Ersatz zu besorgen. Auf dem Rückweg fährt er eine junge Frau (Arina Bocharova) an, die sich erstaunlich schnell von dem Unfall erholt. Sie nennt sich Khrystyna – und entpuppt sich bald als Mavka aus den Legenden. Zwischen ihr und Lukian entsteht eine unerwartete Nähe. Doch während seine Ex-Freundin (Anastasia Yankova) eifersüchtig reagiert, verlangen die Meerjungfrauen aus dem See von Khrystina, ihn in die Tiefe zu locken, um aus seiner Seele neue Kraft zu schöpfen.

MCU – Mavka Cinematic Universe

Der Animationsfilm Mavka – Hüterin des Waldes war 2023 in der Ukraine ein enormer Erfolg: der erfolgreichste ukrainische Film seit der Unabhängigkeit 1991 und zugleich der erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten. Auch in Deutschland fand der Film sein Publikum – nicht zuletzt dank der seit dem russischen Angriffskrieg gewachsenen ukrainischen Community, die den Film zunächst im Original sah, während die spätere Synchronfassung noch einmal zusätzliche Kinobesucher anzog. Angesichts dieses Erfolgs überrascht es kaum, dass die Produktionsfirma FILM.UA den Stoff nun in einer Realverfilmung weiterverwertet. Der Versuch nun mit Mavka: Die wahre Legende ein eigenes MCU, ein „Mavka Cinematic Universe“, aufzubauen, liegt dabei unverkennbar in der Luft.

Ob sich der Erfolg des Animationsfilms jedoch wiederholen lässt, erscheint fraglich. Schon die Zeichentrickfassung war erzählerisch kaum originell, gewann jedoch durch ihren Charme und eine visuell durchaus ansprechende Gestaltung. Die Realverfilmung verzichtet hingegen weitgehend auf die zentrale Botschaft ihres Vorgängers – die Idee einer möglichen Harmonie zwischen Mensch und Natur. Lediglich eine Szene, in der Lukian sich über Wilderer empört, die einen geschützten Luchs getötet haben, erinnert noch entfernt daran. Das ließe sich verschmerzen, denn schnell wird deutlich, dass der Film ein erwachseneres Publikum ansprechen möchte. Entsprechend orientiert sich die Geschichte stärker am düsteren ukrainischen Volksmythos der Mavkas als an der familienfreundlichen Zeichentrickvariante.

Altbekannte Pfade

Regisseurin Katya Tsarik greift dabei zunächst auf vertraute Motive des Backwoods-Horrors zurück. Schon in der Exposition holen sich die Mavkas ihre ersten Opfer – ein Paar, dessen Ehebruch offenbar moralisch geahndet werden soll. Dann folgt das bekannte Genre-Setup: Eine Gruppe junger Menschen begibt sich in eine abgelegene Gegend, legt vorher einen Zwischenstopp in einer Raststätte ein, wird dort gewarnt und gerät mit den Einheimischen aneinander. Die Anspielungen auf Klassiker des modernen Genrehorrors sind unverkennbar. Doch anstatt diesen Weg konsequent weiterzugehen, biegt der Film bald in Richtung Fantasy ab – und verliert dabei einen Großteil seiner anfänglichen Spannung.

Auch die Darstellung der Frauenfiguren wirkt überraschend altmodisch. Khrystyna – die ironischerweise denselben Namen trägt wie Lukians Ex-Freundin – und die anderen Mavkas erscheinen vor allem als verführerische Nymphen in durchsichtigen Gewändern. Zur Mavka wird, so erklärt es der Film, eine Frau, die sich aus Liebeskummer das Leben genommen hat. In dieser Logik sind Männer zwangsläufig die Schuldigen – eine Annahme, die die Meerjungfrauen bereitwillig instrumentalisieren, um ihre Gefährtinnen zum Sammeln „dunkler Seelen“ zu bewegen. Dass Lukian seine Mavka schließlich mit wenigen Sätzen vom Gegenteil überzeugen kann – manchmal seien es eben einfach die Umstände, die eine Beziehung scheitern lassen –, gehört zu den dramaturgisch schlichtesten Momenten des Films.

Keine eindeutige Tonlage

So bleibt ein Werk, das zwar erkennbar auf ein erwachseneres Publikum zielt, seine Themen jedoch mit bemerkenswerter Simplizität verhandelt. Vielleicht wäre es konsequenter gewesen, die Geschichte tatsächlich als Horrorfilm zu erzählen – oder aber den romantisch-ökologischen Ton des Animationsfilms wieder stärker aufzunehmen. Dann hätte sich allerdings die Frage gestellt, ob diese Realverfilmung überhaupt eine eigene Existenzberechtigung besitzt.

Stattdessen bleibt ein Film, der zwischen Genres und Tonlagen schwankt. Einige skurrile Szenen mit den Nebenfiguren unter den Studierenden sorgen zwar für kurze Momente der Irritation, und einmal erwähnt Lukian sogar explizit den Zeichentrickfilm, als Khrystina ihm eröffnet, eine Mavka zu sein – ein augenzwinkernder Meta-Moment. Doch solche Einfälle bleiben Ausnahmen. Für ein Projekt, das offenbar ein Bauteil eines größeren Franchise sein soll, wirkt Mavka: Die wahre Legende erstaunlich unsicher darin, was es eigentlich sein möchte. Und genau das ist das Problem.

Credits

OT: „Mavka. Spravzhnij mif“
Land: Ukraine
Jahr: 2026
Regie: Katya Tsarik
Buch: Yaroslav Voytseshek
Musik: Dario Vero
Kamera: Yura Korol
Besetzung: Arina Bocharova, Ivan Dovzhenko, Vyacheslav Dovzhenko, Eduard Poliakov, Anastasia Yankova, Polina Zelnska, Maksym Haevskij, Paola Elizabet Dzhym

Bilder

Trailer

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Mavka: Die wahre Legende
fazit
„Mavka – Die wahre Legende“ schwankt unentschlossen zwischen Horror, Fantasy und Romanze. Trotz interessanter mythologischer Grundlage bleibt der Film erzählerisch konventionell und thematisch oberflächlich. Weder nutzt er das düstere Potenzial des Stoffes noch entwickelt er eine eigene Vision
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