Mit ihrem Dokumentarfilm Mein neues altes Ich – Eine Reise in das Mysterium der Menopause widmet sich die dänische Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen einem Thema, über das lange Zeit kaum öffentlich gesprochen wurde: die Menopause. Ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen begibt sie sich auf eine persönliche und zugleich globale Spurensuche. Sie spricht mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, besucht Forschungseinrichtungen in verschiedenen Teilen der Welt und lässt Frauen aus unterschiedlichen Ländern zu Wort kommen, die offen über ihre Erfahrungen berichten. Der Film verbindet intime persönliche Geschichten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und wirft zugleich Fragen danach auf, warum eine Lebensphase, die die Hälfte der Weltbevölkerung betrifft, so lange mit Schweigen und Unsicherheit verbunden war.
Kjeldsen ist bereits für Filme bekannt, die sich mit Körperbildern und gesellschaftlichen Normen auseinandersetzen, etwa in ihrem Dokumentarfilm Fat Front. Auch in Mein neues altes Ich interessiert sie sich dafür, wie Scham, Erwartungen und kulturelle Vorstellungen den Blick auf den weiblichen Körper prägen – und warum es so schwierig ist, offen über Themen wie Alter, Gesundheit und Hormone zu sprechen. Zum Kinostart ihres Films am 12. März 2026 haben wir mit der Regisseurin über ihre persönliche Motivation, die wissenschaftlichen Kontroversen rund um die Hormonersatztherapie und darüber gesprochen, warum sie hofft, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer und jüngere Generationen den Film sehen.
Der Film beginnt mit einer sehr persönlichen Note und der Feststellung, dass sie trotz umfangreicher Recherche überraschend wenig verlässliche Informationen über die Menopause gefunden haben. Gab es aber einen bestimmten Moment, in dem Sie wussten: Aus diesem Thema muss ein Film entstehen.
Ja, ich erinnere mich an einen Moment. Es gab zu der Zeit viele Nächte, in denen ich nicht schlafen konnte. Also lag ich nachts wach und begann im Internet zu recherchieren: Was passiert eigentlich mit mir? Dabei stellte ich fest, dass es sehr viele andere Frauen gab, die genau dasselbe taten – nachts wach lagen und nach Antworten suchten. Dann wurde mir klar: Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung wird irgendwann in ihrem Leben in die Menopause kommen, wenn sie alt genug wird. Und etwa jede dritte Frau hat so starke Symptome, dass es für sie wirklich schwierig wird, im Alltag zu funktionieren. Da dachte ich: Das ist kein privates Problem. Das ist ein globales Thema. Also begann ich, nach Antworten zu suchen – und beschloss schließlich, einen Film darüber zu machen. Und ich stellte fest, dass ein solcher Film tatsächlich noch nicht gemacht worden war.
Wie erklären Sie sich, dass selbst gut informierte Frauen – wie Sie selbst – oft unvorbereitet in diese wichtige Lebensphase geraten? Was sagt das über den gesellschaftlichen Umgang mit der Menopause aus?
Niemand hat mir etwas über die Menopause erzählt – nicht einmal ältere Frauen aus meinem Umfeld. Ich habe keinerlei Informationen von Ärztinnen oder Ärzten bekommen, zumindest nicht zu dem Zeitpunkt, als ich mit dem Film begann. Zum Glück wird heute viel mehr darüber gesprochen. Aber damals war das nicht so. Ich glaube aber, viele Frauen – mich eingeschlossen – haben ein gewisses Gefühl der Scham. Nicht unbedingt wegen der Menopause selbst, sondern weil sie ein Zeichen dafür ist, dass man älter wird. In unserer Gesellschaft hat der Wert von Frauen sehr viel mit Jugend und Fruchtbarkeit zu tun. Wenn das vorbei ist, entsteht leicht das Gefühl: Jetzt bist du alt. Für viele Frauen war das deshalb ein sehr privates Thema. Sie haben keine Antworten eingefordert. Es wurde gewissermaßen hinter verschlossenen Türen behandelt.
Im Film reisen Sie zu Wissenschaftlerinnen in Bergen, Chicago und Melbourne. Nach welchen Kriterien haben Sie diese Expertinnen ausgewählt?
Ich wollte einige der angesehensten Wissenschaftlerinnen auf diesem Gebiet finden. So kam ich zum Beispiel zu Pauline Maki in Chicago. Ich traf sie auf einer großen Menopause-Konferenz für Ärztinnen, Ärzte und Forschende – und sie war dort gewissermaßen der „Rockstar“ unter den Wissenschaftlern. Mir war wichtig, für den Film Expertinnen und Experten einzubeziehen, die sehr viel Erfahrung haben, aber keine versteckte Agenda verfolgen. Ich wollte Menschen, die auf Grundlage von Forschung sprechen. Am Ende konnte ich dann tatsächlich einige der führenden Wissenschaftlerinnen weltweit für den Film gewinnen.
Und wie haben Sie die Frauen aus verschiedenen Ländern gefunden, die im Film ihre persönlichen Erfahrungen teilen?
Das begann eigentlich mit meinem nächtlichen Googeln. Es gibt viele Online-Gruppen von Frauen, die sich über die Menopause austauschen und nach Antworten suchen. Ich schrieb einige dieser Gruppen an und fragte, ob jemand Interesse hätte, an dem Film teilzunehmen. Die Resonanz war enorm. Viele Frauen meldeten sich und sagten: Das ist ein wichtiges Thema, ich möchte das unterstützen – ich möchte in diesem Film mitmachen.
Der Film bewegt sich zwischen sehr persönlichen Momenten und größeren gesellschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Fragen. Was hat Ihre Entscheidungen im Schnittprozess geleitet?
Das war tatsächlich ein langer Prozess. In den frühen Phasen habe ich mehrmals die Perspektive geändert. Zuerst dachte ich, ich würde einen rein wissenschaftlichen Film machen. Da überlegte ich, meine eigene Geschichte ganz herauszunehmen. Aber irgendwann wurde mir klar, dass es wichtig ist, eine persönliche Perspektive zu haben. Meine eigene Erfahrung wurde gewissermaßen zum Ausgangspunkt der Recherche. Am Anfang dachte ich sogar, der Film würde sich nur mit dem Gehirn beschäftigen – also damit, was während der Menopause im Gehirn passiert. Aber dann stellte ich fest, dass es so viele weitere Aspekte gibt. Es wäre unmöglich gewesen, das Thema nur darauf zu reduzieren. Ich wollte, dass möglichst viele Frauen sich in dem Film wiederfinden können.
Der Film deutet an, dass die Hormonersatztherapie nach großen Studien Anfang der 2000er Jahre in Verruf geraten ist und heute differenzierter diskutiert werden müsste. Wie sind Sie mit dieser wissenschaftlichen Kontroverse umgegangen?
Als ich selbst Probleme bekam, ging ich zu meiner Ärztin und fragte nach Hormonersatztherapie. Sie sagte sofort: „Auf keinen Fall. Das kann Brustkrebs verursachen.“ Also begann ich zu recherchieren. Ich fragte mich: Warum nutzen so wenige Frauen diese Therapie? Es stellte sich heraus, dass viele – wie ich – gehört hatten, dass sie gefährlich sei. Als ich tiefer in das Thema einstieg, merkte ich, dass es viele Missverständnisse gab. Ich wollte aber keinen Film machen, der behauptet: Hormonersatztherapie ist für alle gut. Das stimmt so nicht. Was wissenschaftlich gut belegt ist: Sie kann gegen Hitzewallungen helfen. Wenn diese verschwinden, schlafen viele Frauen besser und können ihren Alltag wieder besser bewältigen. Aber für viele andere Wirkungen gibt es noch keine eindeutigen Belege.
Während der Dreharbeiten in Melbourne sprach ich mit ja mit Jayashri Kulkarni, die mir erzählte, wie schwierig es ist, Gelder für Studien zu diesem Thema zu bekommen. Gleichzeitig erschien ein viel diskutierter Artikel in The Lancet, der die Debatte wieder anheizte. Da wurde mir klar, dass hinter dieser Kontroverse noch eine andere Frage steckt: Wie sprechen wir über Frauen in der Menopause? Einerseits wollen wir helfen. Andererseits besteht die Gefahr, dass Frauen dadurch als schwach oder weniger leistungsfähig abgestempelt werden – zum Beispiel im Arbeitsleben. Auch diese Dimension wollte ich im Film zeigen.
In den letzten Jahren ist die Menopause deutlich sichtbarer im öffentlichen Diskurs geworden, wie Sie ja zu Beginn unseres Gespräch schon selbst betonten. Was treibt diese Entwicklung an?
Ich glaube, viele Frauen haben einfach beschlossen, sich nicht länger zu schämen. Bewegungen wie Body Positivity haben dazu beigetragen. Frauen wollen offen über ihren Körper sprechen. Viele prominente Frauen haben begonnen, ihre Erfahrungen zu teilen. Andere sind ihnen gefolgt. Es ist ein bisschen wie ein Dominoeffekt. Heute sagen viele Frauen: Wir werden nicht mehr still sein, wenn es um die Menopause geht.
Was kann ein Film – als Erlebnis im gemeinsamen Erfahrungsraum Kino – zu dieser Bewegung beitragen?
Ich hoffe, dass Frauen weiterhin Antworten einfordern. Und ich hoffe, dass der Film dazu beiträgt, dass mehr Menschen verstehen, was Menopause bedeutet. Nicht nur Frauen, die gerade selbst betroffen sind – auch ihre Partner, Brüder, Söhne. Es geht darum zu verstehen: Diese Frauen sind nicht „verrückt“. Es ist eine reale körperliche Veränderung, die viele Symptome mit sich bringen kann. Außerdem ist mir wichtig, dass auch jüngere Generationen den Film sehen. Meine Tochter zum Beispiel. Ihre Generation soll später bessere Informationen und bessere medizinische Antworten haben. Dafür müssen wir jetzt weiter Druck machen und mehr Forschung einfordern.
Sie haben gesagt, es wäre gut, wenn auch Männer den Film sehen.
Ja. Erst heute hat mir ein Fotograf nach einem Interview gesagt, dass er jetzt seine Mutter und einige Kolleginnen besser versteht. Das hat mich wirklich stolz gemacht. Denn die Menopause betrifft nicht nur Frauen – sie betrifft auch die Menschen um sie herum.
In früheren Filmen, etwa Fat Front, haben Sie sich bereits mit Körperpolitik und gesellschaftlichen Machtstrukturen beschäftigt. Sehen Sie darin einen roten Faden in Ihrer Arbeit?
Ja, definitiv. In Fat Front ging es stark darum, wie Scham von Frauen verinnerlicht wird. Mit einem Gefühl der Scham durchs Leben zu gehen, ist sehr belastend und kann die persönliche Entwicklung stark einschränken. Das ist auch ein feministisches Thema, das im Film Menopause Mystery wieder auftaucht. Es geht darum, unseren Körper und unser Alter zurückzuerobern. Niemand sollte von oben herab über Frauen sprechen, nur weil sie in der Menopause sind oder Symptome haben.
Letzte Frage. Woran arbeiten Sie als Nächstes?
Ich denke gerade über einige Projekte nach, habe mich aber noch nicht endgültig entschieden. Aber eines ist sicher: Der feministische Impuls in meinen Filmen wird sicher nicht verschwinden.
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