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Joel Crawford / Januel Mercado [Interview]

Die vergessene Insel erzählt die Geschichte von Jo und Raissa, die sich seit Kindheitstagen kennen und beste Freundinnen sind. Doch eben diese Freundschaft steht an einem Wendepunkt, als Raissa auf Drängen ihrer Eltern die Philippinen hinter sich lassen und in den USA studieren will – was Jo nur schwer akzeptieren kann. Als die beiden eine letzte gemeinsame Nacht am Strand verbringen, entdecken sie ein Portal, das sie auf die geheimnisvolle Insel Nakali bringt. Zuerst sind sie fasziniert von dem seltsamen Ort, an dem Wesen leben, die sie nur aus Legenden kennen. Doch dann müssen sie feststellen, dass die Insel sie dazu bringt, nach und nach alles zu vergessen, selbst einander. Wenn sie nicht schnell einen Weg herausfinden, verlieren sie sogar das, was ihnen am wichtigsten ist: ihre Freundschaft. Am 1. Oktober 2026 startet das neue Fantasyabenteuer von DreamWorks Animation im Kino. Wir hatten schon vorher die Gelegenheit, uns mit dem Regie-Duo Joel Crawford und Januel Mercado zu unterhalten. Im Interview sprechen sie über ihre Inspirationen, die Bedeutung von Freundschaft und welche Erinnerung sie selbst um jeden Preis bewahren möchten.

Ihr habt bisher an Fortsetzungen zu bekannten Franchises gearbeitet. Mit Die vergessene Insel erzählt ihr jetzt eure eigene Geschichte. Wie ist diese entstanden?

Joel Crawford

Joel Crawford: Januel und ich arbeiten als Freunde schon seit mehr als einem Jahrzehnt zusammen. Zusammen haben wir bei Die Croods: Alles auf Anfang und Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch Regie geführt. Nachdem wir diese zwei Fortsetzungen gedreht haben, haben wir uns gefragt: Welche Geschichte wollen wir selbst erzählen? Wir haben uns dabei sehr von unserem eigenen Leben und unseren Vorlieben beim Filmemachen inspirieren lassen. Aber am wichtigsten war uns das Thema Freundschaft. Wir sind schon so lange miteinander befreundet, dass wir etwas darüber machen wollten. Über die Momente und die Erinnerungen, die uns zu dem machen, der wir sind. Das war der Anfang unserer Überlegungen.

Januel Mercado: Danach ging es unter anderem um die Frage, wo der Film spielen soll. Es war Joels Idee, dass wir eine philippinische Geschichte erzählen. Für uns hat das absolut Sinn ergeben. Ich bin selbst philippinisch-amerikanisch, Joels Frau Kathy und seine Kinder sind philippinisch. Die Philippinen haben auch eine wundervolle Mythologie, die noch nicht wirklich in Filmen gezeigt wurden. Wir beide sind große Fans von Fantasy. Es gibt tolle Geschichten über Geister und Monster, die aber doch alle recht ähnlich sind. Und wir wollten etwas erzählen, das so noch nicht da war. Für uns war die Kombination aus dem Thema Freundschaft und philippinischer Mythologie einfach eine schöne Möglichkeit, uns ein bisschen auszuprobieren. Wir wollten auch die Frauen in unserem Leben würdigen, Joels Frau und meine Schwester, sie waren eine große Inspiration für unsere Figuren.

Die Freundschaft eurer beiden Figuren verändert sich aber im Laufe der Zeit und zwingt sie auch so, sich damit auseinanderzusetzen, was Freundschaft für sie bedeutet. Wie würdet ihr denn Freundschaft definieren? Was ist Freundschaft für euch?

Joel Crawford: Freundschaft ist eine besondere Verbindung. Als Menschen suchen wir Verbindungen, ob es mit der Familie ist oder mit Freunden. Dich mit jemand anderem zu verbinden, hilft dir dabei herauszufinden, wer du selbst bist. Sie bringen Freude in dein Leben, besondere Momente, die es wert sind gefeiert zu werden. Wir nehmen in unserem Film diese kleinen Momente, die kaum beachtet werden, und machen daraus etwas Großes und Fantastisches. Wir wollten das feiern, was wir mit den Menschen teilen, die uns wichtig sind, und wie aus diesen Momenten Erinnerungen werden, die uns dann zu dem machen, der wir sind.

Januel Mercado: Freunde sind Menschen, die zu dir halten, die in guten wie in schlechten Zeiten bei dir sind und dich unterstützen. Und für mich ist Joel so ein Mensch. Wir haben beide so viel zusammen durchgemacht, die ganzen Höhen und Tiefen. Das waren sehr wertvolle Erfahrungen für mich.

Ihr habt auch schon das Thema Erinnerungen angesprochen. Es geht in Die vergessene Insel um das, was zurückbleibt, aber auch das, was verlorengeht. Um das, was wir vergessen. Wenn ihr euch eine Erinnerung aussuchen müsstet, die ihr behalten dürft, welche wäre das?

Joel Crawford: Für mich wäre es der Moment, in dem ich meine Frau kennengelernt habe. Wir haben uns zusammen ein Leben aufgebaut und haben drei Kinder. Ich bin so dankbar für dieses Leben, das ich heute haben darf – wegen meiner Frau. Wir haben uns beim Volleyball-Spielen kennengelernt, wo ich sie genervt habe. Und trotzdem hat sie sich entschieden, mit mir auf ein Date zu gehen. Das ist ein Moment, an den ich mich für immer erinnern will, weil er alles für mich geändert hat.

Januel Mercado

Januel Mercado: Bei mir sind es ganz viele Erinnerungen. Eine, die mir ganz viel bedeutet, ist eine, die eigentlich traurig ist. Aber ich möchte sie teilen, weil sie so schön und bittersüß ist. Mein Vater ist vor einigen Jahren an Krebs gestorben. Und ich erinnere mich, wie wir am nächsten Morgen zusammenstanden, meine Mutter, meine Schwester und ich, und uns einfach umarmt und geweint haben. Auch wenn das ein so trauriger Moment für uns war, sind es doch Momente wie diese, die uns daran erinnern, dass wir nicht allein sind. Wir neigen dazu, diese traurigen Sachen vergessen zu wollen und uns nur noch an die schönen Sachen zu erinnern. Doch diese traurigen Erinnerungen gehören dazu und sind ebenso ein Teil von uns. Sie formen uns und sind ganz wichtig bei unserer Reise.

Diese Themen, die ihr ansprecht, sind schon sehr erwachsen. Kinder denken normalerweise nicht darüber nach, was es heißt, Freunde zu verlieren oder sich an früher zu erinnern, weil das in dem Alter noch keine Rolle spielt. Wie habt ihr dafür gesorgt, dass trotzdem auch ein jüngeres Publikum sich in eurem Film findet?

Joel Crawford: Animationsfilme haben leider den Ruf, dass sie für kleine Kinder sein müssen und du das Publikum nicht herausfordern darfst mit anspruchsvollen Themen und Geschichten. Aber das stimmt nicht. Der letzte Wunsch war ein Film über Sterblichkeit und darüber, das Leben zu feiern. Das sind keine typischen Kinderthemen. Und doch konnten alle etwas damit anfangen. Und auch bei Die vergessene Insel ist es so, dass wir Themen ansprechen, mit denen wir alle zu tun haben. Du schaffst Erinnerungen, während du älter wirst. Da ist Freude in dem Film, ein Spaß am Chaos, das auch ein jüngeres Publikum annehmen kann. Solange du eine Geschichte authentisch erzählst, wird jeder einen Weg hinein finden, ob du gerade selbst Freunde suchst, deine aktuellen Freunde besser wertschätzen kannst oder du dich an frühere Freunde zurückerinnerst. Ryan Coogler hat kürzlich bei den Oscars gesagt, dass Erinnerungen alles ist, was wir haben. Wir sind unsere Erinnerungen. Und deswegen bin ich davon überzeugt, dass sich auch alle damit identifizieren können, was wir erzählen.

Januel Mercado: Kinder sind auch viel klüger, als man von ihnen denkt oder erwartet. Sie haben die emotionale Intelligenz, um zu verstehen, was wir da sagen. Wir wollten einen Film für alle machen und vertrauen unserem Publikum, dass es einen Weg findet, diese Verbindung aufzubauen zu den Themen und Botschaften in unserem Film.

Joel Crawford: Außerdem sind wir selbst große Kinder. Wenn wir das lustig finden, werden andere Kinder auch ihren Spaß daran haben.

Vielen Dank für das Interview!



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