
Eigentlich ist die Ehe von Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) schon seit einer ganzen Weile vorbei. Jetzt ist es aber an der Zeit, dann auch Konsequenzen daraus zu ziehen. Dabei sind die beiden fest entschlossen, dass sie im Freundschaftlichen auseinandergehen – auch der gemeinsamen Kinder wegen. Als Alex eines Tages nicht das Geld hat, um den Eintritt in einem Café zu zahlen, meldet er sich kurz entschlossen für einen Stand-up-Comedian-Auftritt an, um so die Gebühr zu sparen. Der Anfang ist ein wenig holprig, doch er findet Gefallen daran, Witze über seine auseinanderbrechende Ehe zu machen. Und so tritt er in Folge immer mal wieder auf, während er versucht, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Nur ist das alles gar nicht so leicht …
Comedy als Therapie
Dass Bradley Cooper Ambitionen hat, die über die bloße Schauspielerei hinausgehen, ist bekannt. Wie viele Kollegen und Kolleginnen auch fühlt er sich dazu berufen, selbst Filme zu inszenieren. Mit seinem Regiedebüt A Star Is Born ist ihm dabei ein absoluter Volltreffer geglückt. Das Musikdrama mit Lady Gaga spielte 2018 nicht nur 436 Millionen US-Dollar ein – mehr als das Zehnfache des Budgets –, sondern war auch für acht Oscars nominiert. Für seinen zweiten Film Maestro über die Beziehung zwischen dem Komponisten Leonard Bernstein und seiner Frau Felicia Montealegre gab es sieben weitere Oscar-Nominierungen. An den Kinokassen spielte die Netflix-Produktion zwar keine Rolle. Dennoch erhielt der Film viel Aufmerksamkeit. So viel, dass es verwunderlich ist, dass Coppers drittes Werk Is This Thing On? aktuell derart untergeht. Kaum jemand spricht darüber, in der Festival-Saison spielte er keine Rolle, nennenswerte Filmpreisnominierungen gibt es auch nicht.
Erneut bewegt sich der US-Amerikaner in einem künstlerischen Umfeld. Anstatt aber wie in seinen ersten beiden Filmen von musikalischen Überfliegern zu erzählen, da tauchen wir hier in die Stand-up-Comedy-Szene ein. Wobei der Schwerpunkt etwas anders ist. Von den Darbietungen, die hier gezeigt werden, kann niemand finanziell leben. Es handelt sich um Amateurauftritte. Sie dienen auch, zumindest bei dem Protagonisten, weniger einer künstlerischen Entfaltung. Is This Thing On? zeigt vielmehr einen Mann, bei dem einiges im Argen liegt und der auf diese Weise das verarbeitet, was ihn privat beschäftigt. Eine Mischung aus Therapie und Selbstentblößung also, gemischt mit der Sehnsucht nach Anerkennung. Denn Alex genießt es schon, wie ihn die Leute anfeuern und über das lachen, was er selbst eigentlich gar nicht zum Lachen findet.
Man sollte dabei nicht erwarten, dass sich der Film wirklich mit den Themen auseinandersetzt. Weder bekommt man nennenswerte Einblicke in die Stand-up-Comey-Szene, noch setzt man sich wirklich damit auseinander, was es heißt Abgründe und Probleme komödiantisch zu verarbeiten. Ist das gesund, die eigenen Gedanken und Gefühle mit Wildfremden zu teilen? Darf man über das Unglück anderer lachen? Is This Thing On? streift solche Überlegungen zwar zwischendurch, verfolgt diese aber nicht weiter. Stärker ist der Film daran interessiert, wie das ehemalige Paar versucht, ein Leben getrennt zu führen. Eigentlich haben sie sich dazu entschieden. So ganz klappt das aber nicht, sie kommen nicht voneinander los.
Das ist alles gut gespielt, Will Arnett und Laura Dern funktionieren gut als zwei Leute, die viel miteinander geteilt haben, sich dabei aber immer wieder verletzt und enttäuscht haben, oft, ohne sich darüber wirklich bewusst zu sein. Das ist an und für sich ein sehr universelles Thema, welches viel Identifikationsfläche bietet. Aber auch wenn Is This Thing On? versucht, zwischendurch eigene Akzente zu setzen – etwa die Bühnenauftritte oder auch die Volleyballkarriere von Tess –, so ganz gelingt das nicht. Der Funke will bei der Tragikomödie, die auf dem New York Film Festival 2025 als Abschlussfilm Weltpremiere hatte, nie wirklich überspringen. Die Figuren sind auch nicht interessant genug, um als Mittelpunkt einer solchen Geschichte zu fesseln. Der Film ist zwar schon solide, aber auch aufgrund der fehlenden Entwicklung ein wenig unbefriedigend.
OT: „Is This Thing On?“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Bradley Cooper
Drehbuch: Bradley Cooper, Will Arnett, Mark Chappell
Musik: James Newberry
Kamera: Matthew Libatique
Besetzung: Will Arnett, Laura Dern, Andra Day, Bradley Cooper, Amy Sedaris, Sean Hayes, Christine Ebersole, Ciarán Hinds, Scott Icenogle
New York Film Festival 2025
BFI London Film Festival 2025
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