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© ARD Degeto/Hans-Joachim Pfeiffer

Herr Lenz reist in den Frühling

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„Herr Lenz reist in den Frühling“ // Deutschland-Start: 20. Juli 2016 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Auch wenn Holger Lenz (Ulrich Tukur) seinen Vater mehr als zwanzig Jahre nicht gesehen hat, trifft ihn die Nachricht seines Todes doch sehr. Seinerzeit war er fortgegangen und nach Thailand ausgewandert, weil er nach dem Ende der DDR keine Zukunft mehr für sich in Deutschland sah. Dort hat er seinem Sohn nun eine Wohnung in Pattaya hinterlassen. Lenz, der selbst Probleme mit seiner Ehefrau Ilona (Steffi Kühnert) und Sohn Linus (Simon Jensen) hat, begibt sich notgedrungen auf diese Fernreise. Dort muss er sich nicht nur seiner Vergangenheit stellen, sondern auch einen Weg für sich selbst wieder, mit seinem eigenen Leben weiterzumachen. Und er muss mit einem Land klarkommen, das ganz anders funktioniert, als es der Versicherungsangestellte von daheim gewohnt ist …

Vergangenheitsbewältigung in der Fremde

Man kennt das Konzept aus zahlreichen Filmen: Ein Mensch stirbt und dessen Familie kommt deshalb in der alten Heimat zusammen, wo sie dann mit der Vergangenheit konfrontiert wird und alte Konflikte abarbeiten muss. Herr Lenz reist in den Frühling geht grundsätzlich in eine ähnliche Richtung. Der Unterschied: Die Reise geht nicht in die Heimat, sondern in die Fremde, da der Tote dort gelebt hat.  Das von der ARD produzierte Fernsehdrama beweist dabei, dass das durchaus funktionieren kann. Denn im Mittelpunkt der Geschichte steht kein Ort, sondern eine Beziehung – die zwischen Sohn und Vater. Und die ist eigentlich überall kaputt, losgelöst von dem Setting.

Dass die Reise nach Thailand geht, hat zudem den Vorteil, dass der Film mit einem Fremdheitsgefühl spielen kann. Vergleichbar zu Lost In Translation – Zwischen den Welten folgen wir einem Mann durch ein Land, in dem er verloren wirkt. Das wiederum spiegelt nicht nur das Verhältnis zu seinem Vater, das seinerseits von Entfremdung geprägt ist. Obwohl sie Fleisch und Blut sind, können sie nicht miteinander, ihre jeweilige Weltsicht zu verschieden. So verschieden, dass sie nicht einmal miteinander reden können. Das ist eigentlich tieftraurig. Obwohl Herr Lenz reist in den Frühling zuweilen als Tragikomödie eingeordnet wurde, ist der Dramapart doch deutlich ausgeprägter. Der Film hat zwar einiges an Culture-Clash-Potenzial, wenn ein nicht ganz so weltoffener Versicherungsangestellter nach Thailand geht. Es wird in diese Richtung aber vergleichsweise wenig gebracht.

Doppelte Entfremdung und Annäherung

Die Spiegelung betrifft aber auch den Protagonisten und dessen eigenes Leben. Die Ehe hat schon einmal bessere Tage gesehen, er findet keinen Zugang zu seinem Sohn. Immer wieder stehen also auch in der Heimat Konflikte an. Herr Lenz reist in den Frühling handelt dadurch von einer doppelten Aufarbeitung, wenn die Titelfigur gleichzeitig in die Ferne reist und eine innere Reise antritt, nach vorne und hinten zugleich blickt. Als Idee klang das erst einmal nicht schlecht. Es wird aber nicht so wahnsinnig viel daraus gemacht. Das mag sicher auch an dem Format liegen: Wie bei Fernsehfilmen üblich gibt es nur anderthalb Stunden, was nicht den nötigen Raum für Tiefgang mitgibt. Da kann vieles nur angeschnitten werden und bleibt notgedrungen an der Oberfläche.

So richtig befriedigend ist das Ergebnis dann auch nicht. Zwar tritt Ulrich Tukur durchaus engagiert auf und gibt seiner Figur viel Menschlichkeit mit. Das macht sie aber nicht wirklich interessant, Lenz bleibt immer ein wenig blass. Es ist auch nicht so, als hätte er nach den anderthalb Stunden wahnsinnig viel dazugelernt. An und für sich bietet sich so eine doppelte Reise ja an für eine schöne Entwicklungsgeschichte. Und tatsächlich kommt es auch zu einer Art Annäherung zwischen ihm und dem Vater auf der einen Seite, dem Sohn auf der anderen. Nur wird das nicht so wirklich erarbeitet, zumindest nicht genug. Schlecht ist Herr Lenz reist in den Frühling zwar nicht. Aber eben auch nicht gut, gemessen an dem, was hier zu erzählen versucht wird, ist die Sinnsuche letztendlich unbefriedigend.

Credits

OT: „Herr Lenz reist in den Frühling“
Land: Deutschland
Jahr: 2015
Regie: Andreas Kleinert
Drehbuch: Karl-Heinz Käfer
Musik: Daniel Dickmeis
Kamera: Johann Feindt
Besetzung: Ulrich Tukur, Peter Franke, Steffi Kühnert, Simon Jensen

Bilder

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Herr Lenz reist in den Frühling
fazit
In „Herr Lenz reist in den Frühling“ reist ein Mann in der Krise nach Thailand, wo sein vor langer Zeit abgehauener Vater gestorben ist. Der Film hat zwar Culture-Clash-Potenzial, ist aber primär ein Drama um Entfremdung. An manchen Stellen funktioniert das gut, an anderen weniger. Insgesamt ist die TV-Produktion doch recht oberflächlich.
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