DJ Ahmet
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DJ Ahmet
„DJ Ahmet“ // Deutschland-Start: 19. März 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Ahmet (Arif Jakup) lebt mit seinem strengen Vater (Aksel Mehmet) und seinem kleinen Bruder Naim (Agush Agushev) in einem abgelegenen Dorf in Nordmazedonien. Seit dem Tod der Mutter spricht Naim kein Wort mehr, und der Alltag der Familie ist von harter Arbeit, traditionellen Rollenbildern und religiösen Regeln geprägt. Für die Schafzucht und den Tabakanbau muss Ahmet die Schule verlassen – Zukunftspläne werden hier eher vererbt als entworfen. Eines Nachts stolpert er jedoch in eine andere Welt: In einem Waldstück unweit des Dorfes findet eine Technoparty statt. Der wummernde Bass, die Lichter im Dunkel – plötzlich öffnet sich für Ahmet ein Universum jenseits der Dorfroutine. Dort trifft er auch Aya (Dora Akan Zlatanova), die Tochter einer Nachbarsfamilie. Sie hat einige Zeit in Deutschland gelebt, soll nun aber in der Heimat einen Mann (Metin Ibrahim) heiraten, den sie nicht kennt. Zwischen den beiden entsteht eine zarte erste Liebe – und ein rebellischer Plan. Um der arrangierten Hochzeit zu entkommen, will Aya beim Dorffest mit einem provokanten Tanzauftritt für einen Skandal sorgen. Ahmet steht ihr zur Seite und baut kurzerhand seinen Traktor zum mobilen Proberaum um: Lautsprecher dran, Musik an, fertig ist die improvisierte Dorf-Disco.

(K)ein weißer Fleck auf der Weltkarte des Kinos

Filme aus Nordmazedonien schaffen es selten in deutsche Kinos. Meist braucht es dafür einen großen Festivalerfolg, wie beim Oscar-nominierten Dokumentarfilm Land des Honigs oder bei Gott existiert, ihr Name ist Petrunya, der auf der Berlinale ausgezeichnet wurde. Nun also DJ Ahmet, das Langfilmdebüt von Georgi M. Unkovski, das nach seiner Premiere beim Sundance Festival 2025 um die Welt tourte – und dabei vor allem Publikumspreise einsammelte. Das ist wenig überraschend. Unkovski erzählt eine Geschichte, die fast überall funktionieren würde: Ein junger Mensch muss sich gegen die Erwartungen seines Vaters und gegen die konservativen Strukturen seines Umfelds behaupten, um seinen eigenen Weg zu finden. Dass dieser Weg von Musik begleitet wird – und von einem gewissen Maß an Rebellion –, gehört zum Genre quasi dazu.

Die Handlung folgt dabei Pfaden, die das Coming-of-Age-Kino schon oft beschritten hat.. Aber der Film weiß, dass er das tut, und spielt seine Stärken anders aus: mit Charme, Humor und einem Schauplatz, den man im Coming-of-Age-Kino selten sieht. Wenn bei der Technoparty plötzlich die Schafe ausbrechen und später Videos davon viral gehen oder ein verlorenes Tier mit pink gefärbtem Fell wieder in der Herde auftaucht, entsteht eine Komik, die gleichermaßen liebevoll wie absurd ist. Auch Nebenfiguren sorgen für einige der besten Momente. Etwa der technikbegeisterte Imam, gespielt von Attila Klinçe, der sich begeistert auf Lautsprecher, PC und Mobiltelefon stürzt – nur um festzustellen, dass die moderne Technik ihre Tücken hat. Wenn statt des Gebetsrufs plötzlich die Windows-Startmelodie über das Minarett schallt, ist das eine dieser Szenen, in denen der Film seine leise anarchische Ader zeigt.

Warmherzig, aber wenig überraschend

Besonders stark ist die Besetzung. Die Chemie zwischen Arif Jakup als Ahmet und Aush Agushev als dessen kleinem Bruder Naim trägt den Film. Vor allem Agushev liefert eine bemerkenswerte Leistung: Ohne ein einziges Wort zeigt er eine ganze Palette an Gefühlen – von kindlicher Freude bis zu tiefer Trauer. Das ist so präzise gespielt, dass mancher routinierte Darsteller neidisch werden könnte.

Doch natürlich lässt sich relativ früh erahnen, wohin die Reise geht. Große Überraschungen im Plot sollte man nicht erwarten. Doch das ist letztlich auch gar nicht der Punkt dieses Films. DJ Ahmet lebt von seiner warmherzigen Erzählweise, von seinen Figuren und von der Kollision zweier Welten – Tradition und Gegenwart, Dorfleben und Technobeat. Am Ende bleibt ein Film, der vielleicht keine neuen dramaturgischen Wege einschlägt, aber mit viel Herz erzählt ist. Einer, der das Publikum zuverlässig unterhält – und dafür sorgt, dass man das Kino mit einem leichten Lächeln verlässt.

Credits

OT: „Didžej Ahmet“
Land: Nordmazedonien, Tschechische Republik, Serbien, Kroatien
Jahr: 2025
Regie: Georgi M. Unkovski
Buch: Georgi M. Unkovski
Musik: Naum Doksevski
Kamera: Alan Sinkauz, Nenad Sinkauz
Besetzung: Arif Jakup, Agush Agushev, Dora Akan Zlatanova, Aksel Mehmet

Bilder

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DJ Ahmet
fazit
„DJ Ahmet“ verbindet nordmazedonischen Dorfrealismus, Humor und Technobeats zu warmherziger Unterhaltung. Die Geschichte folgt vertrauten Pfaden, doch starke Darsteller und liebevolle Details machen den Film zu einem ebenso vorhersehbaren wie sehr sympathischen Kinoerlebnis.
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