
Karli (John Silas) zieht mit seinen Eltern (Marie Jung, Oliver Rosskopf) in die österreichischen Alpen. Dort wollen sie ein in die Jahre gekommenes Grandhotel renovieren und als Familienhotel neu eröffnen. Während der Schulferien muss Karli auf der Baustelle mithelfen – und stößt dabei auf eine Entdeckung: Ein alter Lastenaufzug bringt ihn nicht nur in andere Stockwerke, sondern direkt ins Jahr 1938. In der Vergangenheit lernt er zwei Kinder kennen, die bald zu seinen Verbündeten werden: Hannah (Annika Benzin), ein jüdisches Mädchen, das mit ihrem Vater (Marc Limpach) aus Berlin angereist ist, und Georg (Maximilian Reinwald), der im Hotel als Schuhputzer arbeitet.
Als Georg plötzlich des Diebstahls beschuldigt wird, machen sich die drei daran, seine Unschuld zu beweisen. Ihr Verdacht fällt schnell auf den Barpianisten Bruno (Tobias Resch). Doch auch Hermann (Ben Winkler) und Heinrich (Konstantin Horn), die Söhne des hochrangigen Nationalsozialisten Otto Hartwig (Max Simonischek), scheinen ein Auge auf ihn geworfen zu haben. Während Karli zwischen Gegenwart und Vergangenheit pendelt, beginnt er allmählich zu begreifen, in welcher historischen Situation er sich bewegt. Besonders Hannah schwebt in immer größerer Gefahr. Seine Versuche, das Geschehen mithilfe moderner Technik zu durchschauen, erweisen sich dabei als wenig hilfreich: Recherchen in der Gegenwart scheitern an technischen Widrigkeiten – und im Jahr 1938 ist sein Smartphone ohnehin nur ein nutzloser Fremdkörper.
Ernstes Thema aus kindlicher Perspektive
Regisseur Norbert Lechner hat sich in seinen Filmen immer wieder daran versucht, ernste Themen aus einer kindlichen Perspektive zu erzählen, ohne dabei die Leichtigkeit des Abenteuers zu verlieren. Schon in Tom und Hacke, einem an Mark Twain erinnernden Kinderkrimi im Bayern der Nachkriegszeit, verband er Spannung mit historischem Hintergrund. In Ente gut! Mädchen allein zu Haus widmete er sich Fragen von Integration und Mobbing, während Zwischen uns die Mauer eine junge Liebe im geteilten Deutschland in den Mittelpunkt stellte. Mit Das geheime Stockwerk wendet er sich nun der Zeit des Nationalsozialismus zu.
Der Zugang ist dabei klug gewählt: Ein Kriminalplot bildet das erzählerische Gerüst, während das Zeitreiseszenario zugleich eine Identifikationsfigur für ein heutiges Publikum schafft. Karli wird zum Vermittler zwischen Gegenwart und Vergangenheit – ein Kind, das gezwungen ist, sich aktiv mit Nationalsozialismus und Antisemitismus auseinanderzusetzen. Dass ihm dabei die naheliegende Lösung, einfach alles im Internet nachzuschlagen, verwehrt bleibt, ist ein ebenso einfacher wie effektiver erzählerischer Kniff.
Ein Film, der sich Zeit lässt
Lechner gelingt es zusammen mit den Drehbuchautorinnen Katrin Milhahn und Antonia Rothe-Liermann, das historische Thema kindgerecht zu vermitteln, ohne es übermäßig zu vereinfachen. Der Film traut seinem jungen Publikum durchaus etwas zu. Gerade darin liegt eine seiner größten Stärken. Allerdings ist Das geheime Stockwerk auch ein Film, der sich Zeit lässt – vielleicht mehr Zeit, als die an schnelle Bildfolgen gewöhnte Generation von 2026 aufzubringen bereit ist. Der Krimiplot ist solide konstruiert, mit einigen falschen Fährten und durchaus spannenden Momenten, doch wirkliche Kinder-Action bleibt rar. Die leisen Töne, die Freundschaft über soziale Grenzen – ja sogar über Epochen hinweg – erzählen, wirken eher klassisch als zeitgemäß.
Das heißt jedoch keineswegs, dass hier ein misslungener Film vorliegt. Im Gegenteil: Das geheime Stockwerk begegnet seinem Publikum mit Respekt. Es verzichtet auf den pädagogischen Zeigefinger und vertraut stattdessen auf seine Geschichte und seine Figuren. Dazu tragen auch die Darsteller bei, die ihre Rollen mit angenehm zurückgenommenem Spiel ausfüllen – sowohl die jungen Hauptdarsteller als auch die etablierten Schauspieler in den Erwachsenenrollen. Und nicht zuletzt passt ein Film, der die Gefahren eines erstarkenden Rechtsextremismus thematisiert, erschreckend gut in die Gegenwart. Die Frage bleibt lediglich, ob seine ruhige, beinahe altmodische Erzählweise die junge Zielgruppe tatsächlich erreicht. Vielleicht ist diese Sorge unbegründet. Wünschenswert wäre es jedenfalls.
OT: „Das geheime Stockwerk“
Land: Deutschland, Österreich, Luxemburg
Jahr: 2025
Regie: Norbert Lechner
Buch: Katrin Milhahn, Antonia Rothe-Lierman
Musik: Martin Unterberger
Kamera: Daniela Knapp
Besetzung: Silas John, Annika Benzin, Maximilian Reinwald, Marie Jung, Tobias Resch, Franz Buchrieser, Marc Limpach, Max Simonischek, André Jung, Konstantin Horn, Ben Winkler
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