Chronos
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Chronos – Fluss der Zeit

Chronos
„Chronos – Fluss der Zeit“ // Deutschland-Start: 12. März 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Dass Volker Koepp in seinen Dokumentarfilmen immer wieder zu denselben Orten und Menschen zurückkehrt, ist für den 1944 geborenen Regisseur nichts Ungewöhnliches. Zwischen 2020 und 2026 hat er ein weiteres Mal Osteuropa bereist – von der Memel bis an deren Mündung in die Ostsee und von der Republik Moldau bis in die Ukraine. Getroffen hat er unter anderem zwei alte Bekannte, die ihm in vorangegangenen Filmen einst als Dolmetscherinnen dienten und heute in Berlin und Augsburg leben, eine ehemalige Klassenkameradin, die mit ihm in Ost-Berlin die Schulbank drückte, und die Publizistin Annetta Kahana, die unermüdlich gegen Antisemitismus und den Rechtsruck in unserer Gesellschaft ankämpft.

So zärtlich war Sarmatien

Volker Koepps neustes Werk hat einen starken Titel. In der griechischen Mythologie personifizierte Chronos die Zeit. In Koepps gleichnamigem Dokumentarfilm steht der Name für die Memel, jenen Strom, der auf knapp 1000 Kilometern von Belarus über Litauen bis in die Ostsee fließt. Zwischen Litauen und Belarus und zwischen Litauen und der Oblast Kaliningrad bildet die Memel auf verschieden langen Abschnitten eine natürliche Grenze, und trennt somit eine osteuropäische Demokratie von einer Diktatur auf der einen und einer Autokratie auf der anderen Seite.

Als Koepp die Dreharbeiten zu Chronos 2020 begann, sollten sie ursprünglich nur ein Jahr dauern. Doch gleich zwei Zeitenwenden machten dem Filmemacher einen Strich durch die Rechnung. „Zuerst brachte die Pandemie ungezählte Verzögerungen und Unterbrechungen. Manche der geplanten Drehorte im Kaliningrader Gebiet waren nun gar nicht mehr erreichbar“, erinnert sich Koepp. Dann marschierte Russland in der Ukraine ein. „Zum Drehen in die Ukraine, nach Czernowitz, fuhr ich mit einem Smartphone.“ Was Koepp als „das Unfassbare“ bezeichnet, davor hatten nicht wenige politische Beobachter sehr lange gewarnt. Womit eine zweite Figur der griechischen Mythologie in diesen Film Einzug hält: Kassandra. Eine der von Koepp interviewten Protagonistinnen bringt es auf den Punkt: Weder Europa noch die übrige Weltgemeinschaft hat die Ukraine ernst genommen, als sie gebetsmühlenartig vor Wladimir Putins imperialistischen Allmachtsfantasien warnte.

Im Lauf der Zeit

Um all das geht es in dieser Doku, aber natürlich auch – wie immer bei Koepp – um die Landschaften und die Menschen, die diese Landschaften bewohnen, sowie um den „Fluss der Zeit“, wie der Untertitel des Films verrät. Denn Koepp hat nicht nur über einen langen Zeitraum von mehr als fünf Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart des Frühjahrs 2026 daran gearbeitet, sein neuer Film blickt auch auf ältere Filme Koepps zurück und mäandert über 198 Minuten ganz gemächlich über die Leinwand. Das Kinopublikum kann somit nicht nur Landschaften und Menschen „wiederbegegnen“, deren Veränderungen nachvollziehen und bis zu einem gewissen Grad dem Vergehen der Zeit zusehen, durch die lange Laufzeit stellt sich im Kinosaal auch automatisch ein Gefühl der Vergänglichkeit ein.

Volker Koepp, 1944 in Stettin geboren und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Ost-Berlin aufgewachsen, drehte nicht zum ersten Mal an der Memel, an der Ostsee und in der Ukraine. Seit 1963 und der Entdeckung des Gedichtbands Sarmatische Zeit ist er von dem Gebiet fasziniert, das in der Spätantike „Sarmatien“ hieß, seit 1972 dreht er hier Filme. Nach unter anderem Memelland (2008) und In Sarmatien (2013) kehrt er ein weiteres Mal dorthin zurück. Herausgekommen ist eine gewohnt ruhige und nachdenkliche Kontemplation über den Zustand Europas, den Verlust von (jüdischer) Kultur und sprachlicher Vielfalt. Hoffnungslos ist aber auch dieser Film nicht. Ganz im Gegenteil erzählt er viel über die Resilienz der Menschen, die in der Lage sind, sich auch an anderen Orten als ihrer Heimat Freiräume zu schaffen.

Credits

OT: „Chronos – Fluss der Zeit“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Volker Koepp
Buch: Volker Koepp
Kamera: Uwe Mann, Christian Lehmann (1972), Thomas Plenert (1989–2012), Philipp Förster (2022), Volodymyr Hryziv (2023), Vadim Hincu (2023), Volker Koepp (2023

Bilder

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Chronos – Fluss der Zeit
fazit
„Chronos“, der neue Film von Volker Koepp („Herr Zwilling und Frau Zuckermann“, „Seestück“), ist eine mehr als dreistündige Reise nach Osteuropa, eine Wiederbegegnung mit Landschaften und Menschen und eine Kontemplation über den Zustand des Kontinents. Absolut sehenswert!
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