
Zusammen mit ihrem Mann Heli (Robert Stadlober) und ihren gemeinsamen Kindern Thimo (Jonas Recklie) und Fini (Victoria Wild) bildet Barbara Pachl-Eberhart (Valerie Pachner) das letzte Puzzleteil der Clownsfamilie. Sowohl sie als auch ihr Mann arbeiten als Clowns. Während es Heli eher auf die Bühne zieht, arbeitet Barbara in Krankenhäusern und hilft kranken Kindern und deren Eltern zumindest für kurze Zeit, dem Alltag durch Humor zu entfliehen. Als sie eines Tages von der Arbeit nach Hause fährt, bricht ihre heile Welt zusammen. Nach einem Autounfall an einem Bahnübergang sterben Heli und ihre beiden Kinder.
Inspiration neu Adaptiert
2012 erzählte Barbara Pachl-Eberhart ihre Geschichte durch die Veröffentlichung des Romans Vier minus drei. Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand. Ihr Buch half nicht nur ihr selbst in ihrer Verarbeitung und Trauerbewältigung, sondern gab gleichzeitig zahlreichen Lesern Halt und eröffnete einen neuen Blick auf Verlust, Schmerz und den Weg nach vorne. 14 Jahre später versteht sich die Verfilmung durch Regisseur Adrian Goiginger nicht nur als Nacherzählung dieser Geschichte, sondern als filmisches Angebot zur Inspiration und als behutsame Einladung, Trost und Perspektive inmitten existenzieller Erschütterung zu finden.
Schmerz im Kostüm der Heiterkeit
Auf den ersten Blick wirkt Vier minus drei wie ein Film voller Ambivalenzen. Der Clown als stets glückliche und Freude versprühende Figur unterstreicht diesen Eindruck. Fast gleichermaßen popkulturell etabliert ist inzwischen jedoch der Blick hinter die Fassade, hinter das lachend geschminkte Gesicht in die wirkliche Gefühlswelt einer Person hinter der Kunstfigur. Hier bleibt der Film aber stets konsequent. Barbara ist mit Herz und Seele Clown, ihre immer positive Philosophie, Schmerz durch Humor zu überwinden, lebt sie nicht nur während ihrer Arbeit im Krankenhaus für andere vor, sondern bleibt ihr selbst treu. Selbst nach dem Tod ihres Mannes und ihrer beiden Kinder hält sie sich daran fest, ohne in Selbsttäuschung oder Realitätsflucht abzudriften. Besonders während der Beerdigung erlaubt Vier minus Dreieinen intimen Einblick in Barbaras optimistischen Versuch der Trauerbewältigung.
Gleichzeitig würdigt der Film anhand der Reaktionen ihrer erweiterten Familie unterschiedliche Arten von Trauer und den gemeinsamen Schmerz, den Familien auf verschiedene Art und doch zusammen tragen. Besonders die erste Hälfte von Vier minus Drei zeichnet ein lebensbejahendes und emotionales Bild von Trauer, Schmerz und der Notwendigkeit, nach vorne zu schauen. Die Inszenierung von Humor als Bewältigungsstrategie ist dabei nie missionarisch plakativ, sondern lediglich eine Erinnerung, das Leben auch in den glücklichsten Momenten wahrzunehmen und zu schätzen. Im weiteren Verlauf des Films rückt Barbaras Suche nach effektiver Bewältigung und der Frage nach der Zukunft in den Mittelpunkt. In vielerlei Hinsicht versucht sie dabei, die Vergangenheit ruhen zu lassen und sich beruflich und privat wieder zu orientieren. Hier beweist das kreative Duo aus Regisseur Goiginger und Drehbuchautor Senad Halilbašić erneut Fingerspitzengefühl. Sowohl in der Beschreibung von Barbaras aktiver Trauerphase als auch in ihrem Versuch, wieder auf die Beine zu kommen, versagt sich der Film jegliches Abdriften in Klischees oder Kitsch. Konträr dazu ist Barbaras Versuch, nach vorne zu schauen, geprägt von Hilflosigkeit und Scheitern. Hier verliert sich Vier minus drei zum ersten Mal in seiner Handlungsvielfalt und stagniert zeitweise während des letzten Drittels.
Montage des Lebens
Die nicht-lineare Erzählstruktur erlaubt Adrian Goiginger gleichzeitig einen modernen, ambitionierten Schnittstil. Ein aus Trauer geborener Schrei des Schmerzes geht fließend über in Barbaras Schrei beim Gebären ihres Kindes. Eine Szene, die erneut den lebensbejahenden Grundtenor von Vier minus drei unterstreicht. Gleichzeitig bindet sie die Zuschauer sowohl durch die emotionalen Brüche als auch narrativ durch zeitliche Rückbezüge. Alle Rückblicke sind darüber hinaus visuell durch Farbgebung abgegrenzt. Während Barbaras aktueller Gemütszustand durch gedeckte, triste Farben untermalt ist, sind die retrospektiven Einschübe ihrer Erinnerung durch satte und warme Farben hinterlegt. Robert Stadlober glänzt in diesen Reminiszenzen als Heli, der verschrobene, stets positive und liebevolle Clown, Vater und Ehemann, und fängt die transportierte Essenz ihrer Erinnerungen durch sein Schauspiel gelungen ein. Dennoch ist es Valerie Pachners Performance und ihre Darstellung emotionaler Extreme, die Vier minus drei schmerzhaft einnehmend machen. Zwischen auswegloser Verzweiflung, rohem Schmerz und purer Hilflosigkeit erschafft sie das authentische Bild einer Frau, die sich mit aller Kraft die Flucht nach vorne sucht und entgegen jedes Rückschlags ihrem Wesen treu bleibt.
OT: „Vier minus drei“
Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2026
Regie: Adrian Goiginger
Drehbuch: Senad Halilbašić
Vorlage: Barbara Pachl-Eberhart
Musik: Arash Safaian
Kamera: Paul Sprinz
Besetzung: Valerie Pachner, Robert Stadlober, Jonas Recklie, Victoria Wild, Conrado Molina, Jona Widling, Stephanie Heinrich, Stefanie Reinsperger
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