The Red Hangar Hangar rojo
© Villano

The Red Hangar

The Red Hangar Hangar rojo
„Hangar Rojo“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Hauptmann Jorge Silva (Nicolás Zárate) erhält am 11. September 1973 einen Anruf und weiß, was nun bevorsteht: Während er sich in der Luftwaffenakademie des chilenischen Militärs in Santiago aufhält, haben Soldaten die Regierung von Salvator Allende mithilfe der USA gestürzt und beginnen damit, die Macht im Land an sich zu reißen. Noch ehe sich Silva versieht, steht der skrupellose Oberst Jahn (Marcial Tagle) vor ihm und verlangt seine Kooperation bei der Internierung von politischen Häftlingen im sogenannten roten Hangar auf dem Gelände der Akademie. Hin und hergerissen zwischen Pflichtbewusstsein und Gewissen lässt sich Silva darauf ein, Informationen aus den Gefangenen herauszupressen, woraufhin er einen weiteren verhängnisvollen Befehl kriegt …

Unmittelbar im Geschehen

Der Militärputsch der sozialistisch-demokratischen Regierung Allendes und die darauffolgende Diktatur von Augusto Pinochet in Chile gelten als eines der dunkelsten Kapitel lateinamerikanischer Geschichte: Bereits in den ersten Monaten nach der staatlichen Übernahme wurden tausende Mitglieder der alten Regierung, linker Parteien und von Gewerkschaften verhaftet, gefoltert und getötet. Bis zum Jahr 1990, ganze 17 Jahre, sollte das Regime Pinochets noch an der Macht bleiben.

Juan Pablo Sallatos The Red Hangar setzt genau an dem Schicksalstag des Putsches und daraus resultierenden Selbstmords von Allende an und rückt einen hochrangigen Militär in den Mittelpunkt der Erzählung, dem wir nicht nur sprichwörtlich, sondern auch räumlich die ganze Zeit über die Schulter blicken. Wie festgekettet bleibt die Kamera an Silvas Schulter, wenn er sich durch die Gänge, Hallen und auf den Rollfeldern des Militärgeländes bewegt, ständig sehen wir seinen Rücken, den Haaransatz seiner langsam dahinscheidenden Frisur, die Manschetten seiner Uniform. Das meiste um ihn herum – der Handlungsort Santiago, die über der Stadt thronenden Anden und vor allem die inhaftierten Regimegegner – verharren in der Unschärfe. Unser Fokus gilt fast ausschließlich einer Figur.

Dilemma ohne viel Raum

Wenn einmal die Perspektive gewechselt wird, dann um uns Silvas Gesicht, dessen harte Linien wie gemeißelt wirken, in extremen Close-ups zu zeigen, die gepressten Lippen und zusammengekniffenen Augenbrauen; oder auch die ausdruckslosen Mienen seiner Vorgesetzten, allem voran Oberst Jahn, der als Marionette der Vereinigten Staaten die Menschenrechtsverbrechen maßgeblich initiiert. Hannah Arendts spätestens seit The Zone of Interest (2023) im Kinodiskurs wieder vielmals zitierte Banalität des Bösen zeigt sich also auch in diesem Film, in dem stoischen Schauspiel von Tagle und seinen ruhig ausgesprochenen, doch nichtdestoweniger menschenverachtenden Kommentaren. In der Mimik von Zárate soll sich dagegen im Verlauf der Handlung der unterdrückte Schmerz eines Mannes offenbaren, der eigentlich nicht hinter den revolutionären Kräften steht, sie aber auch nur bis zu einem gewissen Punkt aufhalten will.

So visuell eindrücklich das alles auch ist, vergibt The Red Hangar trotzdem die Chance, uns wirklich die Tragweite des ethischen Dilemmas seines Protagonisten näherzubringen. Denn mit gerade einmal 80 Minuten Laufzeit ist der Film selbst für einen knackigen Thriller arg kurz. Silvas Entscheidungen, die daraus resultierenden Konsequenzen und ein Teil seines Innenlebens erschließen sich abseits des guten Schauspiels von Zárate kaum, beziehungsweise werden in wenigen Minuten abgehandelt. Daran ändern ein paar Erinnerungsrückblenden und Szenen mit seiner Frau, der Geschichtslehrerin Rosa (Catalina Stuardo), ebenso wenig. Da konkrete Fakten zu tatsächlichen Biografien oder Ereignissen außerhalb des Films fast gänzlich fehlen, ist ebenfalls nur schwer nachzuvollziehen, ob er den Leben der vermeintlich realen historischen Persönlichkeiten, denen sie nachempfunden sind, wirklich gerecht geworden ist. Und auch wenn es nicht die Ambition The Red Hangar war, wünscht man sich am Ende vielleicht sogar mehr die Sicht der größtenteils im Verborgen gebliebenen Opfer.

Credits

OT: „Hangar Rojo“
Land: Chile, Argentinien, Italien
Jahr: 2026
Regie: Juan Pablo Sallato
Drehbuch: Luis Emilio Guzmán
Musik: Alberto Michelli, Matteo Marrella
Kamera: Diego Pequeño
Besetzung: Nicolás Zárate, Boris Quercia, Marcial Tagle, Catalina Stuardo, Aron Hernández

Bilder

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The Red Hangar
Fazit
„Hangar Rojo“ besticht zwar durch seine eindrucksvolle Kameraführung, verfehlt seine Wirkung jedoch aufgrund des gehetzten Erzähltempos und der fehlenden Verbindung zu den unbekannten historischen Vorbildern.
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