
Früher einmal, da genoss Samantha Lake (Elisabeth Moss) dank einer Hitserie durchaus eine größere Bekanntheit als Schauspielerin. Doch das ist lange her, in den letzten Jahren ist ihr nicht viel geglückt. Und jetzt, da sie die 40 überschritten hat und auch nicht mehr das Aussehen hat, um mit anderen zu konkurrieren, wird es immer schwieriger, überhaupt wahrgenommen zu werden. Wenn sie noch eine Chance haben will, so wird ihr nahegelegt, müsse sie bereit sein, einen medizinischen Eingriff bei dem Beauty-Unternehmen Shell über sich ergehen zu lassen. Das würden eh alle machen. Richtig überzeugt ist sie zwar nicht. Doch der Arzt Dr. Hubert (Arian Moayed) vollbringt ein wahres Wunder, Sam sieht wirklich jünger aus. Danach geht es auch wirklich aufwärts, sie erhält eine Rolle, freundet sich zudem mit Zoe Shannon (Kate Hudson), der Geschäftsführerin von Shell. Doch es dauert nicht lang, bis auch Schattenseiten sichtbar werden …
Satirischer Horror
Eigentlich ist Max Minghella ja als Schauspieler bekannt, unter anderem war er in der Serie The Handmaid’s Tale zu sehen. Irgendwann kam er aber wie viele seiner Kollegen und Kolleginnen zu dem Schluss, dass er auch selbst Geschichten erzählen möchte. Sein Regiedebüt gab er 2018 mit dem Musikdrama Teen Spirit über eine Einwanderin, die von der Karriere als Sängerin träumt. Sechs Jahre später meldete sich der Brite mit einem zweiten selbst inszenierten Film zurück. Und erneut erzählt er die Geschichte einer Frau, die eine künstlerische Karriere verfolgt und dabei mit Hindernissen zu kämpfen. War sein Debüt jedoch ein Drama, das am Anfang der Laufbahn angesiedelt ist, haben wir es dieses Mal mit jemandem zu tun, der seine besten Tage schon länger hinter sich hat.
Thematisch geht der Film dann auch in eine andere Richtung als Minghellas Regieerstling. Wo es damals noch um die Suche nach Selbstverwirklichung und Halt ging, da handelt es sich hierbei um einen Horrorfilm mit satirischem Einschlag. Shell – Schönheit hat ihren Preis will eine Industrie, aber auch eine Gesellschaft anprangern, in der allein das Äußere zählt und die Menschen darauf reduziert werden, ob sie einem bestimmten Ideal entsprechen. Wenn es an einer Stelle heißt, dass eine viel zu junge Schauspielerin für die Rolle einer Mutter engagiert wird, weil sie eben besser aussieht, dann zeigt das deutlich, wo die Prioritäten liegen. Und natürlich wird auch eine Wirtschaft kritisiert, die mit ungesunden, wenn nicht gar menschenverachtenden Erwartungen ordentlich Kasse macht, womit dann auch das leidige Thema der Selbstoptimierung aufgegriffen wird.
Die Kombination aus Horror und Satire rund zum Thema Schönheit war in den letzten Jahren immer wieder zu finden. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich The Substance über eine frühere Schauspielerin, die sich ein Serum spritzen lässt, um wieder jung auszusehen. Kürzlich erschien die Serie The Beauty, wo ebenfalls eine Prozedur zum Traumkörper verhilft – mit unerwarteten Nebenwirkungen. Bei Shell – Schönheit hat ihren Preis ist das ähnlich. Wo aber die beiden obigen Titel relativ früh dazu übergingen, die unheimlichen Aspekte dieser Verjüngungskur aufzuzeigen, da lässt man sich hier relativ lang Zeit. Der Film wird dann auch nie so wirklich spannend. Und selbst, wenn es dann mal losgeht und der Bodyhorror beginnt, ist das eher lustig, weil teils völlig absurd.
Insofern sollte man hier nicht mit falschen Erwartungen einschalten. Auch wenn der Film manchmal als Horrorthriller verkauft wird, hat er in der Hinsicht nicht so wahnsinnig viel zu bieten. Das ist eher eine schwarze Komödie. Und selbst in der Hinsicht hätte das Werk, das auf dem Toronto International Film Festival 2024 Weltpremiere hatte, mehr machen können, so ganz bissig ist das nicht. Unterhaltsam ist Shell – Schönheit hat ihren Preis aber schon, auch weil die beiden Hauptdarstellerinnen durch ihre große Spielfreude auffallen. Man sieht Elisabeth Moss als unsicherer Schauspielerin und Kate Hudson in der Rolle der skrupellosen Unternehmerin gern zu. Das reicht dann zwar nicht zu dem ganz großen Wurf, insgesamt ist Minghellas zweiter Ausflug auf den Regiestuhl aber schon solide.
OT: „Shell“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Max Minghella
Drehbuch: Jack Stanley
Musik: Eldad Guetta
Kamera: Drew Daniels
Besetzung: Elisabeth Moss, Kate Hudson, Arian Moayed, Kaia Gerber
Amazon (DVD „Shell – Schönheit hat ihren Preis“)
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