
Ein Dorf von Hyrkaniern wird Ziel eines brutalen Angriffs und vollständig zerstört. Die junge Sonja (Lana Thompson), gehört zu den wenigen Überlebenden und kann in einen nahegelegenen Wald fliehen. Dort wächst sie zu einer entschlossenen Kriegerin heran (Matilda Lutz) und begibt sich auf die Suche nach den Überresten ihres Volkes. Als sie im Zuge dessen Söldner verfolgt, um von ihnen gefangene Waldtiere zu befreien, wird sie entdeckt und überwältigt. Imperator Dragan (Robert Sheehan), die gefürchtete Kriegerin Annissia (Wallis Day) und General Karlak (Martyn Ford) lassen sie in die Hauptstadt verschleppen, wo sie als sogenannte „Damnati“ in Gladiatorenkämpfen zur Belustigung der Bevölkerung antreten muss. Unter den Damnati findet Sonja nach anfänglichem Misstrauen Verbündete. Schließlich nutzt sie eine günstige Gelegenheit, um eine Rebellion anzuzetteln und Dragans finstere Pläne zu vereiteln: Der Imperator ist entschlossen, die versteckt lebenden Überlebenden ihres Volkes aufzuspüren, um den zweiten Teil eines mächtigen magischen Buches an sich zu bringen.
Was lange währt…
Nach einer Produktionsodyssee, die länger währte als die Feldzüge innerhalb der Filmhandlung, hat die Neuverfilmung von Red Sonja nun tatsächlich das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Schon 2008 plante Robert Rodriguez einen Reboot mit Rose McGowan. Danach war eine Version von Simon West im Gespräch, ehe 2018 Bryan Singer als Regisseur präsentiert wurde – ein Engagement, das sich unter dem Eindruck zunehmender Missbrauchsvorwürfe zerschlug. 2019 sollte Joey Soloway den Film mit Hannah John-Kamen realisieren, doch auch daraus wurde nichts. Erst MJ Bassett brachte das Projekt ins Ziel, nachdem sie das bestehende Drehbuch von Tasha Huo überarbeitet hatte. Eigentlich keine guten Vorzeichen für ein Remake des Filmes, der einst von Arnold Schwarzenegger als „der schlechteste Film, den ich je gemacht habe“ bezeichnet wurde und dennoch Kultstatus erlangte.
Bassett, einst als Horrorspezialistin durch Werke wie Deathwatch und Wilderness bekannt geworden, hat mit Solomon Kane bereits Erfahrung mit Figuren aus der Feder von Robert E. Howard gesammelt, auch wenn diese Filmversion genau wie die von Richard Fleischer aus dem Jahr 1985 stärker an den Marvel Comics der 1970er Jahre orientiert ist als an Howards Vorlage. Nach tierischen Actionausflügen wie Rogue Hunter und Danger Park – Tödliche Safari folgt nun also Bassetts Rückkehr zu Sword-and-Sorcery-Fantasy
…wird endlich gut…
Und damit zu den Vorzügen des Films: Die Actionszenen – Schlachten wie Gladiatorenkämpfe – sind wirkungsvoll in Szene gesetzt. Klassische Schwertkämpfe im pseudo-historischen Setting entfalten jene robuste Wucht, die das Genre verlangt. Vor allem aber erweist sich Matilda Lutz als Glücksgriff. Weit entfernt von der amazonengleichen Physis einer Brigitte Nielsen wirkt ihre Sonja verletzlicher, zugleich jedoch wie eine Anführerin, der man bereitwillig folgt. Auch wird sie längst nicht mehr in jener demonstrativen Weise sexualisiert, wie es noch in den 1980er Jahren üblich war – wenngleich die obligatorische Bikini-Rüstung weiterhin getragen wird, heute immerhin mit einem kessen Spruch kommentiert. Routinierte Action und eine überzeugende Hauptdarstellerin sind bekanntlich bereits die halbe Miete. Wer dieser Art von Sword-and-Sorcery-Fantasy etwas abgewinnen kann, wird sich gut unterhalten fühlen.
…oder auch nicht
Zu mehr reicht es allerdings nicht, denn die Defizite sind unübersehbar. Bleiben wir zunächst bei den Darstellern: Sonjas Pferd liefert mit Abstand die beste Leistung; die menschlichen Schauspieler bleiben entweder blass oder übertreiben maßlos. Die digitalen Settings und Hintergründe wiederum sehen exakt so aus, wie digitale Hintergründe und Settings nun einmal aussehen – technisch vorhanden, aber irgendwie seelenlos. Das Dorf aus Sonjas Kindheit scheint direkt in Mittelerde zu liegen. Nur begegnet man dort keinen Hobbits, sondern Veronica Ferres, die Sonjas Mutter spielt. Überhaupt fühlt man sich visuell an zahlreiche andere Produktionen erinnert: an Mad Max, Gladiator, Game of Thrones oder sogar Planet der Affen – nur dass manches anmutet, als sei es bei einem chinesischen Onlinehändler bestellt worden. Auch das CGI, insbesondere bei Tieren und Bestien, verrät allzu deutlich das begrenzte Budget.
Vielleicht aber doch
Dass ein Film dieses Genres nicht primär über seine Dialoge funktioniert, ließe sich verschmerzen; doch gerade in den Gesprächen zwischen Sonja und ihrem offensichtlichen Love Interest Osin der Unberührte (Luke Pasqualino) wird der Bogen bisweilen überspannt. Das Drehbuch erlaubt sich zudem einige bemerkenswert unwahrscheinliche Volten – etwa wenn die Heldin wie aus dem Nichts durch ein Equus ex Machina gerettet wird. Und doch geschieht etwas Überraschendes: Trotz all dieser Mängel schaltet man nach gut 110 Minuten den Bildschirm aus und fühlt sich ordentlich unterhalten. Vielleicht liegt es an Bassetts Gespür für Tempo, vielleicht auch an der zeitlosen Attraktion archaischer Heldenreisen. Red Sonja ist gewiss kein großer Wurf, aber ein Film, der sein Publikum kennt und ihm genau das liefert, was es erwartet: Stahl, Pathos, ordentlich choreografierte Gewalt – und eine Rebellin, der man gerne folgt.
OT: „Red Sonja“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: M.J. Bassett
Buch: Tasha Huo
Vorlage: Robert E. Howard, Roy Thomas
Musik: Sonya Belousova, Giona Ostinelli
Kamera: Lorenzo Senatore
Besetzung: Matilda Lutz, Robert Sheehan, Wallis Day, Michael Bisping, Phillip Winchester, Trevor Eve, Luca Pasqualino, Rhona Mitra, Martyn Ford, Ben Radcliffe, Uhrs Rechn, Tony Way, Sema-Tawi Smart, Eliza Matengu, Veronica Ferres, Katrina Durden
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