
Die Aufregung ist groß, als in Schwanitz ein alter Blindgänger gefunden wird. Dieser muss umgehend entschärft werden, was aber auch bedeutet, dass die Menschen erst einmal alle evakuiert werden müssen. Als Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann) und Hannah Wagner (Jana Klinge) von Haus zu Haus gehen, sehen sie bei Mareike Thorgard (Gitta Schweighöfer) Hinweise auf ein Gewaltverbrechen, während ihr Sohn Jürgen (Pit Bukowski) spurlos verschwunden ist. Wagner hat aber noch ein anderes Thema, das sie beschäftigt: Ausgerechnet ihr entfremdeter Bruder Frederik (Mike Hoffmann) ist für die Entschärfung der Bombe zuständig, was sie dazu zwingt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Tierärztin Jule Christiansen (Marleen Lohse) sucht derweilen die Jugendliche Roxana Dannitzer (Eilin Aliza), die aufgelöst ihre Praxis verlassen hat …
Unerwartet bewegend
Fans von Nord bei Nordwest müssen dieses Jahr etwas genügsamer sein als zuvor. Nicht nur, dass die neue Staffel später startete, als man es aus den Vorjahren gewohnt war. Es gibt auch nur zwei Folgen statt der üblichen drei. Dafür betrieb Pechmarie, die erste der beiden, einen besonderen Fanservice. Endlich sind Hauke und Jule dazu übergegangen, sich zu duzen! Das ist nach Jahren der Zusammenarbeit zwar nicht sehr viel. Allerdings ist man bei dieser Reihe gewohnt, dass die amourösen Stimmungen nie wirklich bedient werden, man sich nie vom Fleck bewegte. Da war das schon ein großer Schritt. Wer deshalb aber gehofft hat, dass Blindgänger diesen Weg konsequent weiterverfolgt, könnte aber enttäuscht werden. So richtig kann man sich hier nicht dazu durchringen, nächste Schritte einzuleiten.
Dafür gibt es anderweitig emotionale Szenen, die dieses Mal Wagner betreffen. Seit der Folge Der Anschlag ist die Kommissarin dabei, jetzt also schon fünf Jahre. Sehr viel hat man in dieser Zeit aber nicht über die Figur erfahren, das Privatleben bleibt eher verschlossen. Durch den neu eingeführten Bruder erhält sie mehr Kontur und eine Vorgeschichte. Diese ist zwar nicht spektakulär, geht aber durchaus zu Herzen. Das schwierige Verhältnis der beiden Geschwister, bei denen vieles unausgesprochen geblieben ist, macht die Protagonistin deutlich menschlicher und greifbarer. Gerade zum Ende hin darf einen Nord bei Nordwest: Blindgänger auch tatsächlich bewegen, wenn sie bei all den komplizierten Gefühlen, die sie füreinander haben, sich doch wieder näherkommen.
Nicht viel zu rätseln
Das heißt aber nicht, dass der Film deswegen ernst wäre. Immer wieder gibt es die humorvollen Auflockerungen. So ist zum Beispiel das kultige Bestatterduo Herr Töteberg (Stephan A. Tölle) und Frau Bleckmann (Regine Hentschel) wieder mit von der Partie, denn der Tod ist ihr Geschäft. Mehmet Ösker (Chem Ali Gültekin) ist sowieso immer als Comic Relief drin. Etwas unerwartet ist bei Nord bei Nordwest: Blindgänger jedoch, dass der Gegenspieler Andrej Soroka (Max Hopp) ebenfalls eher schräg angelegt ist. Wo sonstige Folgen eigentlich versuchen, auch des Kontrastes wegen, ganz finstere Gestalten loszuschicken, da der dieses Mal schon eine Witzfigur. Ein Publikum, das einen ernsten Krimi sehen möchte, ist daher eher fehl am Platz.
Aber auch rätselfreudige Zuschauer und Zuschauerinnen könnten enttäuscht sein. Wie letzte Woche und auch diverse Male zuvor ist der 29. Teil der ARD-Krimireihe kein klassischer Whodunit, wo herausgefunden werden muss, wer ein Verbrechen begangen hat. Zumindest die Leute vor den Bildschirmen dürfen relativ früh erfahren, worum es geht und wer da was macht. Sie haben also mal wieder einen Wissensvorsprung vor dem Trio. Zusammen mit der humorvollen Ausrichtung könnte dies dazu führen, dass manche wenig angetan sein werden. Tatsächlich ist Nord bei Nordwest: Blindgänger aber ein ganz unterhaltsamer Film geworden, der zwischen Krimi, Komödie und Drama wechselt. Dabei bewegt man sich zwar nicht wirklich weit aus der Komfortzone weg, die Filme sind sich schon immer recht ähnlich. Zumindest hier funktioniert das aber ganz gut.
OT: „Nord bei Nordwest: Blindgänger“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Hinnerk Schönemann
Drehbuch: Mariann Kaiser
Musik: Stefan Hansen
Kamera: Uwe Neumeister
Besetzung: Hinnerk Schönemann, Jana Klinge, Marleen Lohse, Gitta Schweighöfer, Pit Bukowski, Max Hopp, Cem Ali Gültekin, Mike Hoffmann, Eilin Aliza, Stephan A. Tölle, Regine Hentschel
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