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Markus Sehr [Interview]

Fabian und Die mörderische Hochzeit von Fabian (Bastian Pastewka), der eigentlich nur einen netten kleinen Betrug plante, dann aber auffliegt und auf seiner Flucht Teil einer Hochzeitsgesellschaft wird. Sehr viel ruhiger geht es dort aber nicht zu, denn kurze Zeit später geschieht dort ein Mord. An und für sich wäre das ja ein Anlass, um sich aus dem Staub zu machen. Dummerweise ist das Anwesen aber zugeschneit. Vor allem aber ist darin ein etwas Kunstwerk, das Fabian gern für sich selbst hätte. Zum Start der Krimikomödie am 6. Februar 2026 auf Amazon Prime Video haben wir uns mit Regisseur Markus Sehr unterhalten. Im Interview spricht er über den Reiz von Krimis, die schwierige Balance aus Humor und Spannung und das Setting.

Warum hast du diesen Film gedreht? Was hat dich an Fabian und Die mörderische Hochzeit gereizt?

Ich mochte das Drehbuch sehr. Außerdem habe ich vorher schon mit Bastian Pastewka zusammengearbeitet und konnte mir das Projekt wirklich nur mit ihm vorstellen. Dann war der Film vom Genre her mein Ding, mit meiner Krimivergangenheit plus Komödie. Ich habe auch viel Schönes zum Inszenieren gesehen.

Was macht für dich einen guten Krimi aus?

Er sollte spannend sein. Ich habe einmal einen Tatort gesehen, wo es nur zwei Möglichkeiten gab, wer es gewesen ist. Man braucht also nicht unbedingt 800 mögliche Fährten. Wichtiger ist es, das Publikum zu involvieren und zum Miträtseln zu bringen. Du musst den Zuschauer ernstnehmen und an ihn denken. Wo ist er gerade? Was weiß er bereits? Wenn du das nicht im Blick hast, brauchst du den ganzen Aufwand in dem Genre nicht zu betreiben. Bastian war in der Hinsicht auch ganz manisch und hat ständig darüber nachgedacht. Und das ist wichtig, damit ein Krimi funktioniert.

Macht dieses Miträtseln für dich den Reiz eines Krimis aus?

Ja. Wobei ich einmal in einem schlauen Buch gelesen habe, dass es weniger um das Whodunit geht, sondern das Whydunit. Wenn man das gut vorbereitet, die Motivation aus den Figuren kommt und das alles glaubwürdig ist, dann kann das ein großer Spaß sein.

Du wirst beim Lesen des Drehbuchs vermutlich selbst gerätselt haben, was da geschehen ist. Wie nahe bist du der Lösung gekommen?

Auf Drehbuchebene war das für mich wahnsinnig offen. Ich bin beim Lesen gar nicht dahintergekommen. Wir haben bei der Umsetzung aber schon versucht, so ein paar Hinweise zu verstecken, die du vielleicht erst beim zweiten Anschauen entdeckst. Denn der Krimi soll nicht einfach nur überraschen, sondern schon auch Sinn machen.

Du hast schon vorher humorvolle Krimis gedreht, etwa aus der Friesland Reihe. Wie schwierig ist es, diese Balance zu halten, dass ein Krimi spannend und komisch ist?

Das ist wirklich nicht einfach, gleichzeitig alles ernst zu nehmen, die Figuren ernst zu nehmen, und doch auch Spaß zu haben. Das ist etwas, womit ich mich schon länger herumtreibe. Aber das gilt auch für Komödien allgemein. Wie ernst nehme ich die Figuren? Das war mir bei dem Film auch wichtig. Das sollte schon emotional wahrhaftig sein, selbst wenn es zwischendurch klamaukig wird.

Und wie sah es mit der Balance der Figuren aus? Ihr habt schon sehr viele. Hinzu kommt, dass Pastewka deutlich bekannter ist als der Rest.

Das war mir sehr wichtig. Ich fand es auch toll, dass wir bei der Besetzung freie Hand hatten. Bastian war zwar gesetzt, um ihn herum wurde das ganze Stück gebaut. Ansonsten konnten wir aber wirklich nach der Frage gehen, wer am besten für die Rolle ist.

Was bringt Pastewka denn mit, dass er die Idealbesetzung für die Rolle war?

Er ist jemand, dem man sehr viel verzeiht. Unsere Hauptfigur ist ein Krimineller und er macht nicht nur nette Sachen. Trotzdem hast du das Gefühl, er hat das Herz am rechten Fleck. Ohne das würde der ganze Film zerbröseln. Du brauchst eine Hauptfigur, bei der du auch bleiben kannst, um die anderen Figuren zwischen gut und böse changieren zu lassen. Bastian spielt das so präzise und diszipliniert. Er verliert auch dann nicht seine Energie, nachdem du ganz viele Takes hattest, zum Beispiel bei unserer Auflösung, die schon sehr lang geworden ist.

Wie würdest du denn Fabian beschreiben?

Er ist ein Schlitzohr. Wenn er stiehlt, dann zwar nur von den Reichen, ein bisschen wie Robin Hood. Aber er hat einen sympathischen Egoismus. Er hat auch etwas Pech, ist so eine Art lovable loser.

Kommen wir auf das Setting. Was war euch dabei wichtig?

Für die Geschichte war es wichtig, dass es ein Ort ist, der von der Zivilisation abgeschnitten ist. Gleichzeitig sollte er viele Schauwerte bieten und visuell einiges hergeben, weil du dort schon viel Zeit verbringst. Wir hatten auch Glück mit dem Schnee, der ein wenig Magie hinzugefügt hat. Für mich war das auch eine neue Erfahrung, in solchen Schneemassen zu drehen.

Und wo genau habt ihr gedreht?

In einer Villa in Lettland. Anfangs haben wir noch etwas in Litauen gedreht, danach sind wir rüber gewechselt.

Es geht bei der Geschichte um ein wertvolles Kunstwerk. Das ist schon auch mit Diskussionen verbunden, was Kunst eigentlich ist. Wie ist dein Verhältnis zur Kunst?

Kunst sollte bei den Leuten etwas auslösen. Das muss jetzt nicht so weit führen, dass sie wie bei uns alle um den Verstand bringt. Ich mag schöne Dinge, Objekte, Texturen, muss das auch nicht immer ganz verstehen. Wir sind im Film das ein bisschen ironischer angegangen. Was ist noch Kunst oder doch schon Quatsch? Ist das alles wirklich etwas wert? Das sind Fragen, die bei uns mitschwingen, aber eher als Subtext.

Nachdem eurer Film jetzt fertig ist, gibt es Überlegungen zu einer Fortsetzung? Krimis sind ja oft auf ein serielles Erzählen ausgelegt.

Ich glaube, es gibt Überlegungen. Ich fände es natürlich mega, wenn es weitergehen würde, und würde mich sehr freuen, noch einmal auf eine solche Reise zu gehen. Ein Wermutstropfen wäre aber, dass wir nicht alle mitnehmen könnten, weil das schon ein richtig tolles Team war, bei dem die Zusammenarbeit sehr viel Spaß gemacht hat.

Vielen Dank für das Interview!



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