
Als die Jungen zu sich kommen, wissen sie nicht, wie ihnen geschehen ist. Sie wissen nur, dass sie ganz allein auf dieser einsamen Insel sind. Was tun? Zwar haben sie schon die Hoffnung, dass jemand sie finden und retten wird. Bis es so weit ist, müssen sie aber erst einmal lernen, sich selbst zu versorgen und zu überleben. Um das Zusammensein besser zu koordinieren zu können, fassen sie den Beschluss, einen Anführer zu wählen. Die Wahl fällt auf Ralph (Winston Sawyers) – sehr zum Ärger von Jack (Lox Pratt), der sich selbst als Anführer sieht. Dennoch fügt er sich erst einmal seinem Schicksal. Während Ralph, unterstützt von Piggy (David McKenna), für Ordnung sorgt, übernehmen Jack und seine Jungs von der Chorgruppe Aufgaben wie die Jagd. Doch das Zusammenleben gestaltet sich zunehmend schwierig, zumal auch Gerüchte die Runde machen, dass ein Monster auf der Insel umgeht …
Serienfassung des Klassikers
Zwar hat William Golding im Laufe seiner Karriere eine ganze Reihe von Romanen geschrieben. Er erhielt dafür auch viel Zuspruch, unter anderem wurde er zum Ritter geschlagen, sein Roman Äquatortaufe mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet, auch einen Nobelpreis für Literatur durfte er sein Eigen nennen. Und doch werden die meisten den Briten primär mit seinem Debütroman Herr der Fliegen in Verbindung bringen. 1954 veröffentlicht, ist die Geschichte um einen Überlebenskampf auf einer Insel ein bedeutender Klassiker der britischen Literatur und wurde von Generationen im Schulunterricht gelesen. Mehrfach wurde das Inseldrama auch verfilmt. Aber es kann ja offensichtlich nie genug Versionen davon geben, weshalb mit Lord of the Flies nun auch noch eine Serienfassung folgt.
Auf der einen Seite werden sich nicht wenige fragen: Braucht es das wirklich? Reichen die bisherigen Versionen nicht aus? Zumal sich die Adaption relativ nah an das Original hält und nicht irgendwie versucht, das Abenteuer zu modernisieren oder anzupassen. Beispielsweise spielt die Geschichte noch immer in einem historischen Setting, ohne dass dieses genauer konkretisiert wird. Und doch ist das nicht unbedingt ein Manko. Denn wenn Lord of the Flies eines beweist, dann, dass der Roman nicht ohne Grund bis heute so bekannt und beliebt ist. Das, was Golding vor etwas mehr als siebzig Jahren erzählte, ist heute so aktuell wie damals. Vielleicht sogar noch aktueller. Denn während in den 1950ern weltweit die Demokratien auf dem Vormarsch waren, stehen diese heute bekanntlich mit dem Rücken zu Wand. Man sieht derzeit an allen Ecken und Enden, wie das Konzept der Gemeinschaft in Frage gestellt wird, wenn nicht sogar zerstört. Das Recht des Stärkeren feiert ein Comeback.
Nachdenklich und ambivalent
Die Serie verurteilt solche Entwicklungen, wenn die mühsam erarbeitete Zivilisation in kurzer Zeit wieder zerstört werden kann. Und doch ist Lord of the Flies darum bemüht, für etwas mehr Ambivalenz zu sorgen. Zwar ist Jack nach wie vor der Antagonist der Geschichte, wenn er und seine Truppe die anderen terrorisieren und nicht vor Gewalt zurückschrecken. Drehbuchautor Jack Thorne, der sich als Co-Schöpfer des Serienphänomens Adolescence schon einmal mit toxischer Männlichkeit bei Jungen befasste, ist stärker als Golding seinerzeit darum bemüht, für Ambivalenz zu sorgen. So ist jede der vier Folgen einem der Jungen gewidmet – neben den drei oben genannten ist da noch Simon (Ike Talbut) – und gibt auch durch Flashbacks mehr Hintergrundinfos. Sie werden stärker zu Persönlichkeiten, anstatt Stereotypen zu entsprechen.
Es führt allerdings auch dazu, dass die Geschichte insgesamt länger wird und damit die Passagen, in denen nicht viel geschieht. Aber Letzteres sollte man ohnehin nicht erwarten. Lord of the Flies ist weniger Survivalthriller, als es zuletzt Send Help war. Solche Szenen gibt es zwar schon auch. Sie sind aber in der Minderheit, die Serie ist deutlich nachdenklicher und ruhiger. Da kann dann auch schon mal längere Zeit gar nicht mehr gesprochen werden. Konstante Hochspannung ist da nicht angesagt. Die Serie ist weniger an dem Survival-Aspekt interessiert als der Frage, was diese Ausnahmesituation mit den Jungen macht und wie verführerisch Macht sein kann. Der Rausch, dem die Figuren zunehmend folgen bringt auch eine surreale Note mit sich, wenn inmitten der Idylle die Welt immer mehr zusammenbricht – die äußere wie die innere.
OT: „Lord of the Flies“
Land: UK
Jahr: 2026
Regie: Marc Munden
Drehbuch: Jack Thorne
Idee: Jack Thorne
Vorlage: William Golding
Musik: Hans Zimmer, Kara Talve, Cristobal Tapia De Veer
Kamera: Mark Wolf
Besetzung: Winston Sawyers, Lox Pratt, David McKenna, Ike Talbut, Thomas Connor, Noah Flemyng, Cassius Flemyng, Cornelius Brandreth
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