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© NBCU/Oliver Stapleton

Hi-Lo Country – Im Land der letzten Cowboys

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„The Hi-Lo Country“ // Deutschland-Start: 15. April 1999 (Kino) // 9. Februar 2006 (DVD)

Inhalt / Kritik

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehren Pete Calder (Billy Crudup) und sein Freund Big Boy Matson (Woody Harrelson) zurück in ihre Heimat Hi-Lo, New Mexico. Der Ort hat sich sehr verändert, denn in der Abwesenheit vieler junger Männer haben Rancher wie der wohlhabende Jim Ed Love (Sam Elliott) sich ein Imperium aufgebaut. Doch weder Pete noch Big Boy wollen für ihn arbeiten und versuchen, mit ihrem Land und Vieh gemeinsam zu überleben – so wie sie es als Cowboys vor dem Krieg gelernt haben. Mithilfe einiger ihrer Freunde gelingt es ihnen, sich zu organisieren, doch in dieser neuen Welt zu überleben ist nicht einfach.

Die Rückkehr in die Heimat bedeutet für Pete auch ein Wiedersehen mit seiner großen Liebe Mona Birk (Patricia Arquette), die in seiner Abwesenheit den Vorarbeiter Jim Eds geheiratet hat. Als Mona eine Affäre mit Big Boy beginnt, wird die Rivalität zwischen den Cowboys und dem einflussreichen Rancher immer hitziger. Der temperamentvolle Big Boy provoziert immer wieder neue Streitigkeiten – bis er es eines Tages übertreibt, was nicht nur die Freundschaft zwischen ihm und Pete bedroht, sondern auch ihren gemeinsamen Traum eines unabhängigen, freien Lebens in der Prärie.

Ein Land, das man nicht wirklich kennt

Der Western ist nicht nur durch Konventionen definiert, denn er ist ein ideell aufgeladenes Genre. Als der britische Regisseur Stephen Frears mit den Vorbereitungen zur Verfilmung von Max Evans’ Roman The Hi-Lo Country begann, war ihm bewusst, dass er mit der Geschichte ein Land betrat, das vielen Menschen bekannt ist, das man aber „nicht wirklich kennt“. Der Western behandelt visuell wie erzählerisch Mythen, doch von der Realität waren diese Geschichten meilenweit entfernt. Als Zuschauer kennt man die Welt des „Wilden Westens“, aber eigentlich kennt man nur ein Ideal oder einen Mythos, der in vielen Western mehr und mehr infrage gestellt wurde. Hi-Lo Country erzählt vom Ende des Mythos, ohne diesen jedoch vollständig zu entzaubern. Frears’ Film zeigt die Romantik der Erzählung des „Wilden Westens“ und des Cowboys, betont aber zugleich die Gefahren dieser Ideale – wie toxisch und verklärt sie sein können.

Konsequenterweise vermischt sich in Hi-Lo Country Bekanntes mit Fremdem. Wie in vielen Neo-Western werden besonders westernaffine Zuschauer erzählerisch und visuell vieles erkennen, was die Konventionen des Genres bedient, wobei im Vordergrund die Figur des Cowboys und die Mythologisierung des Landes stehen. Petes Rückkehr in seine Heimatstadt wird als Montage inszeniert, an deren Ende er das Familiengrundstück betritt: Ein kleines Tor ist der Eingang zu einem schier unendlich wirkenden Grundstück, in dessen Mitte die kleine Farm fast wie eine Fußnote erscheint. Seine wie auch Big Boys Aufgabe wird es sein, dieses Land sich anzueignen, es zu zähmen und mit Geschichten anzureichern, die sie sich immer wieder am Abend am Lagerfeuer oder in einer der lokalen Bars erzählen.

Es ist das „Gefühl der Freiheit“, das sie mit diesem Leben verbinden, sowie der Sinn für das Abenteuer, das sie stets suchen – auch wenn die Folgen dieser Abenteuer ihnen nicht immer bewusst sind. Frears’ Film weist früh auf Zweifel an dieser Ideologie der Freiheit hin, kontrastiert sie mit der neuen Lebensrealität nach dem Zweiten Weltkrieg und betont auch das inhärent Reaktionäre, wenn es lediglich um die Erfüllung eines individuellen Traums geht. Die Freiheit des Landes ist nur in der Inszenierung oder aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren unendlich – in der Wirklichkeit ist ihr Bewegungsradius begrenzt, auch wenn sie es noch nicht wahrhaben wollen.

Geschäftsleute und Cowboys

Im Zentrum von Hi-Lo Country steht eine Dynamik, wie man sie aus dem Western traditionell kennt. Zwei Cowboys und eine Gruppe Gleichgesinnter stellen sich gegen die kapitalistische Weltanschauung eines Viehbarons, dessen Einfluss so immens ist, dass er praktisch das Gesetz darstellt. Schauspieler wie Henry Fonda oder John Wayne spielten unzählige solcher Charaktere, die am Prinzip der Freiheit und der Moral festhielten, womit sie zu den „Guten“ wurden – im Gegensatz zum logischerweise als amoralisch dargestellten Großgrundbesitzer oder Viehbaron. Spätestens jedoch mit der Neudefinition des Genres in den 1960ern und später in den 1990ern konnte diese Schwarz-Weiß-Unterteilung nicht mehr gelten – eine Idee, die Hi-Lo Country fortführt und weiterdenkt. Wie schon im vorherigen Abschnitt angedeutet, halten die Cowboys zwar nach wie vor an bestimmten Werten und Prinzipien fest, jedoch sind sie längst nicht mehr so positiv konnotiert.

Interessant und für die Dramaturgie förderlich ist, dass sich dieser Ansatz sowohl in der Dynamik der beiden Hauptfiguren als auch in ihrer Beziehung zu Sam Elliotts Figur äußert. Letzterer tritt zwar ebenso selbstsicher auf wie die Charaktere, auf die er verweist, aber Jim Ed Love hat es nicht nötig, aktiv in das Geschehen einzugreifen. Elliott ist ein Schauspieler des effektiven Minimalismus, was man auch in seiner Darstellung in Hi-Lo Country sehen kann. Als Big Boy eine Schlägerei beginnt, schaut er lediglich zu, lächelt sogar über die Darbietung und kommentiert sie mit keinem Wort – oder höchstens mit einem ironisch wirkenden Satz. Figuren wie Jim Ed wissen um die Sackgasse, in die sich Pete und Big Boy hineinmanövriert haben, und besitzen das nötige Kapital, um einen Konflikt mit ihnen einfach auszusitzen. Die Explosivität der Lebensführung dieser beiden Cowboys wird sie auf lange Sicht ohnehin auslöschen – das ist kein Spoiler, wie man meinen könnte, sondern eine Gewissheit, die uns Hi-Lo Country von der ersten Minute an vermittelt.

Der Freiheitsbegriff der beiden Hauptfiguren von Hi-Lo Country öffnet Tür und Tor für jegliche Form der Ausbeutung. In keinem anderen Aspekt des Films wird dies so deutlich wie in der Definition der Frauenfiguren, die zum Spielball dieser wankelmütigen Leidenschaften werden. Sowohl Patricia Arquette als auch Penelope Cruz zeigen, wie Frauen zur Zielscheibe eines Freiheitsbegriffs werden, der letztlich vor allem toxisch ist. Während die eine (Arquette) jedoch versucht, innerhalb dieser Welt zu überleben und ihren eigenen Traum zu verwirklichen, scheint die andere (Cruz) immer resignierter zu werden. Das langsame Sterben einer Ideologie hat schwere Folgen, denn am Ende steht eine emotionale und ideelle Leere, wie sie Frears’ Film wiederholt zeigt – sowohl in der Inszenierung der Landschaft als auch in der Figurenzeichnung.

Credits

OT: „The Hi-Lo Country“
Land: USA, UK
Jahr: 1998
Regie: Stephen Frears
Drehbuch: Walon Green
Vorlage: Max Evans
Musik: Carter Burwell
Kamera: Oliver Stapleton
Besetzung: Billy Crudup, Woody Harrelson, Enrique Castillo, Patricia Arquette, Penelope Cruz, Sam Elliott

Bilder

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Hi-Lo Country – Im Land der letzten Cowboys
fazit
„Hi-Lo Country“ ist ein Spätwestern, der die Kehrseite des Freiheitsideals des „alten Westens“ zeigt, das seine Mythen wiederholt und nacherzählt, ohne sie vollständig zu entzaubern. Stephen Frears’ Film blickt teils nostalgisch zurück auf eine einfachere, wenn auch romantisch verklärte Zeit, und zeigt Figuren, die nicht einsehen können, dass ihre Freiheit Grenzen hat und das Leben im Mythos nicht zur Lebensrealität passt.
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