Unfamiliar Netflix Streamen online Video on Demand
Felix Kramer und Susanne Wolff in der Thrillerserie "Unfamiliar" (© Netflix)

Felix Kramer / Susanne Wolff [Interview]

Unfamiliar erzählt die Geschichte von Meret (Susanne Wolff) und Simon (Felix Kramer), die früher als Geheimagenten gearbeitet haben, inzwischen aber dazu übergegangen sind, ein Safe House zu betreiben. Als ein weiterer Agent dieses in Anspruch nehmen will, stellt sich heraus, dass er es in Wahrheit auf die beiden abgesehen hat. Von ihrer Vergangenheit eingeholt, müssen sie herausfinden, worum es bei der Sache geht und weshalb sie ins Fadenkreuz geraten ist. Seit dem 5. Februar 2026 ist die Thrillerserie auf Netflix verfügbar. Das haben wir zum Anlass genommen, um uns mit den beiden zu unterhalten. Im Interview sprechen sie über die Besonderheit der Serie und ein Leben im Verborgenen.

Was hat Sie an Unfamiliar gereizt? Was macht die Serie für Sie zu etwas Besonderem?

Susanne Wolff: Die Serie ist eine Mixtur aus Familiendrama und Agententhriller. Man hat hier psychologisch etwas zu verhandeln, darf sich aber auch gegenseitig verhauen, erschießen, bluffen und sich verkleiden. Die Psychologie ist hier nicht nur so ein kleines Alibi, wie man es aus manchen Krimis kennt, wo der Kommissar zu Hause noch ein kleines Problem hat. Hier ist das wirklich fifty-fifty gewichtet.

Felix Kramer: Es sind wirklich viele sehr komplexe Figuren, die unterschiedlich miteinander agieren. Dann ist Berlin einfach wahnsinnig fotogen, was solche Geschichten angeht. Wir haben auch viel Berlin bei Nacht. Berlin ist sehr sexy bei Nacht – und das sage ich nicht nur, weil ich aus Berlin komme. Und mir gefällt, wie wir dem Agentengenre die Maskerade abziehen. Hier ist nicht alles nur geschickt und es läuft wie am Schnürchen. Das hat etwas Wahrhaftiges. Man merkt, dass die Serie von einem englischen Autor geschrieben wurde. Die ticken anders und geben den Figuren auch mehr Zeit. Du musst nicht sofort alles erklären, manches entwickelt sich erst. Das mag ich. Gleichzeitig ist Unfamiliar sehr unterhaltsam.

Dann kommen wir doch zu den Figuren. Wie würden Sie die beschreiben?

Felix Kramer: Während Meret um die Weltmeisterschaft boxt, ist Simon der Typ beim Boxring, der den Mundschutz bereithält und den Eimer trägt, in den die Boxer spucken.

Susanne Wolff: Das finde ich ganz passend. Ich würde Meret auch eher als wortkarg beschrieben. Jemand, der eher zuschlägt als fragt.

Felix Kramer: Sie kann ja auch nicht reden, weil sie einen Mundschutz trägt.

Wir erfahren später, dass Simon Angst vor einer Operation hat. Eigentlich ist er aus seinem Leben Gefahren ja gewohnt. Warum hat er dann ausgerechnet hiervor Angst?

Felix Kramer: Schöne Frage! Da ich es heute mit Metaphern habe: Das ist wie bei den Fliesenlegern, die jeden Tag die tollsten Bäder fliesen, bei denen es zu Hause im eigenen Bad aber nicht unbedingt schön gefliest ist. Natürlich ist das ein Widerspruch und toll beobachtet. Aber ich würde die Frage gern unbeantwortet lassen, weil ich das selbst spannend finde. Warum sind Ärzte Kettenraucher? Warum sind wir Menschen so widersprüchlich?

Dieses Leben mit der Gefahr und im Verborgenen bedeutet auch, dass die beiden anderen nicht trauen dürfen. Was macht das mit den beiden?

Susanne Wolff: Das würde ich gern in der zweiten Staffel herausfinden. Ich fände es schön, sich eine Zeit lang wirklich diesem Alltäglichen zu widmen. Allein schon die ganze Truman-Show-Maschinerie, die aufrecht erhalten werden muss für Tochter Nina. Irgendwann kommt sie in das Alter, bei dem sie sich fragen wird, warum sie zum Beispiel keine Tanten und Onkel hat und es auch nicht Oma und Opa gibt. Da ist ein ganzes System etabliert, nur, damit sie in ihrem Leben klarkommt und nichts von der Vergangenheit mitbekommt. Das würde mich interessieren.

Felix Kramer: Das ist auch etwas, worüber Susanne und ich uns unterhalten haben. Bei all dem Misstrauen und all dem Ärger, den sie haben, gehen sie immer aufeinander zu. Ein großer Referenzpunkt, warum das geht, ist, dass sie sich haben. Das wird nicht gänzlich erklärt in der ersten Staffel. Wenn es weitergeht, wird man sicher noch erfahren, warum das so ist. Simons Zuhause ist Merets Gegenwart.

Können Sie uns noch etwas über die Vorbereitung für die Serie verraten, sowohl im Hinblick auf diese psychologischen Aspekte, aber auch die körperlichen Szenen?

Susanne Wolff: Da gab es ganz klassisch Trainings, die man organisiert hat. Ob man in ein Boxstudio gegangen ist oder mit jemandem trainiert hat, der auch Kenntnisse über Stunts hat. Da ging es auch darum, einen Bewegungsablauf in den Körper zu bringen, der dir vorher fremd war. Man ist mit Waffen umgegangen und ist auf Schießstände gegangen. Wir waren auch im Besucherzentrum vom BND und haben einen netten Pressesprecher kennengelernt, der uns auch über den Besuch hinaus beraten hat.

Felix Kramer: Im Besucherzentrum gibt es auch Tassen und Kugelschreiber und Cappys. Und ich habe mich gefragt: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um ein Cappy vom BND zu tragen? Zur Vorbereitung war ich auch in einer Küche und habe richtig kochen gelernt. Wie man schneidet und sich richtig die Schürze bindet. Ich habe einen Arzt getroffen, der mir gezeigt hat, wie das mit einem Kaiserschnitt geht, damit das in der Serie auch echt aussieht.

Susanne Wolff: Was auch richtig spannend war, war die Szene, wo wir quer durch den Verkehr gefahren sind. Ich musste so tun, als würde ich selbst fahren. Dabei war es eine Stuntfrau, die neben mir war, die gesteuert hat. Tatsächlich funktionierte mein Lenkrad nicht einmal. Das war auch etwas, das ich erst lernen musste.

Vielen Dank für das Interview!



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