
Hannes Wenger (Sebastian Bezzel) ist ein zufriedener Familienmensch. Veränderungen sind ihm zuwider. Doch die Kinder gehen zunehmend eigene Wege, wollen weder mit ihm frühstücken, noch mit den Eltern in den Urlaub fahren. Hannes möchte seine Roman-Dauerreihe, die auf seinem ersten Erfolg „Im Dunstkreis der Möwe“ basiert, weiter fortsetzen, doch der Verlag winkt ab. Sein Agent Markus (Thomas Loibl) legt dem Schriftsteller ans Herz, etwas Neues zu wagen. Ehefrau Sara (Anna Schudt) hat genug vom langweiligen Beziehungsalltag. Sie zieht mit der 21-jährigen Tochter Carla (Kya-Celina Barucki) aus in eine Zweier-WG. Bei Hannes bleibt noch der Sohn Nick (Philip Müller), der sich mehr für Mädchen als fürs Abitur zu interessieren scheint. Aber als Hannes die Singlefrau Vanessa (Judith Bohle) kennenlernt, kommt frischer Wind in sein Leben.
Wer die Veränderung scheut…
Wenn die Kinder flügge werden, fällt es vielen Eltern bekanntlich schwer, loszulassen. Zu lange drehte sich das Familienleben um den Nachwuchs, der eine schmerzhafte Lücke hinterlässt, wenn er eigene Wege geht. Oft genug bleibt ein Elternpaar zurück, das in der eigenen Ehe eine gähnende Leere entdeckt. So erging es beispielsweise der Ehefrau und Mutter in der französischen Komödie Adieu Chérie – Trennung auf Französisch. In der Verfilmung des Buchs Die Ältern von Jan Weiler ist es der Mann, der sich vom Lauf der Dinge abgehängt fühlt. Hannes Wenger und seine Familie sind Charaktere, die das Publikum bereits aus Weilers Buchkosmos und auch der Verfilmung von Das Pubertier kennt. Jetzt aber werden sie von anderen Darsteller*innen gespielt und man muss ihre Vorgeschichte nicht kennen.
Weiler, der mit Robert Gold das Drehbuch für Die Ältern schrieb, und Regisseur Sönke Wortmann (Der Vorname) gehen in der Einführungsszene ins Jahr 1993 zurück. Nach der Abifeier sitzt das künftige junge Paar im Auto in Köln, er redet über die tödlichen Gefahren des Lebens, sie wundert sich, dann wird geküsst. Ein Bilderreigen zeigt, wie die Familie entsteht und wächst. Sie zieht nach Hamburg um, wo sie heute lebt. Wiederholt wird sich die Stadt in Panoramaaufnahmen als attraktiver Schauplatz für eine launige Komödie empfehlen. Und auch die entspannte jazzige Musik sorgt für eine positive Grundstimmung.
Kleine Witze, kleine Probleme
Auf witzige Szenen wartet man nicht vergeblich. Da gibt es die adrett gekleideten Kinder, die an Halloween an Hannes’ Tür klopfen und behaupten, dass sie von der AfD sind, oder den neuen Freund von Tochter Carla, der sich ständig mit den Sprichwörtern vertut. Aber solche lustigen Mini-Ideen reichen bei Weitem nicht aus, um der Geschichte den nötigen Schwung zu verleihen. Vielmehr kommt sie nie richtig in Fahrt und die Handlung mutet zunehmend uninteressant an. Der fast erwachsene Sohn bringt ein Mädchen nach Hause, ach ja? Der Vater begreift die Mathe-Aufgaben nicht, die er seinem Sohn erklären will? Manche Szenen wie jene mit dem Handtuch im Hallenbad, dessen heimliche Benutzung einen Taxifahrer ins Unglück stürzt, wirken sogar ziemlich missraten.
In der Rolle des schluffigen Hannes erinnert Sebastian Bezzel stets an seinen Kommissar Eberhofer aus der bayerischen Krimi-Komödienreihe nach den Büchern von Rita Falk. Wie der gemütliche Hannes und seine Frau Sara, die eine Richterin ist, je zusammenpassten, erschließt sich nicht. Das Ehepaar sagt seine Dialoge auf, ohne sich gestisch, mimisch aufeinander zu beziehen, ohne mit den Augen oder sonst wie ausreichend zu signalisieren, das sind Menschen, die etwas verbindet. So wirken Hannes und Sara nicht authentisch, nicht in der Fiktion eines richtigen Lebens verankert. Auch die übrigen Charaktere sagen ihre Sätze auf, als käme es nur auf diese an. Plausibel und sympathisch wirkt da noch am ehesten Philip Müller als der fröhliche, unbekümmerte Sohn Nick. Von einer rundum gelungenen Komödie am Puls der Zeit kann hier leider nicht die Rede sein.
OT: „Die Ältern“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Sönke Wortmann
Drehbuch: Jan Weiler, Robert Gold
Vorlage: Jan Weiler
Musik: Helmut Zerlett
Kamera: Andreas Berger
Besetzung: Sebastian Bezzel, Anna Schudt, Kya-Celina Barucki, Philip Müller, Judith Bohle, Thomas Loibl, Nilam Farooq
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