
Es ist Zeit für einen neuen Film! Der bekannte Regisseur Giovanni (Nanni Moretti) weiß auch schon, wovon er erzählen will: Es soll um den Kurswechsel der italienischen Kommunisten in den 1950ern gehen, die sich nach dem Aufstand der Ungarn von der Sowjetunion lösen wollten. So ganz geht dieser Plan aber nicht auf. Viele können mit dem Thema nichts anfangen, darunter auch Leute aus seinem eigenen Team. Die Finanzierung wackelt, weil sein Produzent Pierre (Mathieu Amalric) nicht mit Geld umgehen kann und nun Netflix ins Boot holen möchte. Aber auch privat läuft es nicht rund bei dem Filmemacher: Seine Frau Paola (Margherita Buy) will sich von ihm trennen, Tochter Emma (Valentina Romani) bändelt mit einem deutlich älteren Mann an. Giovanni versteht die Welt nicht mehr …
Zwischen Kommentar und Nabelschau
Nanni Moretti gehört sicherlich zu den Institutionen des italienischen Kinos. 50 Jahre ist es inzwischen her, dass der Regisseur mit Ich bin ein Autarkist sein Langfilmdebüt gegeben hat. Und noch immer hat er seine Liebe zu dem Medium nicht verloren, dreht alle paar Jahre ein neues Werk. So erzählte er 2021 in Drei Etagen von diversen Tragödien in einem Mehrfamilienhaus. Sein neuer Film It Will Happen Tonight soll dieses Jahr noch kommen. Da trifft es sich doch gut, dass mit Das Beste liegt noch vor uns doch noch sein letztes Werk den Weg zu uns findet. Weltpremiere hatte die Tragikomödie eigentlich schon 2023 in Cannes, erst zweieinhalb Jahre später wird sie in Deutschland gezeigt. Die wenigsten dürften überhaupt noch mit einer Veröffentlichung gerechnet haben.
Die Zurückhaltung könnte auch damit zusammenhängen, dass die Resonanz seinerzeit nicht wirklich positiv war. Tatsächlich ist da auch einiges in Das Beste liegt noch vor uns, woran man sich stören kann. So hat Moretti, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat und wieder mal die Hauptrolle spielt, einen Film gedreht, bei dem man kaum sagen kann, was nun Kommentar auf die Außenwelt sein soll, was bloße Nabelschau. Prinzipiell ist es natürlich kein Problem, wenn Grenzen da verschwimmen. Viele Filmschaffenden greifen auf persönliche Erfahrungen zurück, wenn sie Geschichten erzählen. Nur sollte man dann auch etwas anbieten können, das tatsächlich interessant ist. Und das ist hier nur bedingt der Fall, wenn der Protagonist durch die Welt schlingert.
Nette Grenzüberschreitung
Dabei gibt es durchaus Themen, die unterwegs aufgelesen werden. Da ist zum einen die historische Komponente, wenn der Film im Film von den historischen Kommunisten erzählt. Aktuell wird es dafür beim Thema Film, wenn Netflix die Antwort auf finanzielle Nöte ist, aber genaue Vorstellungen davon hat, wie so ein Streifen zu funktionieren hat. Das Beste liegt noch vor uns nutzt an der Stelle das satirische Potenzial zu wenig. Die Verknüpfung aus persönlichen Geschichten und der Filmindustrie bringt auch nicht so viel hervor, wie möglich gewesen wäre. Wo in Sentimental Value die Arbeit an einem Film auch der Aufarbeitung eigener Traumata diente, da bleibt das hier lockerer. Weniger konkret. Ein bisschen beliebig. Größere Ansprüche darf man hier deshalb nicht haben.
Das bedeutet aber nicht, dass der Film deswegen schlecht ist. Moretti hat eine nette Tragikomödie vorgelegt um einen alternden und verschrobenen Filmemacher, der allen die Welt erklären will und doch selbst den Anschluss verloren hat. Das ist eigentlich ernst, wird hier aber mit viel verspielter Heiterkeit angeboten. Und irgendwie ist es ja auch schön, wenn uns Das Beste liegt noch vor uns mitnimmt auf Reise, in der kontinuierlich Grenzen verschwimmen – Vergangenheit und Gegenwart, Persönliches und Berufliches. Eine Reise, bei der irgendwie auch niemand wirklich kompetent zu sein scheint. Muss man das gesehen haben? Nicht unbedingt, auch vor dem geistigen Auge verschwimmt da einiges. Man nimmt nicht so wirklich viel mit aus dem Film. Aber man fühlt sich für eine Weile gut aufgehoben und wird am Ende mit einem Lächeln wieder zurück in die Realität geschickt.
OT: „Il Sol dell’avvenire“
IT: „A Brighter Tomorrow“
Land: Italien
Jahr: 2023
Regie: Nanni Moretti
Drehbuch: Francesca Marciano, Nanni Moretti, Federica Pontremoli, Valia Santella
Musik: Franco Piersanti
Kamera: Michele D’Attanasio
Besetzung: Nanni Moretti, Margherita Buy, Silvio Orlando, Barbora Bobulova, Mathieu Amalric
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)





