Boyz n the Hood
Image courtesy of Park Circus/Columbia Pictures Industries, Inc. All Rights Reserved.

Boyz n the Hood – Jungs im Viertel

Boyz n the Hood
„Boyz n the Hood“ // Deutschland-Start: 30. Januar 1992 (Kino) // 21. Juli 2011 (Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Weil er als Kind in seiner Schule wegen seiner Aufmüpfigkeit nicht zurechtkam, wurde Tre (Cuba Gooding Jr.) von seiner Mutter Reva (Angela Bassett) in die Obhut seines Vaters Furious (Laurence Fishburne) gegeben. Seine neue Heimat South Central Los Angeles ist eine von Armut, Drogen und Bandenkriminalität geprägte Gegend, weshalb Furious seinem Sohn von Beginn an Disziplin und Verantwortungsbewusstsein vermittelt, damit er nicht ebenfalls auf die schiefe Bahn gerät.

Furious’ Nachbarn, die Bakers, denken ähnlich. Doch während Ricky (Morris Chestnut) versucht, sich über ein Football-Stipendium einen Platz an einer angesehenen Universität zu sichern, gerät sein Bruder Darrin (Ice Cube), genannt „Doughboy“, bereits in jungen Jahren mit dem Gesetz in Konflikt.

Für Tre ist es nicht leicht, sich von den Konflikten South Centrals fernzuhalten. Die Gangs haben die Nachbarschaft fest im Griff und terrorisieren alle, die sich gegen sie stellen, während die Polizei eher Teil des Problems als der Lösung ist. Gemeinsam mit seiner Freundin Brandi (Nia Long) plant er, zu studieren und South Central hinter sich zu lassen, um mit ihr eine Familie zu gründen. Als die Gewalt im Viertel droht zu eskalieren, muss Tre sich endgültig entscheiden: Greift er zur Waffe – oder wählt er einen anderen Weg?

Initiation in South Central

Mit seinem Debütfilm Boyz n the Hood – Jungs im Viertel gelang Regisseur John Singleton 1991 ein beachtlicher kritischer wie auch kommerzieller Erfolg. Darüber hinaus machte Singletons Film auf ein Thema aufmerksam, das später noch in Werken wie Menace II Society aufgegriffen werden sollte, nämlich die Lebensrealität in US-amerikanischen Ghettos. Singleton, der selbst in South Central aufgewachsen ist, ging es darum, das Leben so darzustellen, „wie wir es erlebt haben“, wie er selbst in Interviews immer wieder betont. Auch wenn viele es Boyz n the Hood unterstellen wollen, ist der Film keineswegs eine Geschichte mit Botschaft. Der Film verweist auf einen blinden Fleck, der selbst heute noch weder aufgearbeitet noch wirklich ernsthaft von der US-Politik oder der Gesellschaft aufgegriffen wurde. Boyz n the Hood erzählt von den Vergessenen, den Zurückgelassenen sowie von ihrem Kampf um Beachtung und dem Finden eines Auswegs aus einem Teufelskreis, geprägt von Drogen, Perspektivlosigkeit und Gewalt.

Zu Beginn von Boyz n the Hood werden wir Zeugen eines Initiationsrituals. Darrin, Ricky und Tre streifen durch ihr Viertel, als einer von ihnen auf einmal fragt, ob seine Freunde eine Leiche sehen wollen. Nur wenige Meter weiter finden die Jungen besagte Leiche – einen jungen Mann, gezeichnet von Drogen und Schlägen. Während sie noch nicht recht wissen, was sie mit dem Anblick anfangen sollen, sagt ihnen ein Jugendlicher, der in der Nähe mit seinen Freunden steht, er habe den Toten bereits gesehen, und es sei nichts Besonderes.

Die Szene erinnert nicht umsonst an Rob Reiners Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers, denn was für die vier Freunde in der Stephen-King-Verfilmung ein prägendes Ereignis ist, gehört in South Central zum Alltag. Der Tod kommt nicht zufällig – in der Welt von Tre, Darrin und Ricky ist er etwas Banales, das niemanden interessiert, genauso wie die anderen Verbrechen, die Drogen und die häusliche Gewalt. In Singletons Film ist die Initiation auch nicht die Begegnung mit dem Tod – der ist allgegenwärtig, wie die drei Jungen bereits wissen – vielmehr werden sie mit der Gleichgültigkeit konfrontiert, mit der man ihm begegnet, sowie mit der Gewalt, die ihn verursacht hat. Alle drei lernen ihre Lektion an diesem einen Tag, doch während die einen nach einem Ausweg suchen, sehen die anderen sich als Teil dieser Welt. Dieser tiefe Einblick in den Teufelskreis einer Gegend wie South Central definiert den Kern der Lebensrealität der Figuren, die Singleton als Sinnbilder vieler junger Menschen versteht, die in ähnlichen Verhältnissen aufwachsen.

Suche nach Alternativen

Boyz n the Hood zeigt nicht nur einen blinden Fleck innerhalb eines Landes – er zeigt eine Parallelgesellschaft. Tre, Darrin und Ricky sind die Zurückgelassenen, denn das System interessiert sich nicht für sie – eine Lektion, die Furious ihnen immer wieder zu vermitteln versucht. Sie sind konstant in Gefahr, wie es US-Autor Ta-Nehisi Coates in Between the World and Me beschreibt, wenn er von der extremen Verwundbarkeit vor allem junger Afroamerikaner spricht, die der Gewalt und dem Unrecht ihres Umfelds schutzlos ausgeliefert sind. Die Angst, von der eine der Hauptfiguren an einer Stelle spricht, wird zum ständigen Begleiter und lässt den Zuschauer hoffen, dass sie einen Weg finden, der nicht in jenen dunklen Abgrund führt, den viele ihrer Nachbarn bereits betreten haben. Selbst der schon mit dem Gesetz in Konflikt geratene Darrin scheint diesen letzten Schritt noch nicht getan zu haben, denn außerhalb der Gangsta-Pose erleben wir einen intelligenten jungen Mann, der von seiner Mutter vor allem wahrgenommen werden möchte.

Die Diskrepanz zwischen den beiden Welten innerhalb der USA wird schon zu Beginn deutlich. Als Kind lernt Tre in seiner alten Schule die Geschichte Amerikas kennen, genauer gesagt die romantisierte Anekdote von den weißen Siedlern, den Ureinwohnern und dem ersten Thanksgiving. Die Geschichte Amerikas ist eine der „Weißen“, denn der andere Teil – die Sklaverei, Jim Crow und die Bürgerrechtsbewegung – ist ebenso ein blinder Fleck wie South Central. Boyz n the Hood hat keine moralische oder didaktische Botschaft – er erzählt jedoch von jenen, die vergessen, verschwiegen oder zurückgelassen wurden und darum kämpfen, gehört zu werden. Boyz n the Hood zeigt ein Milieu und dessen Mikrokosmos, aber er verweist auch auf die Welt dort draußen, für die Menschen wie Tre, Darrin und Ricky praktisch nicht existent sind. Oder wenn dann nur als eine Nummer im System oder einer Kriminalstatistik.

Credits

OT: „Boyz n the Hood“
Land: USA
Jahr: 1991
Regie: John Singleton
Drehbuch: John Singleton
Musik: Stanley Clarke, Roger Troutman
Kamera: Charles Mills
Besetzung: Cuba Gooding Jr., Laurence Fishburne, Ice Cube, Morris Chestnut, Nia Long, Angela Bassett

Bilder

Trailer

FIlmfeste

Cannes 1991
Locarno 1991
Locarno 2019
Berlinale 2026

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Boyz n the Hood – Jungs im Viertel
fazit
„Boyz n the Hood“ ist ein Drama über die „blinden Flecken“ der USA, insbesondere über das Leben und die Menschen in Gegenden wie South Central. Regisseur John Singleton erzählt nüchtern vom Leben dreier junger Männer sowie von ihrer Entscheidung zwischen einer Spirale aus Gewalt und Perspektivlosigkeit und einem selbstbestimmten Leben. „Boyz n the Hood“ ist ein mutiger Film, der auch heute noch aktueller denn je ist – auch wenn das nicht unbedingt positiv erscheint.
Leserwertung0 Bewertungen
0
8
von 10