Bouchra
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Bouchra
„Bouchra“^// Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Einige Jahre ist es inzwischen her, dass Bouchra Marokko hinter sich gelassen hat, um in den USA als Filmemacherin Karriere zu machen. Aktuell klappt das aber nicht so gut, die 35-Jährige macht eine kreative Durststrecke durch. Da beschließt sie, einen semi-autobiografischen Film zu drehen, in dem sie sich mit ihrem Leben sowie ihrer Sexualität auseinandersetzt. Das bedeutet für sie auch, sich mit ihrer Mutter auszusprechen, die noch immer in Marokko lebt. Immer wieder spricht sie mit ihr und versucht, die Themen aufzuarbeiten, die seit Jahren zwischen ihnen stehen …

Meta-Rückblick aufs eigene Leben

Manchmal wird einem Animationsfilm allein schon wegen der Herkunft Aufmerksamkeit zuteil. Denn während es in Ländern wie die USA, Frankreich oder Japan eine lange Tradition solcher Filme gibt, sieht es in anderen deutlich bescheidener aus. The Glassworker etwa wurde schon stark damit beworben, dass er der erste lange Zeichentrickfilm aus Pakistan war. Ein anderes Beispiel war The Knight and the Princess, eine saudi-arabische bzw. ägyptische Coproduktion. Und auch bei Bouchra ist die Herkunft ein großes Thema, liegen die Wurzeln der Geschichte und des Teams doch in Marokko, wobei auch italienische und US-amerikanische Gelder geflossen sind. Orian Barki, die eine Hälfte des Regie-Duos, kommt zudem aus Israel – da gibt es also einige internationale Einflüsse.

Die andere Hälfte, die Marokkanerin Meriem Bennani, ist jedoch sicherlich die maßgebende Kreativkraft. Schließlich erzählt sie in dem Filmdebüt der beiden Regisseurinnen eine fiktionalisierte Fassung ihrer eigenen Geschichte. An der Stelle dürften manche schon verwirrt sein. Eine Regisseurin dreht einen semiautobiografischen Film über eine Regisseurin, die einen semiautobiografischen Film dreht? Das klingt schon sehr Meta. Und tatsächlich wird hier immer wieder zwischen den Ebenen gewechselt. Immerhin: Während Bennani ihr eigenes Alter Ego selbst spricht, wird die Protagonistin im Film im Film von jemand anderem gesprochen. Zumindest auf diese Weise wird also unterschieden. Dennoch ist Bouchra durchaus eine Herausforderung, wenn es darum geht, die Ebenen auseinanderzuhalten. Dass innerhalb des Films mehrere Sprachen gesprochen werden – Arabisch, Französisch und Englisch – macht das Chaos nicht einfacher.

Visuell gewöhnungsbedürftig

Visuell ist der Film ebenfalls gewöhnungsbedürftig. So wurden alle Figuren in Tiergestalt dargestellt. Natürlich ist es nicht selten, dass in einem Animationsfilm vermenschlichte Tiere auftreten. Gerade erst ließ Zoomania 2 weltweit die Kinokassen klingeln. Mit G.O.A.T. – Bock auf große Sprünge versucht die Konkurrenz aktuell, eine Sportkomödie mit eben solchen Tieren umzusetzen. Während diese Filme die tierischen Eigenschaften aber auch tatsächlich einbauten, verzichtet man in Bouchra darauf, die Figurendarstellung zu rechtfertigen. Es wird nie wirklich klar, warum man hier nicht einfach Menschen genommen hat. Aber der Optik wegen wird wohl eh kaum jemand Bouchra sehen wollen. Denn dafür ist sie nicht gut genug. So verständlich es ist, dass eine derart kleine Produktion kein großes Budget hat, die Figuren sind schon ein bisschen primitiv geworden. Immerhin, die Settings sind zuweilen ganz atmosphärisch.

Sehenswert ist der Animationsfilm jedoch primär aufgrund des Inhalts. Denn zu erzählen haben Barki und Bennani einiges. Da geht es zum einen um sehr persönliche Dinge, etwa die Beziehungen innerhalb der Familie. Aber es spielen auch gesellschaftliche Themen eine Rolle, etwa wenn es darum geht, als homosexuelle Frau in Marokko zu leben. Bouchra verzichtet dabei auf das große Drama, ist eine insgesamt sehr ruhige Angelegenheit. Und eben eine nachdenklich, wenn existenzielle Fragen aufgeworfen werden und die Figuren nach einer Antwort suchen. Dabei wird Letztere nicht vorgegeben. Zwar ist der Ton hier schon versöhnlich, wenn sich die Familie wieder annähert. Daraus leiten sich aber keine allgemeingültigen Aussagen ab. Vielmehr wird hier gerade versucht, die Komplexität von Familie, Beziehung und Gesellschaft aufzuzeigen, wenn sich vieles gegenseitig bedingt – ob nun in der realen oder der fiktionalisierten Fassung.

Credits

OT: „Bouchra“
Land: Italien, Marokko, USA
Jahr: 2024
Regie: Orian Barki, Meriem Bennani
Drehbuch: Orian Barki, Meriem Bennani, Ayla Mrabet
Musik: Flavien Berger

Bilder

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Bouchra
fazit
In „Bouchra“ setzt sich eine ausgewanderte Regisseurin mit ihrem eigenen Leben auseinander, indem sie einen Film dreht. Das Spiel mit den Meta-Ebenen kann etwas verwirrend sein. Aber es ist schon spannend, wie hier persönliche und universelle Themen miteinander verbunden werden. Über die teils gewöhnungsbedürftige Optik muss man jedoch hinwegsehen können.
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