
Yusuf (Eren M. Güvercin) ist ein echter Überflieger an der Schule, mit einem Abi von 0,9 stehen dem jungen Mann mit türkischen Wurzeln alle Türe offen. Am Ende entscheidet er sich für eine Bank, wo er eine Ausbildung macht. Dabei geht es ihm aber weniger darum, dort richtig Karriere zu machen, wozu er sicherlich in der Lage wäre. Stattdessen plant er, gemeinsam mit Malte (Merlin von Garnier), Melanie (Maria Dragus) und Steven (Michelangelo Fortuzzi), das Institut richtig auszunehmen und um jede Menge Geld zu erleichtern. Schließlich ist Yusufs Vater Mohamed Arslan (Numan Acar) völlig verschuldet und der Sohn versucht, ihm aus der Patsche zu helfen und dabei nebenher auch die Ehe seiner Eltern zu retten …
Verbrechen mit wahrem Hintergrund
Deutschland hat sich ein wenig in Filme und Serien verliebt, die auf ebenso realen wie unglaublichen Geschichten basieren. Besonders beliebt ist die True-Crime-Variante, wenn also tatsächliche Verbrechen nacherzählt werden. Ob nun in How to Sell Drugs Online (Fast) Schüler zu Drogenhändlern werden, Take the Money and Run von einer legendären Betrügerin erzählt oder in King of Stonks der Wirecard-Skandal rekonstruiert wird, je dreister und unerwarteter die kriminellen Aktivitäten sind, umso besser. Darauf setzt man auch bei HBO Max. Nachdem der Streamingdienst nach einigen Jahren Wartezeit doch noch den deutschen Markt erreicht hat, fackelte man nicht lange und bringt mit Banksters eine erste hierzulande produzierte Serie heraus. Und eben eine, die klar in der Tradition der obigen Serien steht.
Das ist erst einmal nicht verwerflich. Warum sollte man dem Publikum nicht das geben, was bewährt und offensichtlich beliebt ist? Zumal der Einstieg auch neugierig macht. Anstatt die Geschichte chronologisch zu erzählen, von den ersten kriminellen Gehversuchen bis zu dem unweigerlichen Niedergang, erfahren wir zu Beginn, wie der Protagonist verhaftet wird. Auch das ist natürlich ein beliebter erzählerischer Kniff. Man beginnt mit einer Ausnahmesituation, um so die Neugierde der Zuschauer und Zuschauerinnen zu wecken, bevor dann nach und nach verraten wird, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Das funktioniert bei Banksters. Man ist hier nicht nur neugierig, wer dieser junge Mann denn ist und was genau er getrieben hat. Eine andere Frage, die sich durch die ganze Staffel zieht: Wer genau hat ihn denn verraten?
Überwiegend blass
Zu diesem Zweck springt die Serie dann auch ein wenig durch die Zeit hin und her, um auf diese Weise nicht nur die Ereignisse nachzuerzählen, sondern auch die Figuren, ihre Geschichten und Beziehungen – ein bisschen wie in Chabos, wo das Rätsel um eine verschwundene Einladung zum Klassentreffen gelöst werden muss. Doch während man bei dieser deutschen Produktion tatsächlich immer mehr erfahren hat und einem die Figuren ans Herz wuchsen mit all ihren Makeln und Macken, da bleiben die in Banksters überwiegend blass. Dass der Protagonist zum Dieb wird, um seinen Vater zu unterstützen, ist zwar nett und sorgt für Identifikationsfläche. Ein schulischer Überflieger mit Migrationshintergrund ist auch mal etwas anderes. Und doch wird da ziemlich wenig draus gemacht, die Charaktere werden einfach nicht interessant.
Es ist nicht einmal so, dass das Verbrechen an sich sehr spannend wäre. Bei manchen dieser True-Crime-Produktionen kann man kaum glauben, was da geschieht. Banksters versucht das zwar auch, beschränkt sich aber darauf, dass die Täter und Täterinnen ziemlich jung sind. Das ist schade, weil die Besetzung schon sympathisch ist. Man versuchte auch, durch die Sprünge und Schnitte für Dynamik zu sorgen. Und doch ist das am Ende alles zu wenig. Anstatt mit dem ersten eigenen Titel auf sich aufmerksam zu machen, läuft der deutsche HBO Max Ableger zu sehr der Konkurrenz hinterher und verpasst es dadurch, sich von der übergroßen Streamingkonkurrenz abzuheben. Dass die Serie auch noch mit Informationen zu den wahren Hintergründen knausert, macht die Sache nicht besser.
OT: „Banksters“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Gregor Schnitzler, Cüneyt Kaya
Drehbuch: Bernd Lange
Musik: Kaspar Kaae, Johan Testad
Kamera: Ralf Noack
Besetzung: Eren M. Güvercin, Merlin von Garnier, Michelangelo Fortuzzi, Maria Dragus, Zoe Fürmann, Anna Bardavelidze, Momo Ramadan, Numan Acar, Britta Hammelstein, Andreas Pietschmann, Omid Memar, László Branko Breiding
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