
Georg Wilsberg (Leonard Lansink) ist sich als Privatdetektiv für keinen Auftrag zu schade. Sein neuester: Er soll für Sina Beerfeld (Judith Bohle) herausfinden, wo sich ihr Sohn Nils (Julius Gause) tagsüber herumtreibt. Dieser konfrontiert Wilsberg mit einem ungeheuerlichen Verdacht: Sein Schwiegervater Julian (Timur Isik) könnte der Mann sein, der seit einiger Zeit durch Einbrüche die Menschen terrorisiert und kürzlich sogar einen Mord begangen hat. Da trifft es sich doch gut, dass die Anwältin Dr. Tessa Tilker (Patricia Meeden) in einem Jugendzentrum ehrenamtlich aushilft, dessen Gründer der Tote ist und wo auch Nils ein und ausgeht. Während Wilsberg und Ekki Talkötter (Oliver Korittke) dabei dem Therapeuten Björn Asbeck (Serkan Kaya) auf den Zahn fühlen, muss Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky) einen schweren Fall von Erpressung aufklären …
Die gute alte Gier
Von den vielen Krimireihen, die für das deutsche Fernsehen produziert werden, ist kaum eine so allgegenwärtig wie Wilsberg. Obwohl diese inzwischen seit 30 Jahren produziert wird, scheint das Publikum einfach nicht genug davon zu bekommen. Fünf bis sechs Millionen schalten regelmäßig ein. Und das trotz des enormen Outputs, allein 2025 kamen vier neue Teile auf den Markt. Zuletzt ging es bei dem ZDF-Dauerbrenner in Phantomtod um künstliche Intelligenz und ein Technikunternehmen. Davor drehte sich alles in Mit allen Wassern gewaschen um ein betrügerisches Wasserunternehmen. 2026 wird es wohl ebenso produktiv weitergehen. So gibt es kurz nach Jahreswechsel mit Trügerische Sicherheit einen ersten Film, weitere sind bereits angekündigt.
Wem die diversen gesellschaftlichen Bezüge in den letzten beiden Filmen zu viel war, kann aufatmen. In dem 88. Teil der Reihe ist davon nicht mehr viel zu finden. Stattdessen dreht sich hier alles um die gute alte Gier. Ob es nun die Einbrüche sind, der Mord oder auch diverse andere Vergehen, die im Laufe der Zeit aufgedeckt werden, immer war die Motivation eine persönliche Bereicherung. Das ist natürlich erst einmal nicht verkehrt. Vieles in der realen Welt ist ebenfalls darauf zurückzuführen. Und zumindest muss sich ein Publikum nicht bevormundet fühlen, das nichts mit ideologischen Konzepten zu tun haben will. Es führt aber auch dazu, dass Wilsberg: Trügerische Sicherheit ein wenig beliebig wirkt. Da ist in dem Film nichts, das einem im Anschluss in Erinnerung bleiben würde. Dafür muss ein Krimi ja nicht belehrend sein. Achtsam bis tödlich letztes Jahr gefielt durch das frische Setting eines Selbstfindungsretreats für Ausgebrannte. Hier fehlt etwas Vergleichbares.
Extrem konstruiert
Gravierender als die Beliebigkeit ist aber mal wieder, wie extrem konstruiert der Fall ist. Damit ist nicht einmal die Geschichte an sich gemeint. Bei dieser kommen zwar mehrere Stränge zusammen, was das alles etwas kompliziert macht. Es bleibt aber nachzuvollziehen. Wilsberg: Trügerische Sicherheit verheddert sich aber mal wieder bei dem Versuch, die vielen Figuren auf sinnvolle Weise zu integrieren. Wie so oft werden dann irgendwelche Verrenkungen betrieben, um auch ja allen etwas zu tun zu geben. Natürlich ist es nicht einfach, wenn man ein so umfangreiches Ensemble hat und dieses nicht aufgeben möchte. Während aber bei Friesland doch noch Wege gefunden werden, dass das irgendwie organisch wirkt, wird das hier einfach nur anstrengend.
Insgesamt ist der Film daher auch keiner, der wirklich viel Lust macht auf weitere Teile. Zumal der Humor mal wieder sehr bemüht ist: Overbeck soll zwar als lächerliche Figur für Unterhaltung sorgen, ist aber nur nervig. Der einzige gelungene Gag ist, wenn man sich hier ausnahmsweise bewusst damit befasst, dass die ständigen Undercoveraktionen rund um den Privatdetektiv und sein Umfeld fragwürdig sind. Daraus wird aber nicht viel gemacht, weil es im Anschluss gleich wieder um die nächsten Themen und Spuren geht. Das ist in der Summe dann ziemlich langweilig, Wilsberg: Trügerische Sicherheit ist einer der schwächsten Teile in der letzten Zeit.
OT: „Wilsberg: Trügerische Sicherheit“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Martin Enlen
Drehbuch: Stefan Rogall
Musik: Matthias Weber
Kamera: Philipp Timme
Besetzung: Leonard Lansink, Oliver Korittke, Patricia Meeden, Rita Russek, Roland Jankowsky, Adina Vetter, Serkan Kaya, Judith Bohle, Julius Gause, Timur Isik, Benjamin Höppner, Sarah Alles-Shahkarami, Mai Duong Kieu
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