
Nick Marshall (Mel Gibson) liebt Frauen! Zumindest die schönen. Er geht mit so ziemlich jeder ins Bett, die ihm gefällt. Dabei ist er auch durchaus erfolgreich, der Werbespezialist versteht sich darauf, Frauen aufzureißen. Ansonsten kann er aber nur wenig mit ihnen anfangen. Verstehen tut er sie sowieso nicht, nicht einmal seine eigene Tochter Alex (Ashley Johnson), um die er sich vorübergehend kümmern muss. Umso schlimmer ist für ihn, als er bei seiner Agentur nicht die erwartete Beförderung erhält. Stattdessen hat sein Boss Dan Wanamaker (Alan Alda) die konkurrierende Darcy Maguire (Helen Hunt) engagiert, um auch weibliche Zielgruppen besser ansprechen zu können. In seiner Verzweiflung versucht er, sich mehr in Frauen hineinzuversetzen. Damit hat er unerwartet Erfolg, denn nach einem Unfall hört er plötzlich die geheimen Gedanken aller Frauen …
Mann kann immer dazulernen
In den letzten Jahren wurde viel über Geschlechterbilder und das Patriarchat gesprochen, gerade auch in Verbindung mit MeToo und toxischer Männlichkeit. Dabei ist das Thema nicht neu, ebenso wenig die Erkenntnis, dass Frauen nicht die Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Einer der erfolgreichsten Filme zu dem Themenkomplex war Was Frauen wollen im Jahr 2000, eine Komödie, die bei einem Budget von 70 Millionen US-Dollar mehr als das Fünffache wieder einspielte. Das ist nicht nur bemerkenswert, weil die Geschichte heute vermutlich von manchen als zu woke beschimpft würde. Die Hauptrolle spielte zudem Mel Gibson, der aufgrund antisemitischer, homophober und rassistischer Sprüche nicht unbedingt in dem Ruf steht, ein sehr progressiver und einfühlsamer Mensch zu sein.
Auf gewisse Weise machte ihn das zu einer Idealbesetzung für die Rolle. Die Figur des charmanten Arschlochs nahm man ihm absolut ab, zumal er auch mit jeder Menge Spielfreude die negativen Seiten nach außen kehrt. Weniger glaubwürdig ist der Wandel vom Saulus zum Paulus. Nicht nur, dass Was Frauen wollen da dem alten Klischee der Läuterung hinterherläuft, wie man es unter anderem aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens kennt. Der Film interessiert sich außerdem nicht sonderlich dafür, warum dieser Wandel denn stattfindet. So verfolgt Nick mit seiner Einfühlsamkeit zunächst rein egoistische Gründe, wenn er sich davon Erfolg bei der Arbeit verspricht. Warum aus diesem Motiv auf einmal ein altruistisches wird, erschließt sich nicht. Der Film behauptet das einfach, obwohl er mit einer Laufzeit von über zwei Stunden genug Zeit dafür gehabt hätte.
Zu wenig draus gemacht
Aber Regisseurin Nancy Meyers (Wenn Liebe so einfach wäre, Liebe braucht keine Ferien) wollte ja auch keinen wirklich tiefgründigen Film auf die Beine stellen. Ihr geht es primär um Unterhaltung. Und die sieht bei der US-Amerikanerin fast immer so aus, dass Humor und Romantik miteinander verbunden werden. Entsprechend routiniert ist Was Frauen wollen dann auch. Was als Kommentar über komplizierte Geschlechterbeziehungen beginnt, wird zu einer versöhnlich-süßlichen Wohlfühlkomödie, bei der am Ende alles gut wird. Das kann man schön finden. Zwischendurch macht das auch immer mal wieder Spaß, nicht nur wegen des sonderbaren Szenarios, sondern auch, weil das den Protagonisten in komplizierte Situationen bringt, aus denen er erst einmal wieder herausfinden muss. Es darf ja niemand von seiner Gabe wissen.
Leider wurde diese originelle Grundidee aber nicht so wirklich genutzt. Anfangs ist es noch ganz witzig, die ungefilterten Gedanken sämtlicher Frauen aufzuschnappen, die zwischen böse und peinlich schwanken. Auf Dauer wiederholt sich das aber zu sehr, zumal es aufgrund der besagten Versöhnung, die ja obligatorisch ist, auch nicht mehr wirklich gemein sein darf. Das ist schade, weil Was Frauen wollen nach dem einfallsreichen und vielversprechenden Einstieg auf Autopilot schaltet. Insgesamt ist das aber trotz dieser Makos eine ganz nette Komödie geworden, die man sich gut anschauen kann, wenn es zwischendurch etwas Leichteres sein soll.
OT: „What Women Want“
Land: USA
Jahr: 2000
Regie: Nancy Meyers
Drehbuch: Josh Goldsmith, Cathy Yuspa, Diane Drake
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Dean Cundey
Besetzung: Mel Gibson, Helen Hunt, Marisa Tomei, Lauren Holly, Mark Feuerstein, Alan Alda, Ashley Johnson
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