
Eigentlich ist der Alltag bei Lochmill Capital, einer Investmentgesellschaft für Rentengelder, nicht sonderlich aufregend. Das ändert sich jedoch schlagartig, als eine bewaffnete Gruppe das Großraumbüro stürmt und Zara (Sophie Turner), Luke (Archie Madekwe) sowie zahlreiche andere Kollegen und Kolleginnen als Geisel nimmt. Die Angst ist groß, auch weil niemand je erwartet hätte, dass ausgerechnet hier etwas geschehen würde. Doch tatsächlich ist etwas zu holen, sehr viel sogar. Und nach diversen Streitigkeiten und Bedrohungen erhält die Truppe auch das, wonach sie suchte, und verschwindet anschließend. Detective Rhys (Jacob Fortune-Lloyd) kommt nun die Aufgabe zu, die Täter und Täterinnen zu schnappen. Dabei stellt sich bald heraus, dass die Bande über Insider-Wissen verfügen musste …
Spannender Einstieg
Eines muss man der Amazon Prime Video Serie Steal ja lassen: Sie fackelt nicht lang. Nach wenigen Minuten, noch bevor wir die Zeit hatten, die Figuren im Büro kennenzulernen, wird dieses bereits gestürmt. Die Szenen sind dann auch durchaus spannend geworden, nicht zuletzt, weil die Bande durchaus brutal zur Sache geht. Da wird dann schon mal jemand mit der Waffe niedergeschlagen, als dieser versucht, der Situation zu entkommen. Auch wenn wir nicht viel wissen über die Geschichte und die Leute, das hinterlässt Eindruck. Zwar heben sich die Szenen nicht wirklich von denen anderer Geiselnahme und Raubüberfälle ab, sie sind aber gut inszeniert. Das Publikum ist nah am Geschehen, wird hineingezogen und darf ein wenig zittern.
Nur ist natürlich auch klar: Wenn eine Serie mit einem Überfall beginnt, dann kann dieser nicht das eigentliche Thema sein. Was bei regulären Heist-Geschichten am Ende steht, als krönender Höhepunkt, ist hier der Startschuss. Die Frage ist dann nur: Worum soll es dann gehen? Bei The Mastermind, das kürzlich im Kino gelaufen ist, lag der Fokus auf dem Dieb, der dem Titel zum Trotz nicht wirklich gut bei dem Überfall ist und anschließend immer weiter abrutscht. Zumindest teilweise versucht auch Steal, näher an den Figuren zu bleiben. Da geht es beispielsweise darum, dass Zara ihr Leben nicht im Griff hat. Ähnliches gilt für den Polizisten, der eine Spielsucht hat. Grundsätzlich sind solche Charakterisierungen zwar willkommen. Sie helfen der Serie aber nicht so wirklich, zumal Sophie Turner eher etwas blass bleibt.
Und was passiert jetzt?
Inhaltlich ist die Serie auch sonst ein bisschen gemischt. So gibt es schon eine nette Wendung, die anfangs wohl nur die wenigsten kommen sehen. Sie findet aber ebenfalls relativ früh an, anstatt wie in einem Whodunit zur Auflösung ausgepackt zu werden. Das ist dann schon interessant und macht neugierig darauf, was denn im Anschluss noch alles ausgepackt wird. Denn nach dem Einstieg muss ja eine Steigerung kommen. Nur tut Steal das nicht wirklich. Die Geschichte geht weiter und gleichzeitig nicht, das dreht sich hier ziemlich lange im Kreis. Zum Schluss explodiert das zwar noch einmal ein ganzes Stück. Das ändert aber nichts daran, dass sich die Serie zwischenzeitlich verläuft.
Insgesamt ist das schon noch alles solide geworden, weil es zwischendurch gute Momente gibt. Das Potenzial für eine spannende Thrillerserie war also da nach dem packenden Auftakt und einer weiteren Passage, wo höchste Gefahr ansteht. In der vorliegenden Form reicht das aber nicht ganz, um die gesamte Laufzeit zu füllen und die Spannungskurve auf dem anfänglichen Niveau zu halten. Auch wenn Steal an und für sich nicht lang ist mit den sechs Folgen à 50 Minuten, wäre es vielleicht doch zu überlegen gewesen, ob ein Film nicht die bessere Möglichkeit gewesen wäre, zumal manche Themen nicht zu Ende erzählt werden. Wer Lust hat auf einen solchen Titel kann es schon mal damit versuchen. Ein bisschen enttäuschend ist es aber schon, wenn der gute Ersteindruck nicht bestätigt wird.
OT: „Steal“
Land: UK
Jahr: 2026
Regie: Sam Miller, Hettie Macdonald
Drehbuch: Sotiris Nikitas, Poppy Cogan, Shyam Popat
Idee: Sotiris Nikitas
Musik: Martin Phipps, Benji Merrison
Kamera: Giulio Biccari, Adam Gillham, Gary Shaw
Besetzung: Sophie Turner, Archie Madekwe, Jacob Fortune-Lloyd
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