Sound of Hope – Die Geschichte von Possum Trot
© Kinostar

Sound of Hope – Die Geschichte von Possum Trot

„Sound of Hope – Die Geschichte von Possum Trot“ // Deutschland-Start: 9. Januar 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Sound of Hope – Die Geschichte von Possum Trot erzählt die Geschichte von Donna Martin (Nika King), einer tief religiösen Frau, die mit ihrem Mann WC (Demetrius Grosse), Reverend einer Kirchengemeinde im ländlichen Osten von Texas, und ihren beiden Kindern LaDonna (Kaysi J. Bradley) und Princeton (Taj Johnson) ein ruhiges, gottesfürchtiges Leben führt. Nach dem Tod ihrer Mutter stürzt Donna in eine schwere Krise. Aus dieser Trauer heraus glaubt sie jedoch, ein Zeichen Gottes zu empfangen: Sie fühlt sich berufen, notleidenden Kindern zu helfen. Trotz anfänglicher Zweifel überzeugt sie schließlich auch ihren Mann davon, Pflegekinder aufzunehmen. Was zunächst als Entscheidung einer einzelnen Familie beginnt, entwickelt sich rasch zu einer kollektiven Bewegung innerhalb der Kirchengemeinde von Possum Trot. Immer mehr Familien erklären sich bereit, Kinder aus dem lokalen Pflegesystem aufzunehmen, insbesondere solche, die als schwer vermittelbar gelten. Doch der Alltag mit den traumatisierten Kindern ist herausfordernd. Vor allem die zwölfjährige Terri (Diaana Babnicova), die unter schweren psychischen Belastungen leidet, bringt Donna und ihre Familie an ihre Grenzen.

Ideologische Schlagseite

Mit Sound of Hope – Die Geschichte von Possum Trot bringt Angel Studios erneut einen Film in die Kinos, der klar aus einem christlich-konservativen Weltbild heraus erzählt ist. Das Studio hat sich in den vergangenen Jahren mit Produktionen wie Sound of Freedom, Bonhoeffer oder Homestead einen Namen gemacht – nicht zuletzt, weil diese Filme immer wieder für ihre ideologische Schlagseite kritisiert wurden. Auch das Langfilmdebüt von Regisseur Joshua Weigel, der gemeinsam mit seiner Frau Rebekah Weigel das Drehbuch schrieb, reiht sich nahtlos in diese Tradition ein. Die Geschichte basiert auf realen Ereignissen aus den späten 1990er Jahren: In Possum Trot adoptierten 22 Familien innerhalb weniger Jahre insgesamt 77 Kinder aus dem Pflegesystem – Kinder, die zuvor als kaum vermittelbar galten. Spätestens durch einen Beitrag in der Oprah Winfrey Show wurde diese außergewöhnliche Initiative landesweit bekannt. Dass diese Begebenheit filmisch aufgearbeitet wird, ist naheliegend und zunächst auch begrüßenswert, denn das reale Engagement der beteiligten Familien verdient Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Filmisch gibt sich Sound of Hope solide. Die Kameraarbeit von Benji Bakshi und Sean Patrick Kirby bleibt unaufdringlich und funktional, die Musik von Sean Philip Johnson unterstützt die dramatischen Momente mit sicherem Gespür, ohne allzu sehr zu dominieren. Nika King trägt den Film als Donna Martin mit spürbarem Engagement; in einzelnen Momenten gelingt es ihr sogar, Ambivalenzen und Zweifel anzudeuten, die der Film ansonsten eher meidet. Gerade hier liegt jedoch das zentrale Problem von Sound of Hope: Das ist alles Technik im Sinne der Botschaft – nicht umgekehrt. Die Inszenierung vertraut ihrer eigenen Geschichte zu wenig. Statt Bilder und Figuren sprechen zu lassen, greift der Film immer wieder zu erklärenden Voiceovers, in denen Donna dem Publikum noch einmal ausbuchstabiert, was zuvor bereits deutlich gezeigt wurde – inklusive der religiösen Deutung als göttlicher Wille. Diese Form der Überdeutlichkeit wirkt nicht nur bevormundend, sondern untergräbt auch jede mögliche emotionale Eigenleistung der Zuschauenden. Die christliche Botschaft mag legitim sein, doch ihre Vermittlung erfolgt mit einer bemerkenswerten Subtilitätslosigkeit.

Gefährlich vereinfachend

Weitaus problematischer ist jedoch der Umgang des Films mit psychischen Erkrankungen und Traumata. Zwar ist positiv hervorzuheben, dass Sound of Hope die Schwierigkeiten bei der Aufnahme schwer belasteter Pflegekinder nicht vollständig ausblendet. Doch die Art und Weise, wie diese Probleme dargestellt und „gelöst“ werden, bleibt gefährlich vereinfachend. Die implizite Botschaft, Liebe, Glaube und Gemeinschaft könnten selbst tiefgreifende psychische Verletzungen heilen, ist nicht nur naiv, sondern potenziell irreführend. Besonders kritisch wirkt dabei die religiöse Überhöhung, etwa wenn Donnas Depression nach dem Tod ihrer Mutter als von Gott genommenes Leid dargestellt wird.

Auch strukturell reduziert der Film die Realität auf ein kaum glaubwürdiges Maß. Adoptionen erscheinen als beinahe bürokratiefreier Akt, bei dem guter Wille genügt, um hochgradig traumatisierte Kinder in Familien zu integrieren. Konflikte werden zwar angerissen, aber letztlich stets durch Glaubensgewissheit und Zusammenhalt aufgelöst. Dass viele Traumata professionelle Hilfe benötigen und nicht allein durch familiäre Wärme aufgefangen werden können, bleibt außen vor.

So verspielt Sound of Hope – Die Geschichte von Possum Trot einen Teil seines eigenen Potenzials. Die wahre Geschichte hinter dem Film ist beeindruckend genug und hätte eine differenzierte, realitätsnahe Auseinandersetzung verdient. Stattdessen entscheidet sich der Film für eine eindeutige christliche Erbauungserzählung, die komplexe soziale und psychologische Fragen stark vereinfacht. Am Ende bleibt ein technisch ordentlicher, engagiert gespielter Film, der jedoch gerade durch seine ideologische Eindeutigkeit an Tiefe und Relevanz verliert.

Credits

OT: “Sound of Hope – The Story of Possum Trot”
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Joshua Weigel
Buch: Joshua Weigel, Rebekah Weigel
Musik: Sean Philip Johnson
Kamera: Benji Bakshi, Sean Patrick Kirby
Besetzung: Nika King, Demetrius Grosse, Elizabeth Mitchell, Diaana Babnicova

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Sound of Hope – Die Geschichte von Possum Trot
fazit
„Sound of Hope - Die Geschichte von Possum Trot“ ist ein solide inszenierter, engagiert gespielter Film, der eine beeindruckende wahre Geschichte erzählt. Diese büßt jedoch durch ideologische Eindeutigkeit, mangelnde Subtilität und gefährliche Vereinfachungen psychischer und sozialer Probleme an Tiefe und Glaubwürdigkeit ein.
Leserwertung0 Bewertungen
0
4
von 10