Solo Show
© Rafael Graf

Solo Show

Solo Show
„Solo Show“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Der Kunststudent Roy (Konstantin Schumann) bereitet sich auf seine erste Solo-Ausstellung in einer Galerie vor. Er will für die Eröffnung den Immobilienmakler Andre (Reinhold G. Moritz) als Performer engagieren. Roy trifft sich mit anderen Studierenden und Kunstschaffenden, fährt Bahn, tauscht einen Rucksack gegen einen Umschlag. Im Videogespräch mit der Galeristin Sybille (Vera Bommer) erwähnt Roy, wie sehr es ihn beansprucht, das Geld für die Wohnungsmiete aufzubringen. Andre hat eine Angststörung, bei der Besichtigung einer Wohnung mit einer Kundin überfällt ihn ein Herzrasen. Das junge Paar, dessen Sexvideo er im Auto laufen lässt, filmt sich bei erotischen Spielen. Für Lynn (Adriana Möbius) und Victor (Saladin Dellers) sind die Aufnahmen Arbeit und Verdienstmöglichkeit, aber die Liebe funkt ihnen dazwischen.

Künstlerische Unfreiheit

In diesem Spielfilmdebüt, seinem Masterfilm an der Zürcher Hochschule der Künste, erzählt der Regisseur Julius Weigel gleich drei Geschichten hintereinander. Deren Charaktere verbindet lose die Ausstellung des Kunststudenten Roy. Alle kämpfen sie auf ihre Weise um Selbstverwirklichung und Authentizität, während sie sich aber gezwungen sehen, zu funktionieren, zu täuschen, sich gut zu verkaufen. Zürich ist bekanntlich ein teures Pflaster. Künstler*innen spüren den Erfolgsdruck, den auch andere Arbeitende kennen, besonders stark. Sie sollen originell sein, Echtes erschaffen, zugleich aber müssen sie sich auch das tägliche Leben leisten können.

Roy redet nicht darüber, wie er sein Geld verdient, sondern tastet sich gegenüber Bekannten in einer Bar mit Andeutungen vor, dass er beobachtet werden wolle, dass er Verantwortung abgeben wolle. Doch dieses Gespräch läuft irgendwie ins Leere, als sei es zu gewichtig, zu persönlich für die anderen. Man scheint sich nicht gut zu kennen. So kreist der Film auch um ein zweites großes Thema, die Einsamkeit, das Nicht-gesehen-Werden. Victor und Lynn, die für ihre Sex-Aufnahmen Augenmasken aufsetzen, reden nicht über ihre private Beziehung, über die sich offenbar uneins sind. Makler Andre hat vielleicht nur eine Bezugsperson, nämlich den Arzt, der ihn mit Medikamenten beliefert.

Sprachlos in misslicher Lage

Andres Besuch beim Arzt schenkt dem Film seine bewegendste Szene. Nirgends sonst wird die Sprachlosigkeit der Figuren so schonungslos offengelegt. Sie grenzt zum Teil schon an menschliches Versagen. Meistens aber durchzieht eine leise Komik das Geschehen, die einen über den Ernst der individuellen Lage lange hinwegtäuschen kann. Alle haben sich ja irgendwie selbst etwas vorgemacht. Die Komik sorgt für ein Gefühl der Leichtigkeit, kreist um die Tücken des Alltags – etwa wenn Roys Videogespräch zu platzen droht, weil er sich und die Beteiligten ausgesperrt hat.

Ähnlich wie in Der Fleck, dem Spielfilmdebüt von Willy Hans aus dem Jahr 2024, führt die Kamera sozusagen ein Eigenleben. Sie erkundet die Räume, wie es ihr beliebt, lässt sich von den Figuren nicht vereinnahmen. Selbst wenn sie ihnen in kurzen Momenten auf den Pelz rückt, wie um sie zu ertasten, bleiben sie ihr fremd. Die Kamera blickt durch Fenster, aus anderen Räumen, hinter Zimmerpflanzen auf die Szenerie. Sie studiert gleich zu Anfang intensiv die bewegliche Trittfläche über einer Waggonkupplung im fahrenden Zug. Diese stilistische Experimentierfreude steht einem Festivalfilm gut zu Gesicht. Sie lenkt die Wahrnehmung auf Objekte oder Stimmungen, die im ersten Moment nebensächlich wirken. Aber die Charaktere spüren ja selbst, dass sie den richtigen Weg nicht kennen.

Credits

OT: „Solo Show“
Land: Schweiz
Jahr: 2025
Regie: Julius Weigel
Drehbuch: Julius Weigel, Julia Rose Gostynski
Musik: Norina Largiadèr, Oskar Sala
Kamera: Rafael Graf
Besetzung: Konstantin Schumann, Reinhold G. Moritz, Adriana Möbius, Saladin Dellers, Vera Bommer

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Solo Show
fazit
Eine geplante Kunstausstellung in Zürich verbindet die Charaktere der drei Geschichten in diesem Spielfilmdebüt lose. Ein Kunststudent, ein Immobilienmakler und ein Pärchen drohen sich in den Zwängen des Geldverdienens selbst zu verlieren. Der Regisseur Julius Weigel beobachtet mit leisem Humor und Sinn für scheinbar Nebensächliches, wie es Menschen vermeiden, authentisch zu sein, nur um weiterzukommen.
Leserwertung0 Bewertungen
0
6
von 10