
Syracuse in den 1990ern: Lucas Brennan (Tom Blyth) arbeitet bei der örtlichen Polizei. Dabei fungiert er immer wieder als Lockvogel, wenn er homosexuelle Männer anspricht und dann den Kollegen ausliefert, sobald sie sich näherkommen. Denn Homosexualität ist strafbar. Er ist gut bei diesem Job, immer wieder fühlen sich andere zu ihm hingezogen – bis es zu spät ist. Dabei ahnt niemand, dass Lucas selbst homosexuelle Neigungen hat, die er bislang aber nicht ausgelebt hat. Stattdessen führt er nach außen hin ein Vorzeigeleben, Beziehung zu einer Frau inklusive. Das ändert sich, als er eines Tages Andrew Waters (Russell Tovey) begegnet. Der ist älter, selbst verheiratet und doch für die Reize von Lucas empfänglich. Anstatt ihn auszuliefern, beschließt der junge Cop aber, sich mit ihm zu treffen, was sein Leben für immer verändern wird …
Rückblick auf eine (nicht) ferne Vergangenheit
Lange ging man davon aus, dass Gesellschaften mit der Zeit toleranter werden, gerade auch gegenüber Menschen, die irgendwie anders sind. Inzwischen ist klar, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Rassismus und Hass gegenüber anderen Religionen sind inzwischen wieder salonfähig geworden. Und auch LGBTQ ist für manche wieder zu einem Reizthema geworden. Das betrifft vor allem Transgeschlechtliche, die mittlerweile zumindest in den USA und im Vereinigten Königreich geradezu verfolgt werden. Aber auch Homosexuelle bekommen zu spüren, wie normativ das Leben selbst in westlichen Ländern geworden ist. Hassverbrechen und Anfeindung nehmen zu. Insofern ist Plainclothes ein erschreckend aktueller Film, obwohl wir hier rund 30 Jahre in die Vergangenheit reisen, als gleichgeschlechtliche Liebe in New York noch ein Verbrechen war.
Regisseur und Drehbuchautor Carmen Emmi verurteilt das natürlich. Und er findet eindrucksvolle Bilder dafür: Wenn die Polizei anfangs schult, wie man Homosexuelle am besten überführen kann, wirkt das wie ein Vorbereitungsvideo für eine anstehende Safari. Aus selbstbestimmten Individuen werden Tiere, die man um jeden Preis aus dem Verkehr ziehen muss. Wobei sich Plainclothes nicht wirklich lange mit dieser Polizeiarbeit aufhält. Stattdessen stellt er zwei Männer vor, die in einer derart repressiven Gesellschaft einander finden und mit ihren Gefühlen kämpfen. Das klingt nach einer schönen Romanze über zwei Menschen, die alle Hindernisse aus dem Weg räumen. Stattdessen ist das ein Film über Träume, die nicht mal wirklich geträumt werden dürfen, weil selbst das zu gefährlich ist.
Verspielt und bewegend
Das heißt nicht, dass es nicht auch schöne Szenen gibt. Wenn sich die beiden Protagonisten für einen Moment ihrer Zweisamkeit hingeben und die Welt da draußen ganz weit weg ist, dann will man doch daran glauben, dass alles besser werden kann. Emmi lässt einen aber früh wissen, durch eine Parallelmontage, dass das Glück bereits vorbei ist, noch bevor es anfangen konnte. Die Tragik von Plainclothes liegt dabei nicht nur in der Regeln und Normen, welche andere den beiden auferlegt haben, sondern auch in dem Unvermögen, sich von diesen zu lösen. Wobei der Film offenlässt, ob das Mutlosigkeit oder Realismus ist, der dieser Liebe im Weg steht. Denn die Folgen, die eine solche Liaison haben kann, sind unbestritten.
Ob es die gewöhnungsbedürftigen stilistischen Spielereien gebraucht hätte, die hier zum Einsatz kommen – darunter etwa Formatwechsel und eine an alte Kameraaufnahmen erinnernde Optik –, darüber kann man streiten. Schließlich überzeugt das Drama, das 2025 in Sundance Weltpremiere hatte, gerade auch in den ruhigen Momenten, die nur den beiden Schauspielern gehören. Tom Blyth (People We Meet on Vacation) und Russell Tovey (Looking) gefallen als verhindertes Paar, das oftmals nicht durch Worte, sondern Blicke und Mimik kommuniziert. Insgesamt ist Plainclothes ein sehenswerter Beitrag zu einem Thema, das nicht nur von historischem Interesse ist, sondern die Tragik eines Lebens aufweist, das nicht sein darf.
OT: „Plainclothes“
Land: UK, USA
Jahr: 2025
Regie: Carmen Emmi
Drehbuch: Carmen Emmi
Musik: Emily Wells
Kamera: Ethan Palmer
Besetzung: Tom Blyth, Russell Tovey
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