
Weimar 1920: Lotte Brendel (Alicia von Rittberg) ist eine begabte Zeichnerin und würde daraus auch gern einen Beruf machen. Doch das darf sie nicht zu laut sagen, denn wenn es nach ihrem Vater Gustav (Torsten Ranft) geht, dann wird sie eine gute Hausfrau und Mutter. Wie es sich eben gehört für eine Frau. Als sie eines Tages Paul Seligmann (Noah Saavedra) kennenlernt, der an der alternativen Kunstschule Bauhaus studiert, beschließt sie, sich selbst heimlich dort zu bewerben. Tatsächlich wird sie auch angenommen, was zu einem Bruch mit ihrer Familie führt. Dort lernt sie Lehrer wie Walter Gropius (Jörg Hartmann) und die Kommilitonin Friedl Dicker (Nina Gummich) kennen und entwickelt ihr Talent weiter. Dabei muss sie aber feststellen, dass selbst in einer fortschrittlichen Einrichtung wie Bauhaus traditionelle Geschlechterbilder weiterleben …
Rückblick mit einer fiktionalen Figur
Auch wenn die Kunsthochschule Bauhaus nicht sehr lange hielt, mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus musste sie nach nur 14 Jahren wieder schließen, ist der Name doch noch immer sehr vielen ein Begriff. Kein Wunder also, dass immer wieder Filme und Serien produziert werden, die sich mit der Institution auseinandersetzen. 2019 kamen gleich zwei in kurzer Zeit heraus, anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums. Im Herbst wurde die starbesetzte Serie Die Neue Zeit als großer Event ausgestrahlt. Einige Monate früher ging der ARD-Film Lotte am Bauhaus an den Start, auch hierfür wurden eine Reihe bekannter Schauspieler und Schauspielerinnen engagiert, um ein Publikum vor die deutschen Fernseher zu locken.
Etwas verwunderlich dabei ist aber, dass dabei nicht auch die berühmten historischen Persönlichkeiten in den Mittelpunkt gerückt wurden, so wie es die Serie getan hat. Zwar tauchen auch im Film eine Reihe realer Menschen auf, allen voran natürlich Gropius selbst. Aber das sind alles Nebenfiguren, die nur dazu dienen, dass sich die Protagonistin profilieren kann. Und die ist rein fiktional, wenngleich sie der Künstlerin Alma Buscher nachempfunden sein soll. Warum Lotte am Bauhaus sich für diesen Weg entschieden hat, ist nicht ganz eindeutig. Schließlich hätte es in dem Zusammenhang genügend reale Alternativen gegeben, die man hätte nehmen können. Für einen Jubiläumsfilm wäre das sicher die logischere Variante gewesen, wenn es darum geht, an die einflussreiche Schule zu erinnern.
Emanzipatorisch und konventionell
Doch der Film will das eben nur zum Teil tun. Eher noch wichtiger war es, den historischen Kontext zu nutzen, um eine moderne Geschichte rund um das Thema Emanzipation zu erzählen. Es geht in Lotte am Bauhaus dann doch primär um den ersten Teil des Titels, nicht den zweiten. Das Drama zeigt, wie eine Frau sich in einer Männerwelt durchsetzt. Das ist ein Thema, das immer wieder beliebt ist, gerade im deutschen Fernsehen – siehe etwa Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau oder Beate Uhse – Das Recht auf Liebe. Nur ist das eben eindrucksvoller, wenn eine solche Leistung auch wirklich geschehen ist, anstatt sich eine Figur und ihren Kampf einfach nur auszudenken. Wenn dabei wenigstens eine interessante Figur entstanden wäre. Aber Brendel zeichnet sich nur durch das Talent und ihren Dickkopf aus, nicht durch eine spannende Persönlichkeit.
Bei der Umsetzung sieht es nicht viel besser aus. Lotte am Bauhaus setzt zum Teil schon ziemlich stark auf Kitsch, aufdringliche Musik inklusive. Die passt dann nicht einmal wirklich zum historischen Setting. Insgesamt ist der Film dann auch eher enttäuschend. Zwar ist es nicht uninteressant, wie selbst in einer Einrichtung, die sich als fortschrittlich ansieht, Konventionen bestätigt werden. Das ist aber zu wenig. Dass wir es hier mit einem Historiendrama zu tun, das selbst sehr konventionell ist, passt nicht wirklich zu einer Kunstschule, die neue Wege beschreiten wollte. Da man zu wenig über die eigentliche Kunst erfährt, ist der Film in erster Linie die Geschichte eines verschwendeten Potenzials. Da kann dann auch das engagierte Ensemble nicht mehr viel retten.
OT: „Lotte am Bauhaus“
Land: Deutschland
Jahr: 2019
Regie: Gregor Schnitzler
Drehbuch: Jan Braren
Musik: Annette Focks
Kamera: Christian Stangassinger
Besetzung: Alicia von Rittberg, Noah Saavedra, Jörg Hartmann, Nina Gummich, Marie Hacke, Julia Riedler, Ulrich Brandhoff, Christoph Letkowski
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)






