Die Solisten
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Die Solisten

Die Solisten
„Die Solisten“ // Deutschland-Start: 29. Januar 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Zehn alleinerziehende Menschen, acht Frauen und zwei Männer, kommen in einer alten Industrieanlage zusammen. Dort sprechen sie allein und in Gruppen über die Erfahrungen, die sie als alleinerziehende Väter und Mütter gemacht haben. Sie geben Auskunft darüber, warum sie alleinerziehend sind, unterhalten sich über Klischees, Vorurteile und Stereotype, berichten von Hindernissen, Schwierigkeiten, aber auch von Glücksmomenten.

Die Kunst der Kindererziehung

In ihrem Debütfilm 800 Mal einsam – Ein Tag mit dem Filmemacher Edgar Reitz (2019) porträtierte Anna Hepp ihren Kollegen Edgar Reitz. An wechselnden Orten – mal im Kino, mal mitten in der Natur – entspann sich ein Gespräch von Regisseurin zu Regisseur. Und das Publikum erfuhr Erhellendes über Reitz‘ Herkunft, seine wechselvolle Karriere und den Wandel der deutschen Filmlandschaft. Auch in Hepps neuem Dokumentarfilm geht es im weitesten Sinn um Einsamkeit. Allerdings verbirgt sich hinter dem Titel etwas anderes, als viele annehmen dürften.

Wer beim Wort „Solist“ an einen Künstler denkt, der ein Solo singt, spielt oder tanzt, der ist in diesem Fall falsch gewickelt und liegt doch nicht komplett daneben. Die „Solisten“, die Hepps Doku den Namen geben, sind zehn Alleinerziehende, die über ihre Erfahrungen Auskunft geben. Die acht Frauen und zwei Männer mögen keine Sänger, Musiker oder Tänzer sein, in Bezug auf den Umstand, dass sie ihren Alltag inklusive Kindererziehung allein meistern müssen, sind sie aber allemal Lebenskünstler. Und durch die Art und Weise, wie Hepp die zehn Interviewten in Szene setzt, werden aus ihnen doch beinahe tatsächlich Solisten.

Essayistisch und performativ

Hepps aktuelle Doku ist aus eigenen Erlebnissen erwachsen. „Über viele Jahre habe ich als Alleinerziehende erfahren, wie tief verwurzelte Vorurteile sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum mein Leben prägten“, sagt die Regisseurin. In ihrem Film werden diese Vorurteile und Stereotype vom Opernsänger Thilo Dahlmann als gesungene Soli aus dem Off vorgetragen, bevor Dahlmann am Ende des Films zu den zehn Alleinerziehenden hinzutritt, mitten unter ihnen performt und schließlich mit ihnen das Tanzbein schwingt. Denn um mit diesen Vorurteilen aufzuräumen, verzichtet Hepp „bewusst auf einen klassischen dokumentarischen Ansatz“, wie sie selbst sagt. Was sich bereits am Drehort ablesen lässt.

Anna Hepp hat die Mütter und Väter statt bei sich zu Hause am Küchentisch oder auf der Wohnzimmercouch in einer stillgelegten Fabrik interviewt. In farblich aufeinander abgestimmten Kleidungsstücken geben sie mal allein Auskunft und kommen mal miteinander ins Gespräch. Zwischendurch werden choreografierte Szenen und symbolträchtige Bilder eingestreut. Schon Hepps Debüt 800 Mal einsam war von einem großen Stilbewusstsein seitens der Regisseurin geprägt. Doch die technischen Spielereien, die auch immer den Entstehungsprozess des Dokumentarfilms sichtbar machten, waren mehr unnötige Fingerübung als Zugewinn. Bei Die Solisten verhält es sich ähnlich und doch anders. Einerseits lenkt das Performative zu sehr vom Inhalt ab, andererseits hebt Hepps distinktive künstlerische Handschrift ihren Film aber auch aus der breiten Masse an Dokumentarfilmen heraus. Und Erhellendes ist darin ebenfalls zu finden.

Credits

OT: „Die Solisten“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Anna Hepp
Drehbuch: Anna Hepp
Kamera: Oliver Freuwörth, Christian Scholz
Mitwirkende: Marguerite Apostolidis, Anke Bellinghausen, Helmut Freund, Sven Hartmann, Birgit Hauska, Inga Krauss, Nahla Mischael, Meike Peter, Dominika Reszczynska, Bianca Schühlein

Bilder

Trailer

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Die Solisten
fazit
Vorurteile über Alleinerziehende gibt es wie Sand am Meer. In Anna Hepps zweitem abendfüllenden Dokumentarfilm „Die Solisten“ kommen nun endlich die zu Wort, die es betrifft. Wie schon ihr Debüt „800 Mal einsam“ ist auch Hepps neuer Film von einem großen Stilbewusstsein geprägt. Ihr essayistischer und performativer Ansatz hebt den Film aus der breiten Massen an klassischen Dokumentarfilmen heraus, lenkt aber auch vom eigentlichen Thema ab.
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