Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
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Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ // Deutschland-Start: 29. Januar 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Schwer getroffen vom Unfalltod seines Bruders, verlässt der 20-jährige Joachim (Bruno Alexander) sein Elternhaus in Norddeutschland und zieht nach München. Er besteht wider Erwarten die Aufnahmeprüfung an der renommierten Schauspielschule Otto Falckenberg, doch mit dem Unterricht kommt er nicht klar. Täglich eckt er an, verweigert sich den Übungen, die er aber als doofe Zumutungen empfindet. Wenn es so weitergeht, wird er die Probezeit nicht bestehen. Rückhalt und Geborgenheit findet Joachim bei seinen Großeltern, in deren Villa er wohnt. Großmutter Inge (Senta Berger) war früher eine gefeierte Schauspielerin, Großvater Hermann (Michael Wittenborn) ein Philosophieprofessor. Das eigenwillige Ehepaar hat einen festen Tagesrhythmus mit trinkfesten Gewohnheiten, die auch dem Enkel manchen Schwips bescheren.

Ein Enkelsohn und Nilpferd

Das Publikum liebt Komödien über Familien, die sich vom Wandel der Zeit herausgefordert sehen. Der Regisseur Simon Verhoeven (Willkommen bei den Hartmanns, Alter weißer Mann) verbuchte auf diesem Gebiet bereits große Erfolge. Nun hat er eine Coming-of-Age-Geschichte inszeniert, die in mancher Hinsicht vertrautes Terrain für ihn ist. Dem jungen Helden fällt es irrsinnig schwer, sich an der Schauspielschule einzugewöhnen und seinen Weg zu finden. Er pendelt zwischen einem Unterricht, in dem er ein sprechendes Nilpferd spielen oder sich als kochendes Spagetti am Boden wälzen soll, und der aus der Zeit gefallenen Welt der skurrilen Großeltern hin und her. Simon Verhoeven hat in seiner Heimatstadt München gedreht und die Rolle der Großmutter und Schauspielerin Inge Birkmann mit seiner Mutter Senta Berger besetzt.

Der Regisseur sagt über den Film: „Wir feiern Schauspielerinnen und Schauspieler, ihre einsamen Kämpfe, ihre oft verzweifelten Stunden.“ Dass es dabei humorvoll zugeht, liegt schon an Joachim Meyerhoffs gleichnamiger Romanvorlage aus dem Jahr 2015. Der Schauspieler hat darin seine Ausbildung in München und seine Erinnerungen an die Großeltern autofiktional verarbeitet. Entsprechend ist die Handlung Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre angesiedelt. Meyerhoffs Großmutter Inge Birkmann war ebenfalls eine renommierte Schauspielerin und hatte einst an der Otto-Falckenberg-Schule unterrichtet. Unter der Regie von Sonja Heiss war 2023 schon Meyerhoffs Roman Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war verfilmt worden, in dem der Autor seine Kindheit in Norddeutschland schildert. Auch diesmal sind die Rollen der Eltern, die aber nur noch am Rande vorkommen, mit Devid Striesow und Laura Tonke besetzt.

Skurril, berührend, lebensnah

Der tragikomische Spielfilm ist rundum gelungen. Er bietet mit liebevoll-witziger Milieuschilderung und emotionaler Tiefe hervorragende Kinounterhaltung. Verhoeven, der auch das Drehbuch schrieb, setzt den Meyerhoffschen Erzählstil sehr gut um. Der Regisseur lässt die Hauptfigur wie im Roman als Ich-Erzähler durch die Handlung führen. Wie geschickt er das für die Dramaturgie nutzt, zeigt die hochspannende Szene, in der Joachim bei der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule seinen Text aus Büchners Dantons Tod spricht. Was ihm dabei durch den Kopf geht, ist in Voice-Over zu vernehmen, wodurch sich der skurrile Gehalt der Situation erst vollends offenbart.

Bruno Alexander spielt den Hauptcharakter oft als staunenden, manchmal ungläubigen Betrachter. Er wirkt jugendlich unbekümmert und dennoch voller Schmerz, der nicht herauskann und sich an der Schule in Wut verwandelt. Alexanders Schauspieltalent erreicht einen Höhepunkt, als Joachim an der Schule das Lieblingslied seines Bruders anstimmt und es sehr bewegt und mit falschen Tönen aus sich herauspresst. Senta Berger glänzt als großmütterlich-fürsorgliche Grande Dame. Michael Wittenborn macht sich hervorragend als liebender, oft etwas unbeholfen wirkender Gatte, der es gewöhnt ist, beim Reden von seiner besseren Hälfte unterbrochen zu werden. Die Nebenrollen und selbst die Gastauftritte gehören bekannten Gesichtern wie Friedrich von Thun, Karoline Herfurth, Tom Schilling, Johann von Bülow und vielen mehr. Man kann lachen, etwas über das Leben erfahren und auch darüber, wie das titelgebende Goethe-Zitat die Nöte eines jungen Menschen auch heute noch auf den Punkt bringt.

Credits

OT: „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Simon Verhoeven
Drehbuch: Simon Verhoeven
Vorlage: Joachim Meyerhoff
Musik: Segun Akinola
Kamera: Jo Heim
Besetzung: Bruno Alexander, Senta Berger, Michael Wittenborn, Laura Tonke, Devid Striesow, Katharina Stark, Tom Schilling, Johann von Bülow, Moritz Treuenfels, Victoria Trauttmansdorff, Anne Ratte-Polle, Friedrich von Thun, Karoline Herfurth

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Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
fazit
Ein junger Mann beginnt seine schwierige Ausbildung an der Münchner Schauspielschule und zieht bei seinen eigenwilligen Großeltern ein. Der Regisseur Simon Verhoeven bringt die humorvollen Betrachtungen des Romanautors Joachim Meyerhoff in dieser filmischen Buchadaption hervorragend zur Geltung. Der von Bruno Alexander, Senta Berger und Michael Wittenborn angeführte Cast sorgt nicht nur für viel Situationskomik, sondern auch für emotionalen Tiefgang.
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