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Die Kinder der Villa Emma

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„Die Kinder der Villa Emma“ // Deutschland-Start: 30. März 2018 (Das Erste) // 5. April 2018 (DVD)

Inhalt /Kritik

Wien, 1941: Seitdem die Nationalsozialisten die Stadt besetzt haben, ist die jüdische Bevölkerung auch dort nicht mehr sicher. Doch was tun? Um wenigstens Kinder in Sicherheit bringen zu können, arbeitet eine Hilfsorganisation daran, diese nach Palästina zu bringen, wo sie ein neues Leben beginnen können sollen. Unter ihnen ist auch die 14-jährige Betty Liebling (Sophie Stockinger), die auf Veranlassung ihres Vaters aus der Gefahrenzone weg soll. Einfach ist der Weg aber nicht. Josko Indig (Ludwig Trepte) und Helga Herrnstadt (Nina Proll), welche die Gruppe anführen müssen, tun sich schwer damit, für Dutzende von Kindern und Jugendlichen die Verantwortung zu übernehmen. Als sie das italienische Dorf Nonantola erreichen, können sie in der leerstehenden Villa Emma erst einmal durchschnaufen und ihre Kräfte sammeln. Diese werden sie auch brauchen, denn um sie herum herrscht noch immer Krieg …

Eine Villa als Refugium in einer Welt des Grauens

Noch immer ist es eine Zahl, die man sich kaum vorstellen kann: Um die sechs Millionen Juden und Jüdinnen wurden innerhalb nur weniger Jahre ermordet, Männer und Frauen, Alte und Kinder. Dass es nicht noch mehr waren, ist dem Mut Einzelner zu verdanken, die seinerzeit zur Flucht verhalfen oder die Verfolgten zumindest verstecken. Viele Filme und Serien wurden zu dem Thema gedreht. Das berühmteste Beispiel ist natürlich Schindlers Liste, das 1993 zu einem unerwarteten Blockbuster wurde. Eher neueren Datums ist Die Frau des Zoodirektors (2017), wo ein Zoo zum Versteck umfunktioniert wird. Transatlantic (2023) wiederum erzählt von einer Organisation, die bedeutenden Persönlichkeiten die Flucht in die USA ermöglichen sollte. Im Vergleich zu diesen starbesetzten Titeln ist Die Kinder der Villa Emma von 2016 eine ganze Nummer kleiner, der Fernsehfilm kann nicht mit vergleichbaren Namen protzen.

Das macht die Geschichte aber nicht weniger erzählenswert. So wird hier deutlich, mit welchen Strapazen es verbunden war, während der Zeit des Holocausts durch Europa fliehen zu müssen. Selbst außerhalb von Deutschland konnte man sich nirgends wirklich sicher fühlen, überall drohte der Feind aufzutauchen oder Leute, die mit diesen kollaborierten. So nimmt in Die Kinder der Villa Emma gemäß dem Titel die Zeit in der Villa den Hauptteil des historischen Dramas ein. Es gibt aber zuvor eine längere Passage, die von der Flucht erzählt. Auch später wird es eine geben, da das Anwesen zwar ein Refugium für die Kinder und Jugendliche wurde, wo sie kurze Zeit auch einfach mal sie selbst sein durften. Ihre Geschichte war damit aber nicht abgeschlossen.

Solides Drama

Während dieser Hauptphase erinnert der Film etwas an den Kollegen Die Kinder von Windermere, die jeweils anlässlich einer Gedenkreihe an den Holocaust wieder ausgestrahlt werden. Beide behandeln die Schwierigkeit, in einer Welt des Schreckens ein normales Leben zu führen, wie man es als junger Mensch verdienen würde. Da geht es beispielsweise um romantische Gefühle, aber auch um den Verlust geliebter Menschen. Ganz so heftig wie in dem obigen Drama wird es in Die Kinder der Villa Emma natürlich nicht. Es macht dann doch noch einen Unterschied, ob man auf der Flucht ist vor dem Genozid oder diesen in den Konzentrationslagern selbst erlebt hat. Zu Herzen gehende Schicksale gibt es aber auch hier. Betty wird dabei zur Identifikationsfigur, an der das beispielhaft aufgezogen wird. Sie musste alles zurücklassen, Heimat und Familie, um mit Fremden in ein fremdes Land zu gehen.

Es hätten gern noch mehr so persönliche Geschichten sein dürfen. Stattdessen wird erstaunlich viel über die Erwachsenen gesprochen und ihre Versuche, die Gruppe irgendwie zusammenzuhalten. Zwischendurch kommt es beispielsweise mehrfach zu Konflikten mit Marko Schoky (Laurence Rupp), einem opportunistischen Überlebenskünstler, für den Pragmatismus wichtiger ist als Moral. Auch das ist als Thema interessant, wenn es darum geht, was in solchen Ausnahmesituationen erlaubt ist und was nicht. Die Kinder der Villa Emma kratzt da aber nur ein wenig an der Oberfläche, die Diskussionen sind schon vorbei, noch bevor sie wirklich begonnen haben. Aber selbst wenn da noch mehr drin gewesen wäre, ist das hier ein solides Drama, das mit seinem historischen Szenario selbst einem heutigen Publikum viel zu sagen hat.

Credits

OT: „Die Kinder der Villa Emma“
Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2016
Regie: Nikolaus Leytner
Drehbuch: Agnes Pluch
Musik: Matthias Weber
Kamera: Hermann Dunzendorfer
Besetzung: Sophie Stockinger, Ludwig Trepte, Nina Proll, Muriel Wimmer, Laurence Rupp, August Zirner, Manfred-Anton Algrang, Rudy Ruggiero

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Die Kinder der Villa Emma
fazit
„Die Kinder der Villa Emma“ begleitet eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die 1941 von Europa nach Palästina gebracht werden sollen. Der Film wechselt dabei zwischen der gefährlichen Flucht und einer Phase der Ruhe, in der es darum geht, wie man in einer solchen Ausnahmesituation noch ein Kind sein kann.
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