Die Ausstattung der Welt
© Bramkamp Weirich GbR

Die Ausstattung der Welt

„Die Ausstattung der Welt“ // Deutschland-Start: 25. Januar 2024 (Kino)

Inhalt / Kritik

Sie sind ein elementarer Bestandteil für jeden Film und jedes Theaterstück. Ohne sie wären Schauspieler auf einer nackten Bühne und ständen mit leeren Händen vor einer Kamera. Dennoch erhalten Requisiten oft wenig Aufmerksamkeit oder werden nur am Rande wahrgenommen. Natürlich gibt es immer wieder spezielle Gegenstände, die dem Zuschauer ins Auge stechen, aber jede Kaffeetasse, jedes Kissen oder jedes noch so unauffällige Gemälde im Hintergrund muss sorgsam ausgewählt werden und birgt eine eigene kleine Geschichte.

Der deutsche Dokumentarfilm Die Ausstattung der Welt von Susanne Weirich und Robert Bramkamp, in Zusammenarbeit mit ZDF und Arte, nimmt sich diesen Geschichten an und liefert selten gesehene Einblicke in die Welt der Requisiten und sogenannten „Props“.

Die fabelhafter Welt der Requisiten

Drei der größten deutschen Requisitenfundus öffnen für Die Ausstattung der Welt ihre Tore: der „Requisitenfundus Studio Babelsbergs“, der „Delikatessen Requisitenfundus Berlin“ und „FTA – Film- und Theater-Ausstattung“ in Hamburg. Alle drei beherbergen eine schier gewaltige Anzahl an Gegenständen, die Ausstatter von Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen gegen eine Gebühr ausleihen können, um ihren Sets und Bühnen Leben einzuhauchen. Die Mitarbeiter der Fundus leisten dabei fachkundige Beratung, während sie sonst vor allem mit dem Einordnen, Katalogisieren und manchmal sogar Restaurieren der verschiedenen Requisiten beschäftigt sind.

Als willkommene Abwechslung werden dem Zuschauer auch immer wieder Szenen aus Filmen und Serien gezeigt, in denen die gerade gezeigten Requisiten zum Einsatz kommen. Sei es ein Sofa, auf dem die Mitarbeiter eine kurze Pause einlegen, Pflanzen, die ein Büro im Fundus dekorieren, oder frisch katalogisiertes, unechtes Sushi. Außerdem wird oft spielerisch auf die eingelagerten Gegenstände zurückgegriffen und ein Eigenleben suggeriert; ein kleiner Plastikfisch „schwimmt“ immer wieder durchs Bild oder Telefone aus verschiedenen Jahrzehnten klingeln, wobei am anderen Ende der Leitung ein vermeintlicher Kunde ist.

Vorurteile und postkoloniale Einflüsse

Neben dieser rein dokumentarischen Darstellung der alltäglichen Routine in den Requisitenstudios eröffnet der Film allerdings noch eine zweite Ebene. Die Schauspielerin Thelma Buabeng spielt die Doktorandin Cleo, die einzelne Requisiten auf ihre postkoloniale Geschichte erforscht. Verschiedene afrikanisch aussehende Figuren oder Bilder werden untersucht. Handelt es sich bei den mit Nägeln gespickten Voodoo-Puppen um authentische Figuren oder lediglich um Nachbildungen, die mit echter afrikanischer Kultur nichts zu tun haben? Anhand dieser Nebenhandlung wird deutlich, wie stark die Welt der Filme durch teilweise rassistische Einflüsse und Vorurteile der realen Welt geprägt wird. Zum Leitmotiv für diese Thematik wird das Gemälde „african women holding a clock“, das immer wieder in verschiedenen Zusammenhängen in den drei Fundus auftaucht.

Vielschichtiger Zusammenhang zwischen realer Welt und Filmwelt

Die Ausstattung der Welt entpuppt sich dementsprechend als weit mehr als eine trockene Dokumentation über Requisiten. Der Film schafft es geschickt, den Fokus auf die kleinen Dinge zu lenken, die Zuschauer zwar in allen anderen Filmen sehen, aber gleichzeitig kaum wahrnehmen. Die Requisiten werden spielerisch in den Film integriert und entwickeln sogar ein Eigenleben, aber trotzdem liegt der Hauptfokus darin, den Zuschauern einen informativen Einblick in diese Welt der Dinge zu geben, ohne sich zu sehr in humoristischen Spielereien zu verlieren.

Auch die zweite, gesellschaftskritischere Ebene von Die Ausstattung der Welt zeigt auf interessante Weise, wie Stigmata und Vorurteile bis hin zu unterschwelligem Rassismus durch Requisiten in Filme gelangen können. Figuren, die eigentlich nichts mit anderen Kulturen zu tun haben, werden in Filmen in gewisser Weise inszeniert, sodass genau diese Bilder im Gedächtnis bleiben und der Zuschauer sie unterbewusst mit beispielsweise afrikanischer Kultur verknüpft, obwohl das falsch sein kann. Hierbei handelt es sich meist nicht um eine bewusste Täuschung, dennoch sollte man sich diese Tatsache im Hinterkopf behalten, und Die Ausstattung der Welt bietet dieser Problematik eine Bühne.

Credits

OT: „Die Ausstattung der Welt“
Land: Deutschland
Jahr: 2023
Regie: Robert Bramkampf, Susanne Weirich
Drehbuch: Robert Bramkamp, Susanne Weirich
Kamera: Markus Koob
Besetzung: Thelma Buabeng

Bilder

Trailer

Filmfeste

DOK Leipzig 2023

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Die Ausstattung der Welt
fazit
„Die Ausstattung der Welt“ gewährt einen faszinierenden Einblick in die Welt der Requisiten und formuliert dabei zusätzlich eine subtile gesellschaftskritische Botschaft. Die Dokumentation schafft es geschickt, den unspektakulären Alltag innerhalb der drei Requisitenstudios mit einer humoristischen Inszenierung einzelner Requisiten zu verbinden.
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