Auf der Kippe
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Auf der Kippe

„Auf der Kippe“ // Deutschland-Start: 12. Oktober 2023 (Kino)

Inhalt / Kritik

Die Welt verändert sich. Natürlich hat sie das schon immer getan, nichts blieb auf Dauer konstant. Und doch hat man im Moment oft das Gefühl, dass ein bisschen viel gleichzeitig passiert. Vor allem die Ungewissheit, die damit einhergeht, ist für viele ein Problem. Zwar wissen die meisten, dass radikale Wandel anstehen und anstehen müssen. Aber das soll lieber bei den anderen passieren. Eine Region, die von diesem Wandel betroffen ist, ist die Lausitz, die zu Teilen in Ostdeutschland, zu Teilen in Polen liegt. Lange war diese Gegend für den Wohlstand Deutschland mitverantwortlich, vor allem das Braunkohle-Vorkommen trug dazu bei, dass es genügend Energie gibt. Doch dessen Tage sind gezählt. Die Kohlekraftwerke sollen innerhalb der nächsten Jahre abgestellt werden, aus Gründen des Klimaschutzes.

Ein Ohr für die Sorgen die Menschen

Doch was bedeutet das für die Menschen vor Ort? Auf der Kippe geht dieser Frage nach. Regisseurin Britt Beyer spricht mit einer Reihe von Leuten, die dort wohnen und die sich die Frage stellen müssen, wie es in Zukunft mit ihnen weitergehen soll. Grundsätzlich wird auch dort die Notwendigkeit der Änderungen nicht in Frage gestellt, Klimaleugner sind unter den Befragten nicht dabei. Wohl aber ist man sich uneinig, wie dieser Wandel aussehen sollte. Eine Gesprächspartnerin meint beispielsweise, dass man den Rest auch noch hätte abbauen können und erst danach eine Alternative gebraucht hätte. Diese Meinung wird von Beyer nicht in Frage gestellt, so wie sie sich allgemein nicht selbst einbringt. Sie ist in erster Linie eine Zuhörerin, keine Kommentatorin. Wo Umwelt-Dokus oft auch belehrende Elemente beinhalten, wird hier darauf verzichtet.

Tatsächliche Lösungsansätze für die drängenden Probleme gibt es auch nicht, das ist hier einfach nicht das Thema. Vielmehr interessiert sich Beyer dafür, wie die Menschen in der Lausitz diese Veränderungen und die Situation insgesamt wahrnehmen. Die sind verunsichert bis verängstigt, teilweise aber auch frustriert. Das Gefühl einer mangelnden Wertschätzung findet sich in den einzelnen Interviewszenen. Das Gefühl, so viel für Deutschland getan zu haben, nur um dann weggeworfen zu werden. Wobei die Kohle in Auf der Kippe nur ein Faktor unter mehreren ist. Sie war nach der Wende geblieben, andere Unternehmen und Geschäftszweige waren weniger glücklich. Das Trauma, im Rahmen dieser massiven Deindustrialisierung schon einmal übervorteilt worden zu sein, sitzt tief. Dass man dann mit Sorge auf die nächste Änderung blickt, ist verständlich.

Zwischen gestern und heute

Wobei in Auf der Kippe keine reine Verzweiflung herrscht oder man ständig auf dem Opferstatus herumreitet. Es gibt auch Ansätze, wie die Gegend in dieser schwierigen Phase der Transformation begleitet und gefördert werden kann. Rund 17 Milliarden Euro Strukturhilfen sind geplant. Chancen gibt es also durchaus, dazu Menschen, die nach Möglichkeiten suchen. Zu denen zählen etwa Torsten Pötzsch, Oberbürgermeister der sächsischen Stadt Weißwasser, oder auch Lars Katzmarek, Mitglied des LEAG-Betriebsrats. Sie wollen auf ihre Weise einen Wandel, der auch tatsächlich eine Zukunft für die rund eine Million Menschen bedeutet, die in der Lausitz leben.

Auf diese Weise gelingt ein umfassender Blick auf die aktuelle Situation, der verschiedene Perspektiven bietet und die unterschiedlichsten Stimmen zu Wort kommen lässt. Der Dokumentarfilm, der unter anderem auf dem DOK.fest München 2023 zu sehen war, ist Bestandsaufnahme, wehmütige Rückschau, aber auch potenzielle Prognose. Ob es dafür nun unbedingt einen Kinofilm gebraucht hätte, sei mal dahingestellt. Auf der Kippe könnte man sich ebenso gut als Fernsehreportage vorstellen. Ein Interesse für menschliche bis gesellschaftliche Themen vorausgesetzt, ist das hier aber durchaus lohnenswert, selbst wenn man nicht unbedingt das Gefühl hat, wahnsinnig viel Neues erfahren zu haben.

Credits

OT: „Auf der Kippe“
Land: Deutschland
Jahr: 2023
Regie: Britt Beyer
Kamera: Frank Amann, Marcus Lenz

Bilder

Trailer

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Auf der Kippe
fazit
„Auf der Kippe“ nimmt das Publikum mit in die Lausitz und erzählt, wie die Menschen dort den anstehenden Strukturwandel weg von der Braunkohle wahrnehmen. Dabei kommen die unterschiedlichsten Leute zu Wort, wenn abwechselnd zurück und in die Zukunft geblickt wird.
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