Red River
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Red River

Red River
„Red River“ // Deutschland-Start: 9. Februar 1951 (Kino)

Inhalt / Kritik

In den 1850er Jahren sind noch viele Teile des US-amerikanischen Kontinents unerschlossen und gefährlich. Und doch sind sie für aufstrebende Geschäftsleute sehr interessant wie auch für kleine Siedlertrecks, die hoffen, sich auf einem dieser Landstriche niederlassen zu können, besonders nun, da die Erschließung des Landes durch die Eisenbahn unausweichlich ist. Dieser Gedanken beschäftigt auch Thomas Dunson (John Wayne), der viele Jahre Teil eines solchen Trecks war und beschließt, zusammen mit seinem Gehilfen Groot (Walter Brennan) in Texas nach geeignetem Land zu suchen, wo er Vieh züchten will. Nach vielen Schwierigkeiten und sehr viel Geduld schaffen es die beiden Männer zwar eine beachtliche Viehherde zu züchten, mit beinahe 10.000 Tieren.

Doch als die Nachfrage nach Rindfleisch in Texas sinkt und Dunson die finanziellen Mittel ausgehen, beschließt er abermals eine waghalsige Operation: Gemeinsam mit einer Schar von Helfern soll die gesamte Herde über den Red River nach Missouri gebracht und dort verkauft werden, ist die Nachfrage dort viel größer. Neben Groot unterstützt ihn dabei sein Gehilfe Matthew (Montgomery Clift), der Dunson seit vielen Jahren und der für den jungen Mann zu so etwas wie einem Mentor geworden ist, unter dem er nicht nur die Viehhaltung lernte, sondern auch den Umgang mit dem Revolver. Für seine Unternehmung kann Dunson jede Hilfe brauchen, denn gerade nach dem verlorenen Sezessionskrieg sind die Straßen und Wege gefährlich, und besonders Indianerangriffe sind keine Seltenheit.

Die Entdeckung des John Wayne

Die Western von Regisseur Howard Hawks stehen nicht nur für besonders gelungene Einträge in das Genre, sondern zudem für Narrative, die über den mythischen „Wilden Westen“ erzählen sowie dessen Helden. Obwohl er bereits mit John Wayne gearbeitet hatte, bemerkte Hawks dessen Talent als Schauspieler nach eigener Aussage erst bei der Produktion von Red River, einem Film inspiriert von einer Geschichte des Autors Borden Chase, der auch am Drehbuch mitschrieb. Dies legte nicht nur den Grundstein für weitere Kollaborationen, sondern darüber hinaus für eine künstlerisch wie auch kommerziell sehr lukrative Zusammenarbeit zwischen dem Schauspieler und dem Regisseur.

Es sind die Landschaftsaufnahmen in Zusammenspiel mit den Schauspielern sowie den Zwischentexten, welche das Geschehen zeitlich und örtlich einordnen, die das Bild jenes Wilden Westen immer wieder evozieren. Wayne und Clift spielen dabei zunächst Männer, die sich sehr ähneln, vor allem, weil der eine, nachdem ihn dieser vor vielen Jahren in seine Obhut genommen hatte, vieles von dem späteren Viehbaron gelernt hat. Neben jenen Eigenschaften, welche stereotypisch einen Cowboy auszeichnen, sind es doch in erster Linie Werte, die hier an die jüngere Generation weitergegeben werden und besonders die mit viel Pathos versehenen Monologe Dunsons definieren, in denen es um Freiheit, harte Arbeit und immer wieder den Willen zum Erfolg geht. Die beiden Schauspieler wie auch die Figuren, welche sie in Red River spielen, erzählen zugleich ihren Mythos, was zugleich die Landschaft zu einer mythologischen macht, ähnlich derer in den Legenden des Altertums oder der Antike. Diese Überhöhung, wenn man sie so nennen will, wird noch zusätzlich betont durch die Filmmusik Dimitri Tiomkins, welche diese Geschichte einer großen Liebe und dem Streit zwischen Vater und Sohn als eine amerikanische Erzählung versteht.

Vom Viehhändler zum Unternehmer

Die Figur des Thomas Dunson sticht aus der Vielzahl an Cowboys und Sheriffs, die Wayne während seiner langen Karriere in diesem Genre immer wieder spielen sollte, deutlich hervor. Weniger ein Vertreter der Gerechtigkeit, ist dieser doch ein Repräsentant der Gründungswerte des Westens, aber genauso des Erfolgswillen und des Kommerzes. In einer frühen Szene erschießt Dunson kurzerhand den Handlanger eines anderen Landbesitzers, nach einem kurzen Disput, der seinen unbedingten Willen und das damit verbundenen Recht auf dieses Land deutlich macht. Gefolgt von einer Szene, in denen Dunson, Groot und Matthew den Mann beerdigen, ist die Struktur dieses Mannes umrissen, der sich in extremen Widersprüchen wiederfindet, aber ebenso ein Mann des unbedingten Willens ist, den er anderen, notfalls mit Gewalt, auferlegt. Der Aufstieg vom Cowboy zum Land- und Viehbesitzer vollzieht sich durch diesen Willen, was er versucht seinem „Sohn“ Matthew weiterzugeben, was zugleich das Fundament für ihren späteren Konflikt legt.

Mehr und mehr wird Dunson zu einer Reinkarnation von Melvilles Kapitän Ahab, der nicht bewegt werden kann, wenn er sich einmal zu etwas entschlossen hat. Die einzelnen Stationen der Reise werden zu einer Bestandsprobe der Beziehung zwischen Vater und Sohn, zwischen Diener und Herr, was eine ungeheure dramatische Spannung erzeugt, auch wenn die Liebesgeschichte am Schluss und das aufgesetzte Hollywood-Ende nicht die vom Zuschauer eventuell gewünschte Konsequenz nach sich ziehen.

Credits

OT: „Red River“
AT: „Panik am roten Fluss“
Land: USA
Jahr: 1948
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Borden Chase, Charles Schnee
Musik: Dimitri Tiomkin
Kamera: Russell Harlan
Besetzung: John Wayne, Montgomery Clift, Walter Brennan, Joanna Dru, Coleen Gray, Harry Carey

Trailer

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Red River
Fazit
„Red River“ ist ein Western, der durch seine beeindruckenden Bilder und Darsteller überzeugt. Howard Hawks schuf weniger einen Genrebeitrag, sondern eine große Erzählung um (US-amerikanische) Mythenbildung, die Korruption dieser sowie den Konflikt zwischen Alt und Jung, wobei einzig das Ende die nötige Konsequenz vermissen lässt.
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