Inhalt / Kritik

Marie Brand und der Liebesmord

„Marie Brand und der Liebesmord“ // Deutschland-Start: 22. April 2017 (ZDF)

Als Jennifer Winkler tot aufgefunden wird, stehen die Zeichen erst einmal auf Herzversagen. Schließlich war die Frau gerade auf einer ihrer Joggingrunden, da kann das schon einmal vorkommen. Schnell jedoch wird klar, dass da jemand nachgeholfen haben muss. Die Ermittlungen führen Marie Brand (Mariele Millowitsch) und Jürgen Simmel (Hinnerk Schönemann) zu der Online-Partnervermittlung Amore Grande, deren Teilhaberin die Verstorbene war. Haben die Eigentümer Karsten (Simon Licht) und Christian Wenke (Rick Okon) etwas mit der Sache zu tun? War es Dietrich Degenhardt (David Korbmann), ein Konkurrent von Winkler? Oder könnte es ein Verbrechen aus Leidenschaft gewesen sein? Schließlich hat ihr Ex Ben Seidel (Florian Bartholomäi) bis heute nicht akzeptiert, dass ihre Beziehung vorbei sein soll …

Komische Szenarien

Man mag von den eigentlichen Kriminalfällen bei Marie Brand halten, was man will, es gibt doch zumindest oft ganz interessante Milieus, in denen die beiden unterwegs sind. Bei Marie Brand und das Spiel mit dem Glück tauchen wir ein in die Welt des Glücksspiels. Bei Marie Brand und die Spur der Angst treiben wir uns auf Pferderennbahnen herum. Marie Brand und der Liebesmord wiederum gewährt einen Blick hinter die Kulissen des Online-Datings. Ein Bereich also, der mit dem Versprechen auf die große Liebe um zahlungskräftige Kunden und Kundinnen wirbt, der sich um menschliche Schicksale aber wenig schert. Der schöne Schein soll verdecken, dass dahinter kräftig mit den Messern gewetzt wird.

Das bietet sich eigentlich für jede Menge Drama an. Stattdessen setzt der 20. Teil der ZDF-Krimireihe aber wie gewohnt auf Humor. Dafür ist natürlich verstärkt Gehilfe Simmel verantwortlich, der irgendwie immer ziemlich fehl am Platz wirkt und nicht so richtig weiß, wie er sich unter Menschen zu verhalten hat. So als hätte man einen Hundewelpen versehentlich in eine Polizeiuniform gesteckt. Komisch ist aber auch, wie er und Brand sich in Marie Brand und der Liebesmord daran versuchen, selbst mit dem Online-Dating Erfahrungen zu sammeln – in einer Mischung aus privatem und beruflichem Interesse. Der Film profitiert dabei enorm von dem eingespielten Duo, das gegensätzlicher nicht sein könnte, sich aber in den entscheidenden Momenten doch gut ergänzt.

Die Tragik des Alterns

Und doch schwingen bei den beiden auch ernste Töne mit. Ein durchgängiges Thema in Marie Brand und der Liebesmord ist, wie die Protagonistin mit ihrem Alter hadert. Das fängt bei der Toten an, die ihrer Altersklasse angehört, dabei aber deutlich jünger aussieht – was Brand schwer zu schaffen macht. Und auch an anderen Stellen scheint durch, wie tief die Verunsicherung sitzt. Wie tief auch die Anerkennung, doch noch Teil eines Lebens zu sein, anstatt immer nur am Rand zu sitzen und zuzuschauen. Bei Simmel sieht es nicht besser aus, der selbst schlechte Erfahrungen mit dem Online-Dating gesammelt hat und dessen Frust kaum zu übersehen ist. Auch er sehnt sich danach, von jemandem geliebt zu werden. Er weiß nur nicht, wie das geht.

Das Ganze wird wie gehabt mit einem Whodunnit-Krimi kombiniert, bei dem auf eine Leiche eine Reihe von Verdächtigen kommen. Da darf das Publikum bis zuletzt grübeln, wer nun wirklich dahintersteckt. Das Drehbuch macht es sich an der Stelle aber mehrfach zu einfach, wenn Teile der Auflösung einfach von den Verdächtigen ausposaunt werden. Das Gefühl, sich das Ende irgendwie zu erarbeiten, stellt sich auf diese Weise nicht ein. Trotz der schwächelnden Ermittlungen und der überschaubaren Glaubwürdigkeit gehört Marie Brand und der Liebesmord aber zu den besseren Teilen der Reihe. Der Unterhaltungsfaktor stimmt, die Verbindung aus Humor, Tragik und Mördersuche funktioniert.

Credits

OT: „Marie Brand und der Liebesmord“
Land: Deutschland
Jahr: 2017
Regie: Josh Broecker
Drehbuch: Timo Berndt
Musik: Florian Tessloff
Kamera: Eckhard Jansen
Besetzung: Mariele Millowitsch, Hinnerk Schönemann, Thomas Heinze, Heikko Deutschmann, Simon Licht, Florian Bartholomäi, Rick Okon, Anna Grisebach, David Korbmann

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Marie Brand und der Liebesmord
In „Marie Brand und der Liebesmord“ führt der Mord an einer Joggerin in das Milieu des Online-Datings, wo hinter den Kulissen mächtig gekämpft und intrigiert wird. Der Film verbindet dabei recht kompetent Mördersuche mit Humor und Tragik, auch wenn die Ermittlungen und die Auflösung besser sein könnten.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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