Kritik

Becky

„Becky“ // Deutschland-Start: 30. Oktober 2020 (DVD/Blu-ray)

Nach dem Krebstod ihrer Mutter ist das Verhältnis zwischen der 13-jährigen Becky (Lulu Wilson) und ihrem Vater sehr angespannt und als er ihr noch von seinem Plan erzählt, wieder zu heiraten, explodiert Becky förmlich vor Wut. Während eines Abendessens mit ihrer zukünftigen Stiefmutter Kayla (Amanda Brugel) kommt es zu einer heftigen Auseinandersetzung, in deren Verlauf Becky wutentbrannt das Haus verlässt und sich in die nahen Wälder zurückzieht. In ihrer Abwesenheit erhält ihr Vater ungebetenen Besuch, denn unter der Führung des Neonazis Dominick (Kevin James) verschafft sich eine Gruppe flüchtiger Sträflinge Zugang zu Haus. Die Männer sind auf der Suche nach einem geheimnisvollen Schlüssel, der sich im Keller des Hauses in der Wand befindet, jedoch findet Dominick die Stelle in der Wand leer vor. Als die brutalen Methoden seiner Männer nicht anschlagen, da Beckys Vater nichts von dem Schlüssel weiß, suchen diese nun nach Becky selbst, die sich immer noch in den Wäldern versteckt…

Vom Komiker zum Nazi
Spätestens seit ihrer ersten Kollaboration Cooties (2014) ist das Regiegespann Jonathan Milott und Cary Murnion vielen Genrefans ein Begriff. Bereits ihrer Arbeiten im Bereich der Animation sowie ihre Kurzfilme lassen sich in gesellschaftlichen Grenzbereichen verorten, gerade weil sie versuchen die Grenzen des guten Geschmacks auszuloten. In ihrem neusten Film Becky, der unter anderem auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest läuft, vermischen die beiden Filmemacher Elemente des Home Invasion-Subgenres und des Familiendramas, wobei sie mit dem aus King of Queens bekannten Kevin James jemanden für eine Hauptrolle gewinnen können, der hier zeigt, dass er mehr kann außer Komödien.

Dies ist dann auch schon einer der Höhepunkte in diesem ansonsten recht unspektakulären Film, dessen bekannte Versatzstücke nicht durchweg überzeugen können. Im Falle von Kevin James als Dominick ist es nicht nur eine rein äußerliche Verwandlung, die hier stattfindet, sondern eine des Wesens an sich, ein Aufgehen in diesem widerlichen, brutalen, manipulativen Menschen, der selbst gestandene Männer, die ihn in Sachen Körpergröße und Stärke bei Weitem überragen, kontrollieren und gefügig machen kann. Mag dies vielleicht nicht auf demselben Level sein wie die Verwandlung des Komikers Robin Williams in Mark Romaneks One Hour Photo oder Christopher Nolans Insomnia – Schlaflos, beweist James, ähnlich wie sein Kollege Vince Vaughn, dass er über das Genre der Komödie hinaus überzeugen kann.

So ist es dann auch wenig überraschend, wenn James neben der von Lulu Wilson gespielten Becky am meisten in diesem Film zu sehen ist. Selbst die Logiklöcher im Skript wie beispielsweise die Existenz des Schlüssels und dessen Zweck, können so kaschiert werden, erklärt doch die Präsenz  des zu allem entschlossenen Dominick, der mit ruhiger Geste unvorstellbare Grausamkeiten begeht, schon, dass es sich um etwas Wertvolles handeln muss.

Das Mädchen und die bösen Männer
Becky versteht sich zudem als eine Geschichte einer Verwandlung, einer Emanzipation, wenn man so will. Die aus Ouija – Ursprung des Bösen bekannte Lulu Wilson spielt eine Jugendliche, die in der Trauer um den Verlust der Mutter in einer Art Abnabelungsprozess von ihrem Elternhaus begriffen ist. Interessanterweise ist dieser Prozess verbunden mit einer Verteidigung eben jenes Hauses, was sich schon bald in recht blutigen Fallen sowie recht unappetitlichen Splatter-Einlagen niederschlägt. „Wenn sie einmal böse war, wurde sie grauenvoll“, sagt Becky in einer Szene, so als ob sie ein Märchen vorliest, in dem nicht mehr länger das Mädchen einsam und wehrlos ist, sondern im Gegenteil mit aller Gewalt zum Gegenangriff bläst.

Diese Form der Eskalation und diese Verwandlung des Teenagers inszenieren Milott und Murnion ins teils recht drastischen, teils etwas cartoonhaften Gewaltszenen, die gerade im Finale etwas untergehen, da der Film unverhältnismäßig dunkel wird.

Credits

OT: „Becky“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Jonathan Milott, Cary Murnion
Drehbuch: Nick Morris, Ruckus Skye, Lane Skye
Musik: Nima Fakhrara
Kamera: Greta Zozula
Besetzung: Lulu Wilson, Kevin James, Joel McHale, Robert Maillet, Amanda Brugel, Ryan McDonald

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Becky
„Becky“ ist eine solide Mischung Home Invasion-Thriller und Drama. Die Schauspieler sind die einzigen Überraschungen in diesem ansonsten eher unspektakulären Film, der mehr aus seinen Möglichkeiten hätte machen können und den man leider schnell wieder vergessen hat.
5von 10

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