Kritik

Faking Bullshit

„Faking Bullshit“ // Deutschland-Start: 10. September 2020 (Kino)

So richtig aufregend ist das Leben der Polizisten Deniz (Erkan Acar), Rocky (Adrian Topol), Netti (Sanne Schnapp) und Hagen (Alexander Hörbe) eigentlich nicht, schließlich geschieht in ihrem Kaff nie etwas. Nicht einmal ein Verbrechen. Gestört hat sie das bislang kaum, können sie doch auf diese Weise eine ruhige Kugel schieben, ohne sich um so lästige Dinge wie Arbeit kümmern zu müssen. Das ändert sich jedoch schlagartig, als die Kollegin Tina (Sina Tkotsch) bei ihnen auftaucht. Ihre Aufgabe: überprüfen, ob man die Dienststelle nicht aufgrund der nicht vorhandenen Kriminalität schließen könnte. Dem können die anderen natürlich nicht tatenlos zusehen. Und so kommt Deniz auf die Idee: Warum nicht einfach ein paar Verbrechen inszenieren und sich so die Arbeit sichern?

In den letzten Monaten wurde die Rolle der Polizei wieder verstärkt in Frage gestellt, ausgehend von den schockierenden Fällen rassistisch motivierter Polizeigewalt in den USA. Wozu gibt es die Polizei? Was ist ihre Funktion? Aber auch: Wer überwacht die Hüter des Gesetzes und stellt fest, dass sie sich selbst an Gesetze halten? In einem solchen Umfeld eine Komödie ins Kino zu bringen, in denen Polizisten vermeintliche Verbrechen begehen, nur um eine ruhige Kugel schieben zu können, das ist entweder mutig oder fahrlässig – gerade auch, weil diese trotz allem als die Guten dargestellt werden, eine kritische Hinterfragung also ausbleibt.

Gesellschaftliche Themen beim Vorbeifahren
An einer satirischen Auseinandersetzung hatte Alexander Schubert (Ronny & Klaid), der sonst als Schauspieler bekannt ist und hier sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor abgibt, kein so großes Interesse. Stattdessen soll Faking Bullshit eine sympathische Komödie sein, mit einem skurrilen Szenario und leicht schrägen Figuren. Ganz ohne gesellschaftliche Relevanz ist der Film deswegen aber nicht. Gleich zu Beginn gibt es beispielsweise einen Kommentar zu Rassismus im Alltag, an einer anderen Stelle werden Geschlechterbilder hinterfragt. Schließlich tummeln sich bei der Polizei auch ein paar Frauen, die sich mit traditionellen Ansichten konfrontiert sehen und dabei zum Teil selbst nicht wissen, wie sie sich verhalten sollten. Dass die Zeiten sich geändert haben, das ist den Leute schon klar. Sie wissen nur nicht genau wie.

Die Komödie, die im Rahmen der sommerlichen Filmfest München Pop-Up Kooperation 2020 Weltpremiere hatte, befasst sich also durchaus mit aktuellen Themen. Faking Bullshit flechtet diese aber lieber etwas beiläufig bei und setzt stattdessen mehr auf die Figuren. Die haben zwar so ihre Macken, wirken immer mal wieder reichlich naiv und unbeholfen. Aber es ist ein doch irgendwie liebenswürdiger Haufen, mit dem man vielleicht nicht unbedingt beruflich zu tun haben wollte, aber sich durchaus auf ein Bier treffen würde. Trotz der eher fragwürdigen Moral, welche die Mannschaft an den Tag legt, drückt man ihnen deshalb – ganz wie von Schubert beabsichtigt – die Daumen, dass sie sich doch irgendwie durchmogeln.

Harmlos, aber spaßig
Das ist dann alles harmloser, als es sein könnte, was für vieles in Faking Bullshit gilt. Man sollte beispielsweise trotz der Krimi-Elemente – unter anderem wird es um ein reales Verbrechen bezüglich verschwundener Bilder gehen – keine größere Spannung erwarten. Action-Szenen sind ebenfalls sehr rar gesät und werden wenn dann wie alles humorvoll in Szene gesetzt. Selbst zwischenmenschlich hält man sich lieber an der Oberfläche auf, wo es nicht ganz so weh tut: Auch wenn zwischendurch ein bisschen das Herz miteinbezogen wird, gerade in amouröser Hinsicht, das ist alles nicht so wahnsinnig ernst gemeint. Die Komödie soll einer dieser Filme sein, bei denen sich im Anschluss alle besser fühlen und Bestätigung finden, dass zum Schluss alles gut werden kann.

Aber selbst wenn der eine oder andere vielleicht gerne „mehr“ gehabt hätte, in der einen oder anderen Form, Spaß macht der Film. Die amateurhaften Versuche, Verbrechen vorzutäuschen, sind oft angenehm absurd. Sehr schön sind auch die Auftritte von Bjarne Mädel (Stromberg – Der Film) als Obdachloser, der in das Spiel der Polizei hineingezogen wird und mit trockenem Humor und einer völlig deplatzierten Ernsthaftigkeit immer wieder gelungene Kontrastpunkte setzt. Wer also mal wieder in der Stimmung für eine irgendwie bescheuerte, aber doch sympathische Komödie ist, der könnte einen Abstecher in die Provinz wagen. Verbrechen gibt es dort zwar keine, dafür aber genügend originellen Kurzweil und nette Chaoten.

Credits

OT: „Faking Bullshit“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Alexander Schubert
Drehbuch: Alexander Schubert
Musik: Roman Fleischer
Kamera: Julian Landweer
Besetzung: Erkan Acar, Sina Tkotsch, Adrian Topol, Sanne Schnapp, Alexander Hörbe, Xenia Assenza, Bjarne Mädel

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Faking Bullshit
4 (80%) 13 Artikel bewerten

Faking Bullshit
In „Faking Bullshit“ täuscht eine Truppe von Provinz-Polizisten diverse Verbrechen vor, damit die eigene Dienststelle nicht geschlossen wird. Die Komödie wird am Ende nie so satirisch, wie es das Thema anbieten würde, ist aber sympathisch und kurzweilig – nicht zuletzt wegen der absurden Situationen rund um die unbeholfenen Möchtegernverbrecher.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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