Kritik

Germans and Jews

„Germans & Jews“ // Deutschland-Start: 14. Mai 2020 (Online) // 25. September 2020 (DVD)

75 Jahre nach Kriegsende zeigt sich im Zusammenleben von Juden und Deutschen ein zweigeteiltes Bild. Während sich auf der einen Seite Berlin über die am schnellsten wachsende jüdische Gemeinde erfreuen kann, die das Bild der Stadt nachhaltig prägt und das kulturelle Gefüge Berlin bereichert, stehen dieser Entwicklung auf der anderen Seite ein erneutes Erstarken antisemitischer Gedanken gegenüber. Jahre des fortwährenden Erinnerns als integraler Teil des schulischen Curriculums sowie innerhalb der soziopolitischen Agenda haben ihre Spuren hinterlassen, sodass heutzutage ein Schulabschluss zusammenfällt mit einem guten Wissen über den Holocaust, die Judenverfolgung sowie das Zustandekommen dieses Hasses. Dennoch stellt sich die Frage, ob dieses Wissen und die deutsche Kultur des Erinnerns ein nachhaltiges Verbessern des Verhältnisses von Juden und Deutschen zustande gebracht haben.

In diesem Kontext ist das Bild eines gemeinsamen Essens, eines zwanglosen Austausches ein wünschenswertes, beinahe schon utopischen Ereignis. Doch bei der reinen Vorstellung lässt es Regisseurin Janina Quint nicht bleiben, denn für ihren Dokumentarfilm Germans & Jews bringt sie, wie der Titel schon sagt, Juden und Deutsche, alles Einwohner Berlins, an einen Tisch, zu einem Abendessen zusammen, sowie zu einem Gespräch über ihre Vorstellungen zu Deutschland, ihre Leben in Berlin und die gemeinsame Vergangenheit. Essenziell ist für Quint wie auch ihre Gesprächspartner die Frage, was nun als Konsequenz für die Zukunft dieser Beziehung entstehen kann. Die Antworten und Möglichkeiten, die der Film liefert, können Hoffnung geben.

Entwickeln und Verändern von Perspektiven
Innerhalb der 76 Minuten Laufzeit umreißt Quint in ihrem Film die Vergangenheit, die Gegenwart sowie die möglichen Perspektiven des deutsch-jüdischen Zusammenlebens. Zu ihren Gesprächspartnern gehören zum Beispiel der 2016 verstorbene Holocaust-Forscher Fritz Stern, der Musiker Herbert Grönemeyer und der Schriftsteller Rafael Seligman, die über ihre Beziehung zu Deutschland, zu dessen Geschichte und zu den Deutschen bzw. zu den Juden sprechen. Die Fakten, Erfahrungen und Gefühle, die sich ansammeln und welche auf dem Tisch liegen ergeben ein Fundament, auf welchem sich zwei Dialoge aufbauen, zum einen der bereits erwähnte, welcher zwischen einem Teil im Film gezeigten Personen stattfindet, aber zum anderen der zum Zuschauer, der sich als Teil dieser wichtigen Interaktion sehen darf.

Durch die Wahl ihrer Gesprächspartner sowie ihre Behandlung der modernen Erinnerungskultur in Deutschland und der Beziehung zum Staate Israel wird deutlich, dass Quint daran gelegen ist mit Vorurteilen und einem Beharren auf einer Position aufräumen will. Gerade durch das Mittel des offenen Dialogs geht es um das Zuhören, das Verstehen und die Toleranz für die Position des anderen, um das Erfahren einer Perspektive, die sich einem bisher verschlossen hat. Musiker, Lehrer und Geschäftsleute gehören zu dem Kreis derer, die sich schließlich zu dem Abendessen treffen, sich mit Humor und Offenheit einem Thema annähern, das nicht nur für ihr Leben, sondern für das Miteinander in der Gesellschaft sehr wichtig ist.

Credits

OT: „Germans & Jews“
Land: USA
Jahr: 2016
Regie: Janina Quint
Musik: Jonathan Zalben
Kamera: Adolfo Doring, Amanda Zackern

Bilder

Trailer

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Germans & Jews – Eine neue Perspektive
"Germans & Jews – Eine neue Perspektive" ist ein Film, der durch seine informative und umsichtige Herangehensweise seinem Zuschauer eine neue Sicht auf das Zusammenleben von Deutschen und Juden eröffnet. Das schöne Bild des Dialogs wird zum Kern von Janina Quints Dokumentation, das sinnbildlich für ein demokratisches, tolerantes und menschliches Miteinander sein kann, nicht nur im Jetzt, sondern auch in der Zukunft.
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