Kritik

Killing Gunther

„Killing Gunther“ // Deutschland-Start: 24. April 2020 (DVD/Blu-ray)

Blake (Taran Killam) hat einen Traum: Er möchte Gunther (Arnold Schwarzenegger) umbringen! Nicht, weil der ihm was getan hätte. Er kennt ihn nicht einmal. Doch Gunther ist nun einmal der beste und gefährlichste Auftragsmörder, den es gibt. Und nur wenn er ausgeschaltet wird, kann es Blake zu etwas bringen. Aus diesem Grund versammelt dieser ein ganzes Team aus Killern, darunter Donnie (Bobby Moynihan) und Sanaa (Hannah Simone), um gemeinsam die Ikone aus dem Weg zu räumen. Und damit anschließend auch kein Zweifel daran herrscht, welche Heldentat vollbracht wurde, werden sie von einem Filmteam begleitet. Ganz so einfach wie gedacht ist das Unternehmen aber nicht, denn Gunther scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein …

Es ist ein Schicksal, das schon viele gestandene Schauspielgrößen ereilt hat: Je älter sie werden, umso mieser wird die Rollenauswahl. So manch einer ist im billigen B-Movie-Direct-to-Video-Segment geendet – siehe etwa Bruce Willis, Wesley Snipes oder John Cusack. Das ist oft traurig, aber offensichtlich einträglich genug. Zumal viele der gefallenen Stars gar nicht den kompletten Film anwesend sein müssen. Es reichen ein paar Minuten, damit sie an erster Stelle in den Credits genannt und groß auf dem Cover präsentiert werden. Das fällt dann zwar eigentlich schon unter Betrug, aber bis das Publikum das gemerkt hat, ist es meistens schon zu spät.

Ein Mordsspaß?
Ein Beispiel für solche Etikettenschwindel ist Killing Gunther, das eigentlich schon zweieinhalb Jahre alt ist, aus irgendeinem Grund aber jetzt erst bei uns veröffentlicht wird. Und um eins vorweg zu nehmen: Es wäre kein besonders großer Verlust gewesen, hätte es der Film nicht ins Heimregal geschafft. Dabei ist das Problem nicht mal, dass auf besonders dreiste Weise mit Arnold Schwarzenegger geworben wird, der gerade mal in den letzten zwanzig Minuten auftritt. Nur weil das Marketingteam das Publikum täuscht, muss ja nicht alles gleich schlecht sein. Das eigentliche Verbrechen ist, dass die übrigen siebzig Minuten völlig uninteressant sind.

Die Idee an sich ist dabei gar nicht so verkehrt. Anstatt eine ernste Menschenjagd zu veranstalten, hat der US-amerikanische Comedian bei seinem Debüt als Regisseur und Drehbuchautor Taran Killam eine gute gelaunte Farce daraus gemacht. Wenn der auch von ihm gespielte Blake die Besten seines Faches um sich schart, dann hat das eben nichts von einem Gipfeltreffen à la The Avengers. Dafür sind die meisten der anwesenden Killer zu überdreht und letztendlich auch zu schlecht. Es wirkt eher so, als hätten die Figuren ein paar Filme über Auftragsmörder gesehen und nun ihrerseits versucht, welche zu spielen. Das muss natürlich nach hinten losgehen, teilweise sind die Teammitglieder so unfähig, dass man insgeheim darauf wartet, dass sie sich alle gegenseitig umbringen – aus Versehen.

Schlechte Kopie eines Kultfilms
Die zweite große Aspekt, der zu komödiantischen Zwecken genutzt wird: Die Killer werden von einem Kamerateam begleitet, das alles festhalten soll. Das provoziert unweigerlich den Vergleich mit dem belgischen Kultfilm Mann beißt Hund, der ein ganz ähnliches Szenario verwendet hat. Und zumindest an einer Stelle des Films scheint man sich sogar explizit auf den Klassiker zu beziehen. Dessen Klasse erreicht die US-amerikanische Produktion jedoch nicht einmal ansatzweise. Wo das Original durch die Absurdität der Situation, verbunden mit einem äußerst schwarzen Humor, vor den Kopf stieß, da gibt es hier nur hektisches Herumgeeiere und dick aufgetragene Stereotype.

Erst in den besagten letzten zwanzig Minuten, wenn Arnie doch noch hinzustößt, entwickelt sich so etwas wie Witz. Der einstige Action-Superstar hat nicht nur Spaß an seinem selbstironischen Auftritt – anders als seine Kollegen und Kolleginnen macht er auch Spaß. Sehr viel besser werden die Gags da nicht, Killam hat schon eine sehr eingeschränkte Auffassung davon, was komisch sein soll. Schwarzenegger holt aber jede Menge aus dieser humoristischen Tristesse heraus. Das unterscheidet ihn dann zwar zu den anfangs beklagten B-Movie-Leidensgenossen, die oft nur zu deutlich zeigen, wie wenig Interesse sie dem jeweiligen Werk entgegenbringen. Hier hat man wenigstens das Gefühl, dass da jemand mitmacht, weil er Bock hatte. Es reicht aber nicht aus, um der billig produzierten Klamotte wirklich etwas abgewinnen zu können, die trotz zahlreicher Action-Szenen zu ereignislos ist.

Credits

OT: „Killing Gunther“
Land: USA
Jahr: 2017
Regie: Taran Killam
Drehbuch: Taran Killam
Musik: Dino Meneghin
Kamera: Blake McClure
Besetzung: Taran Killam, Bobby Moynihan, Hannah Simone, Paul Brittain, Cobie Smulders, Arnold Schwarzenegger

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Killing Gunther
Eine Mockumentary über ein Killer-Superteam, das Jagd auf eine Killer-Legende macht? Das hätte unterhaltsam werden können. Leider ist „Killing Gunther“ das aber nur auf der Zielgeraden. Vorher ist die Möchtegern-Komödie aufgrund des billigen Humors ein echtes Geduldsspiel, trotz zahlreicher Actionszenen wird es hier schnell langweilig. Lediglich der kurze Auftritt von Arnold Schwarzenegger zeigt, was möglich gewesen wäre.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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