Easy Love

„Easy Love“ // Deutschland-Start: 24. Oktober 2019 (Kino)

Easy Love ist eine halb fiktionale Dokumentation, bei der sich die jungen Darsteller alle selbst spielen um herauszufinden, wer sie mit ihrer Vorstellung von Liebe sind und sein können. Der Regisseur folgt dabei sieben Frauen und Männern aus Köln, die alle auf sehr unterschiedliche Weise mit Liebe, Intimität, Partnerschaft und Sex umgehen. Ein Pärchen versucht sich an einer offeneren Beziehung, Sophia (Sophia Seidenfaden) sucht ihre Erfüllung in Sexarbeit und Sönke (Sönke Andersen) ist eigentlich nicht wirklich auf der Suche nach irgendwas, Hauptsache er kann sein Ego mit den Bekanntschaften ausleben und dabei im Bestfall noch eine Übernachtungsmöglichkeit für ein paar Tage rausschlagen.

Ähnlich wie die Dokumentation Searching Eva, die ebenfalls dieses Jahr im Programm der Berlinale lief, ähnelt der Look der Doku mehr einem Indiefilm, wodurch er die Grenzen zwischen fiktivem und realem Charakter noch deutlich mehr verschwimmen lässt. Lediglich anhand einiger Dialoge lässt sich dann doch erkennen, dass es kein richtiges Drehbuch gibt und einfach dem Lauf der Dinge gefolgt worden ist. Auch Easy Love porträtiert eine Generation, die sich nur noch schwer in Schubladen pressen lassen will, die neugierig auf Neues ist und ausprobieren will, was das Leben und die Liebe so für sie bereit hält. Dass dabei aber eben nicht alles nur nach Plan oder nach den Überzeugungen der Beteiligten läuft stellt sich dann aber doch früher oder später heraus.

Und wie ist das mit dem Gefühl?
Wo beispielsweise Sexarbeit zunächst noch mit Dominanzempfinden einhergeht, stellt Sophie dann während einer Therapiesitzung fest, dass sie sich wiederum an keinen Moment erinnern kann, in dem sie von einem Jungen oder Mann respekt- und liebevoll behandelt worden ist. Und so wird auch das nächste einvernehmliche Sexdate zu einer Gewissensprobe, die sie später wohl noch weiter beschäftigen wird. Ebenso Sören, der auf Spaß aus war, aber feststellen muss, dass er sich doch in die Frau vom Flohmarkt verliebt hat und sie unbedingt wiedersehen will. Dass diese aber den Empfindungen nicht gleichermaßen entgegenkommen kann, stellt den Mann sogleich vor die nächste Herausforderung.

Die Dokumentation von Tamer Jandali schneidet viele Themen an und beleuchtet einige Aspekte von Liebe und Intimität. Allerdings gestaltet es sich etwas schwierig ,das Interesse an den Figuren konstant aufrecht zu erhalten. Vielleicht sind es zu viele Protagonisten, die es erschweren, sich so richtig auf deren Probleme während der Erkundungstour ihrer Seele einzulassen. Denn gefühlt bekommen nicht alle die gleiche Aufmerksamkeit. Vielleicht wäre es an der Stelle sinnvoller gewesen sich auf auf zwei, drei Charaktervorstellungen zu beschränken um möglicherweise noch tiefer in die Materie und die Wünsche oder Sehnsüchte der Menschen eingehen zu können.

Gerade offene Beziehungen, oder auch eine erste gleichgeschlechtliche Beziehung als Neuland sind dann doch Themen die eigentlich so komplex sind, dass sie mehr Zeit benötigt hätten, um Schwierigkeiten detaillierter darstellen zu können und um auch die Lösungsansätze der Beteiligten besser zu porträtieren. Mehr als die Erkenntnis, dass Liebe entgegen des Titels eben nicht einfach ist, kann die Dokumentation dann letzten Endes doch nicht hervorbringen. Und das ist für jeden Zuschauer dann leider so gar nicht neu.



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Easy Love
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Easy Love
„Easy Love“ versucht sich an einem umfassenderen Einblick in das Liebesleben einer Generation, die sich immer schwerer tut mit vorgefestigten Rollenbildern und Vorstellungen von Liebe. Leider kann Regisseur Jandali aufgrund der vielen Charaktere das Interesse nicht über die gesamte Laufzeit aufrecht erhalten und vieles verschwimmt damit zu sehr in Oberflächlichkeit.
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