Playland USA

„Playland USA“ // Deutschland-Start: 26. September 2019 (Kino)

Seit beinahe 250 Jahren gibt es die Vereinigten Staaten von Amerika. In geschichtlichen Kontexten mag dies keine allzu lange Zeit sein, dennoch hat sich in den grob drei Jahrhunderten enorm viel getan. Was genau, dies hält Benjamin Schindler in seinem neuesten Werk Playland USA fest. Angefangen von Themen wie die Vertreibung der Indianer, über Rassismus, Sklaverei und Kriege, bis hin zu religiösen Hintergründen, werden im Laufe der 90 Minuten die gesellschaftlichen Baustellen der amerikanischen Vergangenheit aufgezeigt. Einerseits zeigen diese, wie stark die USA immer noch an ihrer vergangenen Geschichte hängen, andererseits von dieser, besonders im Punkt des amerikanischen Traums, Stück für Stück wieder eingeholt wird.

The Boulevard of Broken Dreams
Der amerikanische Traum, an dem noch immer viele Amerikaner hängen, ist dabei das grundlegende Thema der Dokumentation. Dieser ist aber nur noch ein Schatten seiner selbst und wurde in der heutigen Zeit von einer eskapistischen Grundhaltung schon beinahe komplett abgelöst. Schindler arbeitet dies in unterschiedlichen Aspekten hervorragend heraus, in dem er auf der einen Seite das Streben nach eben jenem Traum festhält, auf der anderen Seite aber ebenso die gesellschaftlichen Probleme der USA als Gegenpol skizziert. Playland USA legt in der Hinsicht die Finger tief in die Wunde und arbeitet unter anderem die massive Ungleichheit im Land und die anhaltende Entwicklung zu einer Zweiklassengesellschaft in Hinblick auf das Bildungssystem heraus.

Viel Show um nichts
Um dies zu verdrängen, arbeitet die amerikanische Maschinerie tagaus, tagein. Mit Fokus auf die Unterhaltungsindustrie, Las Vegas als der Ort des Vergnügens schlechthin und „die“ Medien, beleuchtet Playland USA drei zentrale Säulen. Was aus dem Fokus auf Unterhaltung und der Abwendung von den weltweiten Problemen resultiert, ist eine starke Tendenz zum Eskapismus, sprich zur Realitätsflucht. Treffend wurde in der Hinsicht auch der Titel gewählt, da die USA nach Sicht von Schindler heute immer mehr einer Spielwiese gleichkommen und schon fast Dimensionen einer Fantasiewelt erreichen. Der amerikanische Traum von Freiheit, dem Streben nach Glückseligkeit und Gerechtigkeit ist dagegen aus dem Fokus vieler verschwunden.

In eine ungewisse Zukunft
Dennoch wird an einer Stelle dann gefragt, wohin diese Entwicklung hinführt. In Anbetracht der letzten 250 Jahre, einer Zeit voller Kriege, Unterdrückung und Ausbeutung, führt Playland USA uns zwar vor Augen, dass es schon mal sehr viel schlechter aussah. Doch Probleme gibt es auch in der heutigen Zeit mehr als genug, sie sehen nur anders aus. Nichts geht über Freiheit, wird in der Hinsicht ständig gepredigt, auch wenn man annehmen könnte, dass es davon genug gibt. Anstelle von Soziologen oder Historikern kommen im Laufe der Dokumentation einfache Bürger zu Wort, die ein wenig hoffnungsvolles Bild des Lebens in den USA zeichnen. Phrasen wie „Freiheit ist nicht umsonst, jemand muss dafür sterben“, geben einem in der Hinsicht dann doch stark zu denken. Was letztlich ein wenig fehlt, ist eine wissenschaftliche Herausarbeitung gesellschaftlicher und politischer Aspekte, wie wir es beispielsweise von Michael Moore kennen. Das einmal ignoriert, stellt sich Playland USA als eine gelungene Dokumentation über das amerikanische Leben heraus, das nach Sicht von Schindler einfach nicht erwachsen werden möchte – und vielleicht auch gar nicht kann.



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Playland USA
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Playland USA
Sieben Jahre noch, dann schreiben die Vereinigten Staaten von Amerika 250 Jahre Unabhängigkeit. Doch ist dies heutzutage überhaupt noch relevant? Und wie ist es um den amerikanischen Traum beschaffen? Diesen Fragen geht Benjamin Schindler in seinem neuesten Werk „Playland USA“ auf die Spur, in dem er die amerikanische Geschichte fragmentarisch beleuchtet und am Ende zu einer schmerzlichen Erkenntnis kommt.
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